Heidenheim / Manfred F. Kubiak Eric Mayr spielt am 17. Mai auf dem Grotrian-Steinweg der Heidenheimer Michaelskirche Kompositionen von Eva-Maria Houben.

Kennen Sie Ferdinand Loh? Eric Mayr hat sogar ein Buch über ihn geschrieben. F. Loh aus Knipshausersiel bei Jever in Ostfriesland, na? Der Komponist des Flohwalzers. Es klingelt nicht? Egal. Dann schreiben wir erst einmal über Eric Mayr. Den kennt zwar in Heidenheim nicht unbedingt jeder, aber ganz vielen ist er auch nicht gänzlich unbekannt.

Der Pianist, genau. Und als solcher wird Eric Mayr am kommenden Freitag, 17. Mai, mal wieder in Erscheinung treten. Ab 20 Uhr wird er in der Michaelskirche zu erleben sein. Mit Kompositionen von Eva-Maria Houben.

Heidenheimer Erstaufführungen

Nie gehört, den Namen? Das ist nicht weiter schlimm. Selbst Eric Mayr war die Kollegin kein Begriff, eher er im sehr britischen „Guardian“ auf eine CD-Besprechung stieß, die sein Interesse weckte. Mayr machte sich kundig – und war sehr angetan von den Kompositionen der 1955 geborenen Professorin, die am Institut für Musik und Musikwissenschaft der Uni Dortmund lehrt.

Eric Mayr nahm Kontakt auf – und so kam eins zum anderen. Bis zur Heidenheimer Erstaufführung von Klavierwerken der Eva-Maria Houben in Heidenheim an eben jenem kommenden Freitag. Leider konnte es die Komponistin nicht einrichten, zum Konzert anzureisen. Was Eric Mayr auf der einen Seite „schade“ findet, was ihn aber andererseits, wie er augenzwinkernd feststellt, „auch ein bisschen beruhigt“.

Und, was dürfen sich die Konzertbesucher erwarten, wie ist die Musik so? „Sehr ruhig“, sagt Eric Mayr. „Und sehr konzentriert. Ich spüre, wenn ich sie spiele, immer eine gewisse innere Ruhe. Eva-Maria Houben spielt bewusst mit dem Zeit­empfinden des Zuhörers und des Spielers.“

Eva-Maria Houben, von Haus aus Organistin, hat, wie Eric Mayr inzwischen weiß, „irrsinnig viel Klavierwerke komponiert“. Eric Mayr selbst ist in dieser Hinsicht allerdings auch kein unbeschriebenes Blatt. Über 150 Kompositionen aus seiner Feder kennt der Musikmarkt inzwischen. Davon leben kann er nicht. „Von Beruf bin ich glücklicherweise Klavierlehrer und kann mir das Komponieren als Hobby leisten.“

Das gilt auch für die Solo-Klavierabende, für die der Pianist in, aber auch um Heidenheimer herum bekannt ist. Oft steht dann zeitgenössische Musik auf dem Programm, die weiter geht, als das Mayr in seinen eigenen, die Fundamente der Tradition nicht auf Biegen und Brechen zertrümmernden Kompositionen tut.

Da macht es ihm auch nichts aus, wenn kaum mehr als 30 Besucher kommen. „Wenn ich Beethoven spielen würde, was ich gern tue“, sagt der Mann, zu dessen musikalischen Hausgöttern unter anderem Morton Feldman und John Cage gehören, „würden wahrscheinlich auch nicht mehr als 50 kommen, ich bin ja nicht die ,Stones‘ oder ,AC/DC‘, obwohl mir das schon auch gefallen würde, vor so vielen Menschen aufzutreten, wie die es tun. Aber das ist halt nicht mein Job.“ Obwohl Eric Mayr als Musiker auch in solchen Gewässern durchaus zu fischen in der Lage wäre. Wer ihn einmal mit seinen harmonisch erweiterten Interpretationen von Rocksongs am Klavier erlebt hat, würde das unterschreiben.

Apropos: Schreiben tut der vielseitige, mit trockenem Humor und viel Sinn für feine Ironie ausgestattete gebürtige Bremer auch. Womit wir schließlich wieder bei F. Loh angekommen wären. In dem 1996 noch unter seinem Geburtsnamen Baumann geschriebenen, leider vergriffenen Buch „Der Komponist Ferdinand Loh und sein opus magnum: Der Flohwalzer“ hatte er in einer musikwissenschaftlich ebenso interessanten wie frei erfundenen Abhandlung dem vielleicht bekanntesten Klavierstück endlich auch zu einem Komponisten verholfen. Nicht wenige, darunter ein Schulbuchverleger, hatten die brillant ausgedachte und scheinbar gut recherchierte Geschichte sogar geglaubt.

Hübsch und geschichtsträchtig

Und wer glaubt, dass nur neue Flügel klingen, so der Yamaha der Heidenheimer Musikschule, den Eric Mayr am vergangenen Sonntag mit eingeweiht hat, der sollte schon allein wegen dieses Irrglaubens am Freitag in der Michaelskirche vorbeischauen.

Eric Mayr spielt dann nämlich auf dem dort sonst ein rechtes Dornröschendasein fristenden, sehr imposanten Grotrian-Steinweg von 1925. Und das nicht aus Jux und Tollerei. „Sondern weil der so hübsch ist, so geschichtsträchtig, ein bedauernswerter alter Herr, der es verdient hätte, von Grund auf renoviert zu werden.“

Benefizkonzert für die Kirchenmusik

Der Eintritt zum Konzert mit Eric Mayr am 17. Mai in der Heidenheimer Michaelskirche ist frei. Wer am Ende des um 20 Uhr beginnenden Abends beim Hinausgehen dennoch einen freiwilligen Obolus entrichten möchte, täte dies zugunsten der Kirchenmusik in der Paulus- und Michaelskirche.