Heidenheim Keimfrei ins Klinikum: Großflächiges Präventionsprogramm läuft an

An die 180 Fachkräfte aus dem Klinikum auf 50 Arztpraxen machen bei STAUfrei mit und sind inzwischen geschult. Die helfen Patienten, die das Bakterium Staphylococcus aureus auf ihrer Haut haben, sich vor ihrer Aufnahme ins Krankenhaus davon zu befreien.
An die 180 Fachkräfte aus dem Klinikum auf 50 Arztpraxen machen bei STAUfrei mit und sind inzwischen geschult. Die helfen Patienten, die das Bakterium Staphylococcus aureus auf ihrer Haut haben, sich vor ihrer Aufnahme ins Krankenhaus davon zu befreien. © Foto: privat
Heidenheim / pm 20.01.2019
Patienten, welche einen Eingriff im Klinikum vor sich haben werden auf das Vorhandensein des Bakteriums Staphylococcus aureus untersucht.

Fast 180 medizinische Fachangestellte aus Arztpraxen sowie Pflegemitarbeiterinnen des Klinikums sind inzwischen zu Keimexperten geschult worden. Sie sollen über einen Zeitraum von zwei Jahren rund 12000 Patienten, die einen geplanten Eingriff im Klinikum Heidenheim vor sich haben, helfen sich von Keimen zu befreien. Konkret geht es darum, dass das multiresistente Staphylococcus aureus-Bakterium nicht ins Krankenhaus getragen wird.

Schulung durch Experten

Infektionsexperten aus dem Klinikum sowie dem Gesundheitsamt informierten erläuterten bei der Schulung, was es mit den Keimen auf sich hat, wie Hände- und Flächen desinfiziert werden und wie der Behandlungsweg verläuft. Zum Schulungsprogramm im Kommunikationszentrum der Firma Hartmann gehörten auch Antibiotikatherapie und andere Infektionsformen. Auch die beteiligten Ärzte werden in Kürze eine Qualifizierung durchlaufen.

Im Oktober 2018 war das Heidenheimer Projekt unter dem Namen Staufrei konzipiert worden. Am 1.April dieses Jahres beginnt die zweijährige, aktive Phase an der sich 50 Arztpraxen beteiligen.

Der Begriff Staufrei leitet sich von den ersten beiden Anfangsbuchstaben bei Staphylococcus aureus ab. Das Programm zielt darauf ab, dass bei allen Patienten, denen ein geplanter operativer Eingriff bevorsteht, die Keimlast vorab weitgehend reduziert, im Optimalfall sogar völlig beseitigt wird, was dann die Sicherheit aller Krankenhaus-Patienten erhöht.

Die Patienten werden zuerst auf das Vorhandensein des Bakterienstamms Staphylococcus aureus getestet. Wenn sich ein Patient als Keimträger herausstellt, wird er dazu angeleitet, sich vor der Aufnahme ins Klinikum mit Hilfe eines Desinfektionssets von dem Keim zu Hause zu befreien. Das dauert mehrere Tage.

Staphylokokkus aureus ist ein sehr häufig vorkommender Hautkeim, der allerdings bei einem Eindringen ins Körperinnere schwere Infektionen auslösen kann. Viele der Wundinfektionen werden von diesem Keim verursacht, der in seiner sensitiven Form bei bis zu 30 Prozent der Bevölkerung vorhanden ist.

Der gegen Methicillin (ein Antibiotikum) resistente Staphylococcus aureus tritt zwar deutlich seltener auf, ist jedoch schwerer behandelbar. Die meisten dieser Keime werden von Menschen von außen in Krankenhäuser eingebracht. An Staufrei sind auch universitäre Einrichtungen beteiligt. Diese werten den Erfolg wissenschaftlich aus. Zudem unterstützen Krankenkassen das Programm.

Das Klinikum Landkreis Heidenheim gGmbH koordiniert die Maßnahmen.

Langwierige eitrige Wundinfektionen

Ihrer goldgelben Farbe verdanken sie den anmutigen Namen Staphylococcus aureus. Hervorrufen kann das kugelförmige Bakterium beim Menschen unter anderem Wundinfektionen und Entzündungen der Atemwege. Gefährlich macht den Keim seine Resistenz gegen bestimmte Antibiotika. Schützen kann strenge Hygiene. In den Industrieländern gehören Staphylococcus aureus zu den wichtigsten Infektionserregern des 21. Jahrhunderts. Staphylococcus aureus besiedeln zumindest zeitweise etwa jeden dritten Menschen: Die Haut und die Schleimhäute, etwa der Nasenvorhof, der Rachen, aber auch Leiste und der Perianalbereich sind Bereiche, wo man die Bakterien findet.

Sie gehören zur normalen Keimflora der Haut und schaden gesunden Menschen nicht. In Krankenhäusern und in Altenheimen aber sind sie gefürchtet. Befallen sie Patienten, deren Immunabwehr ohnehin geschwächt ist, können sie langwierige eitrige Wundinfektionen, Entzündungen der Atemwege sowie Blutvergiftungen auslösen. Oft leiden die Erkrankten monatelang, Wunden heilen nicht, keine Therapie scheint zu wirken.

Staphylococcus aureus spielt auch als Erreger von Lebensmittelvergiftungen eine Rolle. Er kann sich in Lebensmittel stark vermehren. Beim Verzehr kommt es zu den Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen und Übelkeit.

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