Heidenheim Keine Entschädigung für Kunden, aber bessere Züge

Die alten Züge werden eingesetzt, weil die neuen zu oft ausfallen.
Die alten Züge werden eingesetzt, weil die neuen zu oft ausfallen. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / HZ 27.06.2018
Laut Verkehrsminister Hermann gehört die Brenzbahn-Strecke trotz aller Pannen nicht zu den Brennpunkten.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres häuften sich erneut die Zugverspätungen und –ausfälle auf der Brenzbahn. Der SPD-Landtagsabgeordnete und Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, Andreas Stoch, wandte sich deswegen Ende April an Verkehrsminister Winfried Hermann und erhielt nun Antwort.

„Das Chaos auf der Brenzbahn hat meines Erachtens ein nicht zu unterschätzendes Ausmaß angenommen“, so Stoch in seinem Schreiben. „Viele Fahrgäste, vor allem Berufspendler und Schüler, die auf die Bahn angewiesen sind, fühlen sich hilflos der Willkür der Bahn ausgeliefert.“ Er forderte den Minister auf, die Missstände einzustellen oder zumindest auf ein hinnehmbares Maß zu verringern sowie die betroffenen Bahnkunden für Verspätungen und Ausfälle finanziell zu entschädigen. Die Bahn hatte elf Millionen Euro Strafzahlungen an das Land geleistet, wovon Stoch zumindest einen Teil an die geprellten Kunden weitergegeben sehen will.

Laut der Antwort von Verkehrsminister Hermann gehöre die Brenzbahn nicht zu den Brennpunkten im Land. Die ausgefallenen Zugkilometer lagen im letzten halben Jahr unter dem deutschlandweiten Zielwert von etwa einem Prozent. Trotzdem sei er sich der unerfreulichen Lage bewusst und erklärte sich mit der Leistung der DB Regio auf der Brenzbahn nicht zufrieden. Die Pannenserie begründet er hauptsächlich mit der Störanfälligkeit der genutzten Fahrzeuge der Baureihe 644 und der Grippewelle. Pünktlichkeitszielwerte von 94 Prozent konnte die DB Regio auf dieser Strecke nicht erreichen. Im Mittel lag diese hier nur zwischen 86 und 89 Prozent.

In den vierzehntägig stattfindenden Qualitätsbesprechungen mit der DB Regio habe Minister Hermann die Brenzbahn regelmäßig thematisiert. Auf Drängen des Landes werde die DB Regio ab Juni Fahrzeuge der Württembergischen Eisenbahn (WEG) anmieten, um die Fahrzeugsituation im Land insgesamt zu stabilisieren. Damit würden mehr Reservefahrzeuge in Ulm freigesetzt und der Schadstand könne abgebaut werden. Gleichzeitig könnten ab Mai sukzessive die Fahrten des IRE Aalen – Ulm auf neuere Fahrzeuge umgestellt und die ältere Baureihe vollständig abgestellt werden.

Lokführer aus Bayern helfen aus

Um personenbedingte Zugausfälle zu minimieren, habe die DB Regio mehrere Kooperationen umgesetzt. Triebfahrzeugführer aus Bayern oder Hessen übernehmen Leistungen in Baden-Württemberg, wodurch Personal für die Brenzbahn freigesetzt werde. Auch mit den neuen Betreibern würden Kooperationen angestrebt.

Eine finanzielle Entschädigung der Bahnkunden, die Stoch für durchaus angemessen hält, lehnt Hermann ab. Diese linderten nur kurzfristig und unvollkommen die Unzufriedenheit der Fahrgäste, seien aber kein Argument für die Nutzung des Systems Schiene. Hermann hält es für richtig und sinnvoll, die Strafzahlungen der Bahn in qualitätsverbessernde Infrastrukturmaßnahmen zu investieren.

Stoch hofft, dass diese Maßnahmen eine andauernde Verbesserung auf der Brenzbahn erbringen, so dass die Bahnnutzer das Vertrauen in den öffentlichen Schienennahverkehr zurückgewinnen und zukünftig wieder mehr Menschen die Bahn dem Auto vorziehen.

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