Heidenheim Konferenz begleitet neue Wege in der Psychiatrie

Haben die Gesundheitskonferenz organisiert: (von links) Sozialdezernent Matthias Schauz, Dr. Martin Zinkler und Oliver Tornseifer vom Gesundheitsamt.
Haben die Gesundheitskonferenz organisiert: (von links) Sozialdezernent Matthias Schauz, Dr. Martin Zinkler und Oliver Tornseifer vom Gesundheitsamt. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Silja Kummer 08.06.2018
Die aktuelle Versorgungssituation für psychisch Kranke im Landkreis ist Thema bei zwei Veranstaltungen, zu denen das Landratsamt einlädt.

Die fünfte Heidenheimer Gesundheitskonferenz ist eigentlich keine punktuelle Veranstaltung, sondern ein laufender Prozess. Jedoch hat auch dieser einen Anfang, der jetzt mit zwei Veranstaltungen gemacht werden soll. Das Thema der Gesundheitskonferenz, die das Landratsamt organisiert hat, ist die gemeindepsychiatrische Versorgung im Landkreis Heidenheim. Inhaltliche Unterstützung bekamen die Organisatoren im Gesundheitsamt von Psychiatrie-Chefarzt Dr.Martin Zinkler. „Ich habe mich sehr gefreut, dass die Psychiatrie Thema der Gesundheitskonferenz werden sollte“, sagt der Psychiater.

Für Zinkler steht bei der Gemeindepsychiatrie, durch die die Versorgung von psychisch Kranken innerhalb des Landkreises bereits realisiert worden ist, die Frage der Verbesserung im Mittelpunkt: „Wohin soll sich die Gemeindepsychiatrie entwickeln?“, darüber sollen bei den beiden Veranstaltungen zum Auftakt der Gesundheitskonferenz nicht nur Fachleute, sondern auch Betroffene und deren Angehörige debattieren.

Psychische Erkrankungen sind ein zunehmendes Problem, darüber sind sich Zinkler und Oliver Tornseifer, Mitarbeiter im Gesundheitsamt, einig: „Seit 20 Jahren bleibt der Krankenstand in Deutschland in etwa gleich, aber die Gründe dafür sind zunehmend psychischer Natur“, sagt Zinkler. „Wir wollen eine Homepage schaffen, auf der sich die Menschen über Hilfsangebote im Landkreis bei psychischen Erkrankungen informieren können“, kündigt Tornseifer an. „Niemand, der psychisch krank ist, soll weggesperrt werden“, betont Oliver Tornseifer, im Gegenteil sollten die Patienten integriert und vor Ort behandelt werden. „Psychiatrieerfahrene sollen ermutigt werden, sich einzubringen“, wünscht sich auch Sozialdezernent Matthias Schauz. Ihm ist es wichtig, dass die Gesundheitskonferenz auch dazu beiträgt, das Thema Psychiatrie von seinem Schattendasein zu befreien.

Diskussion über Versorgung

Bei der Auftaktveranstaltung zur Gesundheitskonferenz am Mittwoch, 13.Juni, um 18 Uhr im Landratsamt hält Dr. Martin Zinkler zunächst einen kurzen Einführungsvortrag, bei dem umrissen werden soll, welche Angebote es im Landkreis Heidenheim gibt. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion sind neben Zinkler der Facharzt für Psychiatrie Dr.Uwe Maiter, der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Ströhle, Peter Pohl vom sozialpsychiatrischen Dienst und der stellvertretende Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, Michael Svoboda, vertreten.

Fachtagung für alle

Die zweite Veranstaltung ist eine Fachtagung, die am Dienstag, 19.Juni von 9 bis 15.30 Uhr im Konzerthaus stattfindet und den Titel „Neue Wege in der Gemeindepsychiatrie“ trägt. Der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses Donauwörth, Dr. Karel Frasch, hält einen Vortrag über das Hometreatment als Alternative zur stationären psychiatrischen Behandlung. Ein weiteres Referat kommt von Gwen Schulz und Margrit Grotelüschen. Die beiden psychiatrieerfahrenen Gesundheitsbegleiterinnen kommen aus Hamburg und sprechen über die „Peer-Arbeit“. „Die Einbeziehung von Patienten und Angehörigen ist in Hamburg schon sehr weit fortgeschritten“, meint Martin Zinkler. Es gebe auch Untersuchungen darüber, dass die Patienten umso zufriedener sind, je mehr man die Erfahrungen von ehemals Erkrankten einbeziehe.

Zinkler berichtet bei der Fachtagung vom Hometreatment, das seit Anfang 2017 in Heidenheim als Modellprojekt praktiziert wird. Am Nachmittag wird in zwei Workshops zu den Themen Hometreatment und Peer-Arbeit gesprochen, wobei auch die Heidenheimer Patientenberaterin Claudia Flämisch und der Fachpfleger Michael Waibel dabei sind

Für beide Veranstaltungen ist keine Anmeldung erforderlich, sie sind kostenlos und stehen allen Interessierten offen.

Gesundheitskonferenzen: Akteure vor Ort miteinander ins Gespräch bringen

Fachdialoge auf Ebene der Landkreise, so definiert das Landesgesundheitsamt die kommunalen Gesundheitskonferenzen. Es gibt sie landesweit seit 2010. Ihre Aufgaben sind regionale Analysen und Diskussionsprozesse zur Entwicklung kommunaler Ziele für die Bereiche der Gesundheitsförderung, Prävention, medizinischer Versorgung sowie der Pflege.

Eingeladen sind jeweils Vertreter verschiedener Einrichtungen vor Ort, die mit dem gegebenen Thema zu tun haben. Die Leitung der Gesundheitskonferenz liegt beim Landrat. Kommunale Gesundheitskonferenzen können die erarbeiteten Erkenntnisse in die jeweils zuständigen gesundheitspolitischen Gremien des Landes einbringen.

Im Landkreis Heidenheim fand 2012 die erste Gesundheitskonferenz zum Thema „Seelisch gesund altern“ statt. Dabei ging es um Demenz, aber auch um andere psychische Erkrankungen älterer Menschen. Die Situation der niedergelassenen Ärzte im Landkreis war 2013 das Thema, Die dritte Gesundheitskonferenz beschäftigte sich mit der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden im Landkreis. Im vergangenen Jahr ging es um „Digitale Kompetenz“.

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