Heidenheim Keine Alternative zum Brenzufer als Treff für Jugendliche

Manchmal auch Grund für Ärger: der Treffpunkt für Jugendliche an der Brenz.
Manchmal auch Grund für Ärger: der Treffpunkt für Jugendliche an der Brenz. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Von Silja Kummer 08.12.2018
Der Gemeinderat diskutierte über die Bedürfnisse von jungen Menschen: Die Linken wünschen sich für junge Menschen einen attraktiven Aufenthaltsort, an dem Konsum und Kommerz keine Rolle spielen, die SPD eine Beteiligungsplattform.

Wohin mit der Jugend? Diese Frage trieb den Kultur-, Sozial-, Schul- und Sportausschuss des Gemeinderats um. Die Linken hatten im Zuge der Anträge zum Haushaltsplan den Wunsch geäußert, einen Aufenthaltsort für junge Menschen zu schaffen, an dem „Konsum und Kommerz keine Rolle spielen.“ Dieses Ansinnen zielt auch darauf ab, dass der am Wochenende bei Jugendlichen sehr beliebte Treffpunkt in der Ludwig-Lang-Straße seit drei Jahren für Beschwerden von Anwohnern sorgt. Der Betreiber des Rewe-Markts, in dem die Jugendlichen sich mit Getränken versorgen, hat sogar eigens einen Sicherheitsdienst engagiert.

Die Stadtverwaltung lehnte das Ansinnen der Linken ab, da es bereits zahlreiche Orte gebe, an denen sich Jugendliche zwanglos treffen können. Neben dem Jugendzentrum Treff 9 an der Friedrichstraße gebe es vier weitere Jugendtreffs in der Stadt und die Skateranlage am Lokschuppen. Auch den Mitternachtssport nannte Oberbürgermeister Bernhard Ilg als Angebot für junge Menschen.

Alkohol und Müll

Die Ludwig-Lang-Straße ist laut Ilg ein guter Standort für den Treff, ärgerlich sei nur der Alkoholkonsum und dass so viel Müll liegen bleibe, obwohl genügend Behälter dafür da seien. „Es ist auch ärgerlich, dass die Jugendlichen auf die angrenzenden Grundstücke gehen“, so der OB. „Der Treffpunkt scheint im Moment ohne Alternative“, so sein Standpunkt.

„Es ging uns auch darum, den Brenzpark als Alternative für die Jugendlichen zu etablieren“, sagte Norbert Fandrich (Die Linke). Mit dem Vorschlag, über die Öffnungszeiten und den Eintritt zu diskutieren, stieß er bei den anderen Stadträten aber nicht auf Begeisterung.

Ralf Willuth (Freie Wähler) machte den Vorschlag, das frühere Stowe-Woodward-Areal, das sich in Richtung Osten an die Innenstadt anschließt, für Jugendliche zu öffnen. „Das könnte man mit wenig Aufwand realisieren“, meinte er. Von Ilg wurde diese Idee abgelehnt: „Das ist eine Industriehalle, wenn man dort den Verwendungszweck ändert, wird es teuer“, sagte er. Zudem seien die Räume mittelfristig an die Industrie vermietet.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Jugendlichen sich von uns irgendwo hin schieben lassen“, meinte Elisabeth Kömm-Häfner (Grüne) und Sabine Bodenmüller (SPD) erinnerte daran, man sich vor 40 Jahren auch über die Jugendlichen aufgeregt habe, die sich vor dem „Tchibo“ in der Hauptstraße trafen. „Das ist der Zeitgeist, das müssen wir ertragen“, meinte sie.

In einem weiteren Antrag der SPD-Fraktion ging es darum, eine Beteiligungsplattform für Jugendliche zu schaffen. Die Stadtverwaltung berichtete, dass nach einem Antrag von Schülern des Hellenstein-Gymnasiums auf Bildung eines Jugendgemeinderats mehrere Gespräche stattgefunden haben. Schließlich hätten die Schüler von dem Wunsch abgesehen und wollen sich nun auf andere Weise einbringen. Für 2019 ist ein großes Jugendforum geplant, außerdem nimmt die Stadt an der Aktion „Wählen ab 16“ der Bundeszentrale für politische Bildung teil.

Nachwuchs für den Gemeinderat?

Stadtrat Gerhard Oberlader (SPD) machte sich für einen Jugendgemeinderat stark, weil aus diesem auch Nachwuchs für den Gemeinderat zu erwarten sei. Es gebe viele Städte, in denen so ein Gremium funktionieren würde. Bürgermeisterin Simone Maiwald entgegnete, dass ein Jugendgemeinderat mit extremen Formalitäten behaftet sei. „Deshalb haben wir überlegt, einen weniger formellen Weg zu gehen“, so Maiwald. Oberladers Vorwurf, man würde die Jugendlichen nicht unterstützen, wies sie zurück: „Wir tun alles, weil wir uns freuen, dass die Jugendlichen sich engagieren wollen“, meinte sie.

„Das Instrument Jugendgemeinderat ist so träge, dass die Jugendlichen, die ihn jetzt wünschen, selbst gar nicht mehr zum Zuge kommen würden“, sagte Ralf Willuth. „Wir müssen etwas tun für die Beteiligung von Jugendlichen“, so Willuth, die Initiative müsse aber von den jungen Leuten kommen.

Der Jugendgemeinderat – kein ganz einfaches Thema

Einen Jugendgemeinderat gab es in Heidenheim von 1996 bis 2000. Weil das Interesse zunehmend schwand, stellte das Gremium seine Arbeit ein. Ein Kritikpunkt war nach dem Scheitern, dass die Wahlen für den Jugendgemeinderat in den Schulen stattfand. Wenn dort nicht gewählt wurde, kamen keine Nachrücker ins Gremium.

Von den Schulen wurde die mangelnde Rückkopplung der Jugendräte zu den Schulen oder SMVs beklagt. Auch erwies es sich schwierig, unter den 14- bis 18-Jährigen Hauptschüler zu finden, die sich in dem Gremium engagieren wollten. Einen Rettungsversuch unternahm die Stadt 2001. Über 800 Jugendliche kamen zu einem Jugendforum ins Konzerthaus und formulierten ihre Wünsche an die Stadt. Darunter waren ein neues Jugendhaus und ein Skaterplatz.

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