Pläne Klinikum soll für Zukunft fit gespritzt werden

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Heidenheim / ERWIN BACHMANN 19.10.2015
Um das Klinikum aus den roten Zahlen zu bringen, wird der Landkreis als Eigentümer künftig einiges Geld locker machen. Zudem wird über eine Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern nachgedacht – so dass sich jedes Haus auf einen Bereich spezialisiert.
Landrat Thomas Reinhardt hat die auf dem Schlossberg herangewachsene Problemstellung nicht erst seit gestern im Visier. Als Aufsichtsratsvorsitzender der gGmbH zeigt er sich seit langem über die finanzielle Auszehrung des Krankenhauses besorgt und weiß denn auch, dass diese Mangelerscheinung nicht hausgemacht ist, die eigentlichen Ursachen in einer strukturellen Unterfinanzierung begründet sind.

Mit Interesse hat Reinhardt die jüngste politische Entwicklung beobachtet und zur Kenntnis genommen, dass das in Berlin geschnürte Reformpaket zur Krankenhausfinanzierung „nicht ganz so brutal ausfällt wie zu befürchten war“. Unterm Strich aber hat er sich mehr erhofft, insbesondere im Blick auf die Notaufnahme, die ein Minusgeschäft bleiben wird, solange die Vergütung der ambulanten Fälle zu mager ausfällt.

Bei prognostizierten 17 000 ambulanten Patienten summiere sich die Unterdeckung auf 1,7 Millionen Euro pro Jahr, rechnet der Landrat vor, der sich fragt, wie man da wirtschaftlich gegensteuern soll: Die einzig wirkungsvolle Konsequenz, dass man Patienten abweist, will man nicht wirklich ernsthaft in Erwägung ziehen.
Unabhängig vom weiterhin bestehenden gesundheitspolitischen Handlungsbedarf  will man das eigene Tun nun allerdings nicht länger darauf beschränken, Klagelieder zu singen.

Statt dessen hat man sich beim Landkreis – wie jüngst öffentlich gemacht – entschlossen, selbst in die Finanzierung der kreiseigenen Klinik-Gesellschaft einzusteigen, will es aber auch damit nicht bewenden lassen. Wie der Landrat jetzt in einem mit unserer Zeitung geführten Gespräch mitteilte, ist es der erklärte Wille, Veränderungen in der Struktur des Krankenhauses vorzunehmen, die dazu dienen, das Klinikum zukunftsfest zu machen und einen „strategischen Reformprozess“ einzuleiten.

Diese Weichenstellung geht auf eine bereits im Sommer bei einer Klausurtagung des Kreistages geführte Diskussion zurück. Dabei drehte sich alles nur ums Heidenheimer Klinikum, dessen missliche Situation sich von der vieler anderer kommunal geführten Krankenhäuser im Land nicht grundlegend unterscheidet. Heraus kam eine ganze Reihe von Prüf- und Handlungsaufträgen, mit denen jetzt der Aufsichtsrat des Klinikums befasst ist, der den weiteren Weg nicht alleine festlegen, sondern in Begleitung externer Sachverständiger gehen will. Zu diesem Zweck hat man eine aufs Gesundheitswesen spezialisierte Beratungsgesellschaft eingeschaltet, mit der ein Rahmenvertrag abgeschlossen wird.

Was soll anders werden, wie tiefgreifend werden die Eingriffe in die Steuerung und Organisation des Klinikums sein? Noch lässt sich der Landrat nicht in die Karten schauen, doch einige Beispiele immerhin nennt er. So ist neben der Optimierung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an eine Veränderung der Führungsstruktur der Klinik-Gesellschaft gedacht, wobei das Dreieck Klinikleitung – Geschäftsführung – Aufsichtsrat gemeint ist. Reinhardt spricht von einer Weiterentwicklung, einer Modernisierung und erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass diese historisch gewachsene Konstruktion noch aus Zeiten stammt, in denen das Klinikum ein Eigenbetrieb war. Wie das Modell der Zukunft aussieht, soll schon in wenigen Monaten sichtbar werden.

Ein anderer Ansatz wird längere Zeit in Anspruch nehmen. Er zielt auf eine kreisübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern sowohl im wirtschaftlichen wie im medizinischen Bereich ab. „Wir sehen einen Bedarf an Kooperationen und Verbundlösungen, die dem Nutzen aller Beteiligten dienen“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende, der die Zukunft der Krankenhäuser auch darin sieht, dass nicht jedes Klinikum das komplette Leistungsspektrum anbietet, sondern auf Spezialisierung setzt.

Über diese und andere Reformschritte hat Landrat Reinhardt erst kürzlich mit Chefärzten und Pflege-Verantwortlichen gesprochen und dabei den Eindruck mitgenommen, dass die Mitarbeiter voll und ganz hinter dem Klinikum stehen und bereit sind, aktiv an der Weiterentwicklung mitzuwirken. Er selbst ist sich sicher, dass sich das Heidenheimer Haus vor keinem anderen Mitbewerber verstecken muss, doch habe man das eine oder andere Problem: „Ich bin stolz auf das Klinikum, aber wir wollen noch besser werden.“
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