Heidenheim Kein Zuschuss von der Stadt vor dem Stadion-Deal

Die Sicherheit in der Voith-Arena soll weiter ausgebaut werden, doch der Gemeinderat wollte Zuschüsse in Höhe von 200 000 Euro jetzt noch nicht beschließen.
Die Sicherheit in der Voith-Arena soll weiter ausgebaut werden, doch der Gemeinderat wollte Zuschüsse in Höhe von 200 000 Euro jetzt noch nicht beschließen. © Foto: Geyer-Luftbild
Heidenheim / Andreas Uitz 29.06.2018
Der Heidenheimer Gemeinderat will erst Klarheit über den Wert der Vorith-Arena und die Verkaufsmodalitäten, bevor der Verein weitere Zuschüsse für Investitionen erhalten soll.

Die spannendste Diskussion, die der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag führte, war die darüber, dass er nicht diskutieren wollte. Denn schon zu Beginn der Sitzung beantragte Linke-Stadtrat Norbert Fandrich, den Tagesordnungspunkt, in dem es um einen Zuschuss für den 1. FC Heidenheim geht, abzusetzen und zu vertagen.

Wie bereits berichtet, sollte sich die Stadt an Investitionen in die Sicherheit in und um die Voith-Arena mit einem Zuschuss in Höhe von 200 000 Euro beteiligen. Noch ist das Fußballstadion im Besitz der Stadt, und der FCH Pächter. Im Pachtvertrag ist unter anderem geregelt, dass die Stadt Kosten für Brandschutz und Sicherheit zu 100 Prozent übernimmt, andere Investitionen für den Ausbau hälftig geteilt werden.

Allianz gegen die Abstimmung

Grundsätzlich stellte sich Fandrich nicht gegen diesen Zuschuss, doch ist er der Ansicht, dass jetzt der falsche Zeitpunkt ist, diesen zu beschließen. Denn noch in diesem Sommer, so sieht es die Planung vor, soll der Kaufvertrag für die Voith-Arena unterschrieben werden. „Der Zuschuss hängt ja auch damit zusammen, deshalb sollten wir darüber erst später beraten“, argumentierte Fandrich.

Auch Grünen-Fraktionschef Michael Sautter schlug sich auf diese Seite und erklärte, dass erst „der große Knoten des Verkaufs“ durchschlagen werden müsse. „Wir sollten jetzt nichts übers Knie brechen.“ DKP–Stadtrat Reinhard Püschel unterstützte das Ansinnen Fandrichs: „Wir müssen erstmal abwarten, was mit dem Verkauf passiert.“

Als problematisch erachteten sie und auch andere Stadträte die Tatsache, dass der Gemeinderat offensichtlich nicht darüber informiert ist, welche Ergebnisse ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Wertgutachten fürs Stadion gebracht hat. Auch über die Bedingungen des Kaufvertrags, der derzeit ausgearbeitet wird, scheint das Gremium nicht im Bilde, gleiches gilt für den Kaufpreis. „Der Zeitpunkt, über einen Zuschuss abzustimmen, ist ungünstig, wir wüssten gerne vorher noch Einzelheiten zum Kaufvertrag“, sagte Ralf Willuth (Freie Wähler) und sprach sich ebenfalls für eine Vertagung des Tagungsordnungspunkts aus.

„Wir wissen viel zu wenig, wäre der Zuschuss im Kaufpreis inkludiert? Keiner kennt die Modalitäten“, sagte Dr. Waltraud Bretzger (SPD). Aus ihrer Aussage lässt sich schließen, dass von einem Verkaufspreis von 2,2 Millionen Euro ausgegangen wird. „Da spielen 200 000 Euro schon eine Rolle“, so Bretzger.

Oberbürgermeister Bernhard Ilg hingegen nannte Summen zwischen 40 und 60 Millionen Euro, ohne diese jedoch näher zu erklären. Er könnte allerdings, das liegt nahe, die theoretischen Kosten für einen Neubau des Stadions gemeint haben. „Was machen bei diesen Beträgen schon 200 000 Euro aus?“, so Ilg.

Er versuchte mehrfach, dem Gremium zu erläutern, dass die Stadt aufgrund des Pachtvertrags verpflichtet ist, den Zuschuss für den Ausbau der Sicherheit zu zahlen. „Als Eigentümer sind wir noch für die Sicherheit verantwortlich.“ Deshalb bat er, den Zuschuss gleich, und nicht im Kontext mit dem Verkauf, zu beschließen. „Das würde alles nur noch komplizierter machen“, so der OB. SPD-Fraktionschef Rudi Neidlein gab Ilg zwar dahingehend recht, dass der Zuschuss aus Transparenzgründen separat beschlossen werden soll, doch auch er plädierte dafür, dies zu einem späteren Zeitpunkt tun.

Informationspolitik beklagt

Christoph Weichert (Freie Wähler) brachte sich ebenfalls in die Diskussion ein und bemängelte eine wenig zufriedenstellende Informationspolitik von Seiten der Stadt: „Wir haben vor einer Woche erfahren, dass der Zuschuss vom FCH beantragt wurde und wissen noch gar nichts zum Stadionverkauf. Mehr Information wäre hilfreich gewesen.“

CDU-Stadträtin Sabine Skwara schlug sich auf die Seite der Verwaltung: „Zuschuss und Verkauf müssen unbedingt getrennt behandelt werden, und über den Zuschuss sollten wir jetzt abstimmen.“ Letztlich half weder Skwaras noch Ilgs Argumentation. Mit 18 zu 11 Stimmen beschloss das Gremium, den Zuschuss für den FCH zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Die Geschichte des Verkaufs

Im März 2017 unterbreitete die Stadt dem FCH das Angebot, die Voith-Arena zum Preis von einem Euro zu erwerben. Aus Sicht der Verwaltung war das sinnvoll, um sich nicht mehr an zukünftigen Kosten beteiligen zu müssen. Diese „Geschenk“ sorgt für viele Diskussionen und Unmut.

Im Juli 2017 wurde dann bekannt, dass der FCH das Kaufangebot nicht annimmt. Einer der Gründe war, dass der Verein nicht mit der Bedingung einverstanden war, dass ein Grundbucheintrag der Stadt ein Rückkaufrecht zum Preis von einem Euro sichern sollte. Das hätte für den FCH bedeutet, dass das Stadion bei einer Kreditaufnahme nicht als Sicherheit dienen könnte.

Im Herbst 2017 gab die Stadtverwaltung ein Wertgutachten in Auftrag um einen reellen Verkaufspreis zu ermitteln. Denn grundsätzlich ist der FCH an einem Kauf interessiert, jedoch zu anderen Bedingungen.

Seit dem Frühjahr liegt der Stadtverwaltung das Gutachten vor. Über den Inhalt ist öffentlich bislang nichts bekannt.

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