Heidenheim Klinikum: Großer Bedarf nach Seelsorge für Muslime

Auch den muslimischen Gebetsraum hat Sozialminister Manfred Lucha bei der Infoveranstaltung besichtigt.
Auch den muslimischen Gebetsraum hat Sozialminister Manfred Lucha bei der Infoveranstaltung besichtigt. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Tina Lischka 16.08.2018
Seit einem Jahr gibt es das Angebot in Heidenheim. Der Bedarf ist groß - dies zeigte sich beim Besuch von Sozialminister Manfred Lucha.

Das sind die Termine, bei denen ich sage, Politik macht Sinn“, sagt der Minister für Soziales und Integration Manfred Lucha nach seinem Besuch im Heidenheimer Klinikum. Vor Ort hat er sich ein Bild von der Seelsorgearbeit im Krankenhaus gemacht und sich über die seit 2017 zusätzliche islamische Seelsorge sowie den Gebetsraum für Muslime informiert.

Und wer könnte besser darüber Bescheid wissen als die Ehrenamtlichen, die im Krankenhausalltag für den seelischen Beistand zuständig sind. In Heidenheim sind das für muslimische Patienten Abdullah Göcmen und Ozcan Kalkat. Die beiden haben eine einjährige Ausbildung am Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog gemacht und fühlen sich durch diese bestens gewappnet für ihre Arbeit.

Und der Bedarf sei groß, wie Klakat und Göcmen bestätigen. In jüngster Zeit nähmen zu den türkisch und deutsch sprechenden Patienten auch viele Flüchtlinge ihre Hilfe in Anspruch, wodurch ihre Arbeit stetig mehr werde und auch sprachliche Barrieren eine Rolle spielten.

Drei Hauptamtliche

Im Falle der christlichen Seelsorge sind die Strukturen anders. Während die muslimische rein ehrenamtlich bewältigt wird, hat das Klinikum drei hauptamtliche christliche Krankenhaus-Seelsorger: Pfarrer Thomas Völklein, Pastoralreferent Uli Redelstein sowie Gemeindereferentin Beate Limberger. Hinter ihnen steht noch eine große Anzahl an Ehrenamtlichen, die im Rahmen des Besuchsdienstes der Kirchengemeinden zum Einsatz kommen.

Zu den Aufgaben aller Seelsorger gehört es, Patienten, Angehörigen aber auch Mitarbeitern des Krankenhauses zur Seite zu stehen. Eine Aufgabe, die den Zuständigen einiges abverlangt, wie auch Dekan Sven van Meegen betont. Er selbst bezeichnet die Krankenhaus-Seelsorge als schwierigstes Feld in der Religion. „Man ist immer in den dunkelsten Phasen bei den Patienten“, sagt er. Deshalb seien starke Typen gefragt und genau diese habe das Klinikum in Kalkat und Göcmen, sowie in den drei Hauptamtlichen gefunden.

Auch die stellvertretende Pflegedirektorin Susanne Gaiser ist froh über die seelische Begleitung. Allein auf der Palliativstation sterben zwei bis vier Menschen in der Woche und auf der Intensivstation zwei bis drei, erläutert sie. Das sei eine große Herausforderung für die Seelsorger, die darüber hinaus auch das Personal und die Ethik-Kommission unterstützend und beratend begleiten.

Bislang nur 60 Kliniken

Die Zusammenarbeit unter den Seelsorgern funktioniere ausgezeichnet, wie alle Beteiligten bestätigen. Was Lucha besonders freute. Immer wieder betonte er die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs in der Seelsorgearbeit. Bislang seien es nur 60 Kliniken in Baden-Württemberg, in denen auch islamische Seelsorge angeboten wird. „Diese Arbeit wollen wir stärken“, so Lucha.

Auch Landrat Thomas Reinhardt wollte im Rahmen der Infoveranstaltung wissen, wo die ehrenamtlichen muslimischen Seelsorger Unterstützung brauchen können – sei es auf kommunaler- oder landespolitischer Ebene. In diesem Zusammenhang hat Göcmen um eigene Räumlichkeiten im Klinikum gebeten, in denen sie sich zurückziehen können, aber auch zu festen Zeiten vorzufinden sind. Bislang sei das nur im Gebetsraum möglich.

Auch der Wunsch nach einem weiteren landesweiten Ausbau der islamischen Seelsorge wurde geäußert. Zurzeit liefen Gespräche mit dem Mannheimer Institut über Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtliche muslimische Krankenhausseelsorge, so Lucha. Rund 30 Euro pro Stunde würden hier angepeilt. „Ich hoffe, dass ich hier demnächst einen Vollzug melden kann“, sagte er zuversichtlich. Immerhin wolle man, dass islamische Seelsorge in mehr als 60 Krankenhäusern angeboten werde.

Wie läuft die Ausbildung ab und seit wann gibt es den Gebetsraum?

Informiert haben sich zum Thema Krankenhausseelsorge im Klinikum nicht nur Minster Manfred Lucha und Landrat Thomas Reinhardt. Auch Oberbürgermeister Bernhard Ilg, Landtagsabgeordneter Martin Grath (Grüne) und Landtagsabgeordneter Andreas Stoch (SPD) waren am Austausch mit Pfarrer Gerhard Schwarz, Dekan Sven van Meegen und den ehrenamtlichen muslimischen Seelsorgen aus Heidenheim, Aalen und Göppingen beteiligt.

Unter anderem wurde der muslimische Gebetsraum, der am 13. Juli 2017 im Erdgeschoss des Klinikums eingeweiht wurde, besichtigt. Bereits 2013 hatte sich die türkisch-islamische Gemeinde um einen Gebetsraum bemüht.

Seit 2017 gibt es zwei ehrenamtliche muslimische Seelsorger am Klinikum.

Für die christliche Seelsorgearbeit sind drei Hauptamtliche zuständig.

Baden-Württemberg ist bislang das einzige Bundesland, das die muslimische Krankenhausseelsorge fördert.

Die Ausbildung für muslimische Seelsorger erfolgt am Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog. Finanziert wird sie vom Ministerium. Die Ehrenamtlichen müssen einen Eigenanteil von rund 180 Euro leisten.

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