Mediation Kinderleid bei Trennung der Eltern: Es gibt Hilfe

Am meisten leiden unter der Trennung der Eltern ohnehin die Kinder. Wenn es dann noch Streit um das Umgangsrecht gibt, kann die Situation eskalieren.
Am meisten leiden unter der Trennung der Eltern ohnehin die Kinder. Wenn es dann noch Streit um das Umgangsrecht gibt, kann die Situation eskalieren. © Foto: WavebreakmediaMicro – Fotolia.com
Heidenheim / Karin Greth 06.11.2013
Anita Heindl und Manfred Benz helfen als Mediatoren so genannten „hochstrittigen Eltern“ Umgangsregelungen für die Kinder zu finden. Sie geben Einblick in ihre Arbeit anhand eines Fallbeispiels.

Anna (Namen von der Redaktion geändert) ist acht Jahre alt, Jakob ist sechs. Viel gestritten haben ihre Eltern in letzter Zeit, es gab Verletzungen und Kränkungen. Jetzt ist der Vater ausgezogen. Doch wenn er vor der Türe steht, um die Kinder am Wochenende mitzunehmen, gibt es wieder Streit, auch auf Umgangskontakte in den Ferien können sich die Eltern nicht einigen. Schließlich eskaliert die Auseinandersetzung, die Besuchswochenenden fallen aus und Herr Müller, der Vater der Kinder, geht zu einem Rechtsanwalt.

Der Anwalt stellt beim Familiengericht einen Antrag zur Regelung des Umgangs. Das Familiengericht reagiert sofort: Es setzt einen Eröffnungstermin fest, bestellt einen Verfahrensbeistand für Anna und Jakob und informiert das Jugendamt.

Noch vor dem Erörterungstermin lädt das Jugendamt die Eltern nun zu einem gemeinsamen Gespräch ein. Ziel ist es, eine einvernehmliche, außergerichtliche Einigung zu finden. Doch die Kluft zwischen den Eltern scheint unüberwindlich. Das Jugendamt rät deshalb zur Mediation. Auch die Anwälte und der Verfahrensbeistand raten zu dieser Möglichkeit. Doch die Eltern lehnen ab.

Also sieht man sich erst zum Erörterungstermin beim Familiengericht wieder. Hier weist nun der Richter nochmals sehr deutlich auf die Möglichkeit der Mediation hin. Schließlich erklären sich die Eltern bereit, dieses Angebot zu nutzen. Der Familienrichter legt eine vorläufige Umgangsregelung fest und bestimmt sofort den Termin für das erste Mediationsgespräch.

Die Lage ist gespannt. Herr und Frau Müller haben eigentlich nicht vor, miteinander zu sprechen und wirklich freiwillig ist ihre Teilnahme am Mediationsgespräch nicht. Doch Anita Heindl und Manfred Benz sind Menschen, die Herzlichkeit und Anteilnahme ausstrahlen. Sie führen alle Gespräche zu zweit. „Wir sind neutral“, betont Anita Heindl. Und trotzdem: Manfred Benz stellt sich auf die Seite des Vaters, Anita Heindl steht auf der Seite der Mutter. Die Mediatoren sind Ansprechpartner und Puffer zugleich: Die Eltern sitzen nebeneinander. Sie müssen sich nicht ansehen und nicht direkt miteinander reden. „Die Kommunikation läuft anfangs nur über uns“, erläutert Manfred Benz. Die Mutter schaut die Mediatorin an, während sie ihre Sicht der Dinge schildert, Ansprechpartner des Vaters ist Manfred Benz. Ein Gespräch von Frau zu Frau und von Mann zu Mann. Erst redet der eine Elternteil, dann der andere. „Schrittweise wird dann die direkte Kommunikation hergestellt“, so Benz.

„Es gibt die Elternebene und es gibt die Paarebene“, versuchen die Mediatoren den Eltern zu vermitteln, „das sind verschiedene Rollen, die man unterscheiden muss“. Doch gerade für hochstrittige Paare sei dies eine schwierige Aufgabe, weiß Anita Heindl. Sie habe deshalb sehr großen Respekt vor Eltern, die sich an diese Aufgabe heranwagen.

Oft wird schon beim ersten Termin eine vorläufige Umgangsvereinbarung getroffen, die dann im Laufe der nächsten Treffen angepasst und ausgebaut wird. Wie viele Treffen es gibt, sei von Fall zu Fall verschieden, so Anita Heindl. Doch selbst bei hochstrittigen Eltern ende die Mediation meist mit einem Erfolg: Die Eltern können wieder ohne fremde Hilfe miteinander reden und die Elternschaft gemeinsam ausüben – das gerichtliche Verfahren wird beendet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel