Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Beim ganz erstaunlichen Auftritt des Landesjugendensembles für Neue Musik in Heidenheim war allerhand geboten.

In geheimnisvolles Halbdunkel getaucht war der Saal der Musikschule am Sonntagnachmittag. „Duster, auf Wunsch der Musiker“, erklärte Werner Glatzle vom Förderverein für Neue Musik, und man war gespannt auf die Darbietungen des Landesjugendensembles und seiner Formation „Pony Says“, die das in jeder Hinsicht ungewöhnliche Konzert organisierte.

„Viel Elektronik“ sei dabei, so Komponist Julian Siffert, dessen Werk mit dem vielsagenden Titel „Disco Interface“ am Anfang dieses Konzertabends stand, der von den 50 Besuchern viel Offenheit, aber auch Neugier einforderte. Der „Midi Controller“, eine Art Computerspiel, stand im Mittelpunkt der Aufführung und lieferte knackende, flatternde und raschelnde Geräusche, die aber auch mit einem schmatzend intonierten Fagott und mit deftigen Cello-Slaps die Spannung aufbaute.

Ein hartes Stück Arbeit

Man staunte, was es dazu auf Klavier, E-Bass und Violinen alles an Klängen möglich war. Den jungen Musikern gelang es, mit hoher Konzentration den experimentellen wie spontanen Charakter der Klänge herauszuarbeiten, was ein hartes Stück Arbeit darstellte.

Als „Setup- Stück“ bezeichnete der dänische Komponist Simon Löffler seine Komposition „b“ , der mit zwei Neonröhren geschickt visuelle Momente in sein Werk einbaute. Die Musik mit E-Gitarren-Pedalen und einem „bespielten Klinkenkabel“ erinnerte an die einstige Sendersuche beim „Dampfradio“ mit Rückkopplungsgeräuschen. Die gestalterische Finesse erforderte enorme Konzentration bei den Darbietenden, die diese Herausforderung aber bravourös meisterten.

Eher entspannt ging es bei Adrian Nagels „Schaltung“ zu. Das minimalistisch geprägte Stück für „vier Knackfroschspieler“ lebte von der rhythmischen Präzision der konzentriert arbeitenden Akteure. So spaßig das Stück wirkte, auch hier steckte viel Arbeit und Übung dahinter, was den Musikern mitunter anzumerken war.

Lebendigkeit und Spielfreude

Spannung bot das Stück „Rerendered“ für Piano solo „with two assistants“ von Simon Steen-Andersen. Die Assistenten hatten mit energischen Griffen in die Saiten eine Menge zu tun, um zusammen mit dem Pianisten ungewöhnliche Figuren und vertrackte Rhythmen in den Raum zu zaubern. Stets war man von dem spielerischen Engagement und dem Können der jungen Künstler auch bei ungewöhnlichsten Klangschöpfungen beeindruckt.

Eine echte Überraschung für ein Konzert kam mit „Solo for a Head“ der chinesischen Komponistin Yiran Zhao. Mit Ohrstöpseln und geschlossenen Augen bekamen die Kandidaten eine Art Kopfmassage, bei der sie nur das Geräusch der gestreichelten Haare wahrnehmen sollten. Die Handbewegungen der Ausführenden hatten etwas Zärtliches, fast Respektvolles an sich, und man genoss eher den Anblick der totenstill dastehenden Mitwirkenden, darunter auch Musikschulleiterin Monika Zimmermann, die diese Prozedur geduldig über sich ergehen ließ und dabei wohl auch genoss.

Ein Kontrastprogramm gab es am Schluss mit „Workers Union“ von Louis Andriessen. Marschähnliche Dissonanzen und dynamische Steigerungen kamen von Klarinette, Waldhorn, Fagott E-Bass und Cello. Violine und Klavier, aber auch die Harfe glänzte mit perkussiven Figuren und die Schlagzeugeruptionen schufen einen fast klassenkämpferischen Klangcharakter, der dem Titel des Werks gerecht wurde. Temposteigerungen und ostinate Elemente erinnerten mitunter an Ravels „Bolero“. Ein Konzert voller Lebendigkeit und Spielfreude, bei dem man aber auch den Mut zu wirklich Ungewöhnlichem und das Engagement der jungen Leute bewunderte.

Posaune und Orgel

Das nächste Konzert kin der vom Heidenheimer Förderverein für Neue Musik veranstalteten reihe bestreiten am Samstag, 4. Mai, ab 20 Uhr in der Pauluskirche Hansjörg Fink (Posaune) und Elmar Lehnen (Orgel).