Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger  Uhr
Die „Stuttgarter Saloniker“ boten Händels „Wassermusik“ auf schwimmender Bühne dar.

Georg Friedrich Händel brauchte eine ganze Armada von Schiffen, um auf der Themse seine „Wassermusik“ aufführen zu können. Er soll sogar an einen persönlichen „Brexit“ gedacht haben, nachdem sein Chef Georg der Erste an dem herrlichen Stück herummäkelte.

Bei ihrem Konzert im Brenzpark genügte den „Stuttgarter Salonikern“ wie schon im vorigen Jahr ein stabiles Floß, um den Musikern einen einigermaßen stabilen Untergrund zu schaffen. Die formidablen Musiker sind längst „Stammgäste“ bei den Veranstaltungen von „Sommer im Park“. Saloniker-Chef Patrick Siben bot auf dem Klavier mit subtilem Anschlag ein flüssiges Spiel, und er erreichte auch ohne elektronische Hilfsmittel die 500 Zuhörer mit seiner Stimme, die eines „Kapitäns“ würdig war.

Melodiefluss auf der Brenz

Gelegentliche „Heidenheim, ahoi“-Rufe kamen von Herzen und der Allrounder legte zusammen mit seinen Bläsern und Streicher los. Da gab es richtig authentische „Salonstücke“ wie den Ohrwurm „Barcarole“ von Jaques Offenbach, mit Eleganz und Würde dargeboten. Ein anmutiger Melodiefluss bei den rasanten Stücken von Emile Waldteufel bezauberte trotz der Hitze durch die präzise Spielweise und die flotte Rhythmik, die Patrick Siben einforderte, aber auch vorspielte.

Dies galt auch für das erlesene Hauptstück dieses musikalisch hochwertigen Nachmittags. Händels „Wassermusik“ hatte einen barocken Charme mit der reichen Bläserbesetzung, aber auch bei den subtil arbeitenden Streichern. Glänzend gelang es den „Salonikern“, die mosaikartige Folge der Einzelsätze prächtig und effektvoll darzustellen und dabei die Leuchtkraft und den Glanz der Harmonien gekonnt hervorzuheben. Der tänzerische Charakter und die höfische Noblesse kamen auch auf der Brenz lebendig und feurig zur Geltung.

Mit Hang zum Ungewöhnlichen

Alles kam mit leichter Hand, aber voller Konzentration – auf einer so kleinen und dazu noch leicht schwankenden Fläche keine Kleinigkeit. Doch hier spielten Profis, die das Ungewöhnliche lieben und davon dem begeisterten Publikum etwas mitgaben. Ob lyrisch-elegische Partien oder barocke Klangpracht, man konnte den „Salonikern“ stundenlang zuhören und Überraschungen gab es zudem reichlich.

Der Brenzpark als „Salon“, in dem gepflegte Musik von ausgewiesenen Könnern geboten wird, das gibt es wohl nur in hier. Auf die mehrfachen Rufe „Heidenheim, ahoi!“ von Maestro Siben kam die Antwort begeistert aus hunderten von verständlicherweise biergekühlten Kehlen.