Heidenheim Klangfest: „Wir sind ein Volk“

Volle Bühne, fast volles Haus: Beim „Klangfest“ rückten die Menschen freilich nicht nur räumlich zusammen.
Volle Bühne, fast volles Haus: Beim „Klangfest“ rückten die Menschen freilich nicht nur räumlich zusammen. © Foto: Rudi Penk
Heidenheim / Marita Kasischke 28.11.2018
Hoher Anspruch, scheinbar mühelos umgesetzt: Vor 600 Besuchern mit über 200 Mitwirkenden präsentierte Markus Romes in der Heidenheimer Waldorfschule sein „Klangfest“.

Ein friedliches Miteinander ist nicht nur möglich, sondern es kann zu beeindruckenden Ergebnissen führen – das ist einer der Gedanken, die die rund 600 Besucher am Samstagabend in der Waldorfschule mit nach Hause genommen haben dürften.

Das von Markus Romes geleitete „Klangfest“ unter dem Motto „Wir sind ein Volk“ riss das Publikum förmlich von den Stühlen und sorgte nicht nur für ein Fest der Klänge, sondern für ein Fest für die Sinne, für das Leben.

Nicht nur vor der Bühne waren eine Menge Menschen, auch auf der Bühne tummelten sich die Mitstreiter des Abends, auch daneben und im Saal verteilten sie sich, denn über 200 Mitwirkende sind selbst auf der großen Bühne nicht unterzubringen. Und: Über 200 Mitwirkende, das ist auch eine Herausforderung für jeden Projektleiter, zumal dann, wenn diese aus 26 Ländern stammen, wie hier der Fall. Markus Romes hat diese Hürde genommen, und man mag sich vorstellen, wie viel Arbeit dahintersteckte.

Freiheit im Mittelpunkt

Groß war auch der Anspruch in der Thematik: Um Demokratie ging es mit all ihren Errungenschaften wie Meinungsfreiheit, Recht auf freie Entfaltung, die unantastbare Würde, es ging um interkulturelles, ja interreligiöses Zusammenwirken, nicht zuletzt ging es um die Freiheit gerade im Miteinander.

Das wurde umgesetzt in Liedern, Tänzen, szenischer Darstellung und in eindringlichen Texten zwischendrin – eine Menge also war geboten an diesem Abend, der aus diesen fein abgestimmten Einzelteilen zu einem großen Ganzen wurde, dessen Faszination über zwei Stunden lang trug und das in dieser Zusammensetzung durchaus einzigartig genannt werden darf.

Lieder aus aller Welt

Die Lieder aus Litauen, Griechenland, Bosnien, Syrien, Israel, Indien, Afrika, Peru, Argentinien und vielen mehr – allein die Zusammenstellung der Chorvorträge für diesen Abend dürfte ein großes Unterfangen gewesen sein – waren weitgehend unbekannt, und der Chorvortrag in seiner Strahlkraft und Präzision und seiner Klangfülle machte das Hinhören zum Erlebnis, er berührte und bewegte in seinen ergreifenden Weisen, und er sorgte auch für Fröhlichkeit da, wo die Heiterkeit in den Liedern vorherrscht.

Selten gehörte Instrumente

Unterstützt wurde der Chor, zu dem auch die Schüler der Waldorfschule gehörten und der damit auch zum generationenübergreifenden Projekt wurde, von einem Kammerorchester, das in seiner Besetzung so auch nicht häufig zu erleben sein wird: Zu den hierzulande geläufigen Instrumenten gesellten sich die griechische Bouzouki, die türkische Saz, das russische Bajan, die chinesische Erhu, und das sorgte für Klangerlebnisse der besonderen Art.

Gekonnt vorgetragen und mal szenisch untermalt, mal tänzerisch, gerieten auch die eindringlichen Texte, die zuweilen wie zufällig gestreute Schnipsel auftauchten, zum Erlebnis mit besonderer Wirkung. Romes schaffte es sogar, der Stille einen besonderen Klang zu verleihen, der Stille, die nicht nur als prägendes Moment, sondern auch als Verbindung zwischen den Elementen wirkte und dem Zuhörer Raum gab, das Erlebte nachzuspüren und zu entfalten.

Leidenschaft und Herzblut

Das „Klangfest“ trug also seinen Namen völlig zu Recht, und es war auch dann ein großes Fest, wenn die große politische und humanistische Botschaft außer Acht gelassen wurde. Der künstlerische Anspruch war enorm, das Können beeindruckte und so, wie alle Mitwirkenden mit Leidenschaft und Herzblut zu Werke gingen, übertrug sich dies auf das Publikum, das von Anfang an bis zum Ende mit großer Begeisterung genoss.

Und es ist gut möglich, dass nicht nur die berührenden Weisen in Herzen und Köpfen der Zuhörer blieben, sondern auch der Gedanke an dieses friedliche Miteinander, das solch ein Fest möglich gemacht hatte. Das allein bedeutete schon, Großes bewegt zu haben. Und schließlich kann sich dieser Gedanke ja auch entfalten und durch den Alltag tragen.

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