Heidenheim Kirchenmusik: Ein außergewöhnliches Jahresprogramm

Ein Instrument, das nicht oft zu hören ist, heuer aber gleich zweimal erklingen wird: Dörte Maria Packeiser am Grotrian-Steinweg-Flügel der Michaelsksirche.
Ein Instrument, das nicht oft zu hören ist, heuer aber gleich zweimal erklingen wird: Dörte Maria Packeiser am Grotrian-Steinweg-Flügel der Michaelsksirche. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 14.02.2019
Dörte Maria Packeiser hat erneut ein außergewöhnlich interessantes Jahresprogramm für die Paulus- und die Marienkirche in Heidenheim zusammengestellt.

Ein Blick ins Vorwort lohnt sich immer, wenn man das Jahresprogramm in Sachen Musik in der Paulus- und Michaelskirche in Händen hält. Im vergangenen Jahr hatte Dörte Maria Packeiser dort den bemerkenswerten Satz „Wer in ein Konzert geht, muss riskieren, dass er etwas erlebt, das ihn verändert“ geäußert.

Und auch im neuen Programm für das noch junge Jahr 2019 lässt die Heidenheimer Kirchenmusikdirektorin mit einem Satz aufhorchen, über den man ruhig einmal nachdenken sollte: „Das Erleben von Zeit verändert sich beim Musikhören.“ Wer Sätzen wie diesen eine Chance gibt, Wirkung auf einen selber zu entfalten und damit etwas benennbar in den Bereich des Möglichen zu rücken, wird feststellen, dass sie nicht einfach nur so dahergesagt sind.

Musik vermag viel, wenn sie nicht von vornherein auf pure Bekömmlichkeit aus ist und auf Hörer trifft, die sich am Geschehen beteiligt fühlen und nicht nur berieseln lassen wollen. Und immerhin, so ist man beinahe versucht zu sagen, sitzen ja die Ohren am Kopf und nicht woanders, weshalb eigentlich immer die Gelegenheit besteht, eine musikalische Darbietung nicht bloß abzusitzen, sondern mit ihr näher und vielfältiger in Kontakt zu kommen. Man muss sich nur darauf einlassen.

Auf diese Bereitschaft setzt Jahr für Jahr auch Dörte Maria Packeiser mit ihrem Musikprogramm in der Paulus- und in der Marienkirche, das sich nicht als Hitparade des Kirchenjahrs mit den Ohrwürmern zum Anlass versteht, sondern nicht zuletzt auch als geistige Anregung und Aufforderung, sich mit dem Angebot auseinanderzusetzen. Die schöne, am Ende niemanden mehr herausfordernde Gewohnheit hat hier keinen Platz.

Bach-Pasticcio

Vier Beispiele mögen da für den Grundtenor des gesamten Programms dienen. Wie oft hat man die Möglichkeit, etwa Dietrich Buxtehudes Kantatenzyklus „Membra Jesu nostri“ zu hören, eine mystische Meditation aus der Barockzeit, die am Palmsonntag, 14. April, ab 19 Uhr in der Pauluskirche mit Solisten und dem auf Originalinstrumenten spielenden Stuttgarter „Collegium musicum“ aufgeführt werden wird? Gespickt übrigens mit ganz heutigen Interludien aus der Feder von Burkhard Kinzler, Jahrgang 1963.

Oder wer macht sich schon die verheißungsvoll klingende Mühe, ein Pasticcio aus diversen Bachkantaten zusammenzustellen, um daraus eine Art Oratorium zum Advent zu machen? Eben Dörte Maria Packeiser, die, erneut in Zusammenarbeit mit dem Barockorchester „Collegium musicum“ am Samstag, 30. November, um 19 Uhr unter dem Titel „Verkündigung, Erwartung, Ankunft“ antreten wird.

„Einen Traum“ erfüllt sich die hier auch Regie führende Kirchenmusikdirektorin am Samstag, 16. November, dem Volkstrauertag, ab 19 Uhr in der Michaelskirche mit der szenischen Aufführung der für Orgel übertragenen und zusätzlich für Klarinette, Violine und Schlagzeug gesetzten Klavierbearbeitung von Igor Strawinskys Musiktheater „Die Geschichte vom Soldaten“.

Drei Tage, drei Konzerte

Und weil ihr die Michaelskirche sehr am Herzen liegt, wird Dörte Maria Packeiser hier an einem Wochenende im Mai ein regelrechtes kleines Festival anbieten, das mit enormer Abwechslung locken soll. Zunächst wird am Freitag, 17., ab 20 Uhr der Heidenheimer Pianist Eric Mayr auf dem enormen Grotrian-Steinweg-Flügel des Baujahres 1925 mit Musik der zeitgenössischen Komponistin Eva-Maria Houben zu erleben sein. Tags darauf, nimmt dann Dörte Maria Packeiser an dem nicht alltäglich zu hörenden Instrument Platz, um ab 11 Uhr die Heidenheimer Sopranistin Maddalena Ernst bei Carl Reineckes „Kinderliedern“ zu begleiten. Und am Sonntag, 19. Mai, erklingt ab 19 Uhr bei einem Konzert für zwei Flöten und Orgel die üppige Bornefeld-Orgel der Michaelskirche, wobei selbstverständlich auch Kompositionen des früheren Heidenheimer Kirchenmusikdirektors auf dem Programm stehen.

Ansonsten, auch dies sei noch erwähnt, findet sich, neben vielen weiteren kleineren und größeren Konzerten, im Verlaufe des Programms für das Jahr auch die bis 2020 angelegte Aufführung des gesamten Orgelwerks von Max Reger.

Das vollständige Programm ist in einem kleinen, in jede Tasche passenden Heftchen nachzulesen, das in der Pauluskirche, in der Marienkirche und in der Tourist-Information im Elmar-Doch-Haus mitgenommen werden kann.

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