Projekt Kaum noch Jugendgewalt an der Zentralen Omnibushaltestelle

Zentrale Omnibushaltestelle: Der alte Imbisswagen ist weg, der neue Kiosk noch nicht da. In der Zwischenzeit behält die Sambo-Abteilung das nächtliche Geschehen vor allem an den Wochenenden weiter im Blick – unser Bild zeigt Eduard Marker (rechts im Bild) und Vladimir Berg.
Zentrale Omnibushaltestelle: Der alte Imbisswagen ist weg, der neue Kiosk noch nicht da. In der Zwischenzeit behält die Sambo-Abteilung das nächtliche Geschehen vor allem an den Wochenenden weiter im Blick – unser Bild zeigt Eduard Marker (rechts im Bild) und Vladimir Berg. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / erwin bachmann 07.06.2016
Jugendgewalt an der Zentralen Omnibushaltestelle? - Im Grunde kein Thema mehr, seit an diesem Ort ein besonderes Präventiv-Projekt im Gange ist.

Die Idee dient längst schon auch anderen Städten als gelungenes Beispiel dafür, wie man soziale Brennpunkte entschärfen kann. In Heidenheim war die ZOH als solch eine Problemzone erkannt worden. Immer wieder kam es an diesem beliebten Wochenende-Treffpunkt für Jugendliche zu Rangeleien und Sachbeschädigungen. Oft hatte der Alkohol die Regie dieses konfliktträchtigen Geschehens übernommen, das regelmäßige Einsätze der Polizei nach sich zog – und dazu führte, dass es viele Heidenheimer vermieden, diesen Ort zu später Stunde aufzusuchen.

Inzwischen freilich ist dieser Ort keine No-Go-Zone mehr. Sieben Jahre ist es her, seit die Sambo-Abteilung des Heidenheimer Sportbundes im Rahmen des bundesweiten Projekts „Wir kümmern uns selbst“ an dieser Busdrehscheibe eingestiegen ist. Um den Aufenthalt an dem stark frequentierten Verkehrsknotenpunktes insbesondere an den Freitag- und Samstagabenden sicherer zu machen, postierten die ehrenamtlichen Akteure am Rande der Bahnsteige einen Imbisswagen. Erwachsene bewirten ihn, richten ihr Augenmerk aber nicht nur auf Würstchen und Pommes, sondern haben auch die Jugendlichen auf diesem Gelände im Blick, um im Notfall eingreifen und deeskalierend wirken zu können.

Diese besondere Form der Konfliktlösung im öffentlichen Raum hat Wirkung gezeigt, sich als Erfolgsmodell erwiesen und funktioniert bis heute. Erst im zurückliegenden Jahr beobachtete man nach längerer Zeit wieder einen leichten Anstieg von Zwischenfällen. „Nichts Dramatisches,“ wie Sambo-Abteilungsleiter Eduard Marker bemerkt, zumal sich das Ganze wieder beruhigt hat, seit die Polizei einen jungen Mann gefasst hat, der Kindern vor dem Einsteigen immer wieder einen Euro abgepresst hatte. „Seitdem ist Ruhe,“ bestätigt Bürgermeister Rainer Domberg aus Sicht der Stadt Heidenheim, die mit zu den treibenden Kräften dieses Sicherheits-Programms zählt.

Für die Projekt-Beteiligten war die leichte Zunahme von Gewaltdelikten allerdings Anlass, ihr bisheriges Konzept zu überarbeiten und zu erweitern. Der Imbiss soll für die Leute, die am ZOH verkehren und in dessen Umfeld arbeiten, noch attraktiver werden. Deshalb wird der inzwischen verschwundene Imbisswagen gegen eine Currywurst-Bude mit erweitertem Sortiment ausgetauscht, die voraussichtlich ab Ende dieses Monats am gewohnten Platz zu finden sein wird. An den Freitagen und Samstagen wird der sonst täglich bis gegen 20 Uhr bewirtschaftete Imbiss mit dem bewährten Namen „Blickfeld“ jeweils von 21 bis 1 Uhr von erwachsenen Mitgliedern der Sambo-Abteilung besetzt sein. Überdies ist an diesen beiden Wochentagen geplant, Tische und Stühle aufzustellen und eine von Musik und anderen Programmpunkten begleitete Bewirtschaftung nach Art eines Open-Air-Café zu bieten.

Die Intention ist klar. „Wir wollen diesen Platz beleben, und das im positiven Sinne,“ sagt Eduard Marker, einer der Protagonisten und selbst größter Fan des Projekts, das nicht von ungefähr vom Sambo – Selbstverteidigung ohne Waffen – getragen wird. Integrierend zu wirken, der Gewalt vorzubeugen, ist das erklärte Anliegen der oft russisch-stämmigen Kampfsportler und die treibende Kraft speziell dieses Engagements. Dem 42-Jährigen ist die Begeisterung anzumerken. „Das Konzept ist voll aufgegangen,“ sagt er und freut sich, dass die Konflikte weniger geworden sind, viele geschlichtet werden, bevor sie ihr Potenzial entwickeln. Und man nimmt es dem sympathisch wie überzeugend auftretenden Sambo-Kämpfer durchaus ab: Wenn er interveniert, ist der Streit auch schon beendet.

Über all dem ist Marker wichtig, dass die am und im Imbiss Tätigen von den Jugendlichen selbst weder als Aufpasser noch als Ersatzpolizei oder Security gesehen werden. Allein, dass sie da sind, hat mindestens streitmindernde, mitunter sogar friedensstiftende Wirkung, und so darf der Auftritt dieser ganz besonderen Streetworker denn mit Fug und Recht als ein Aktivposten der städtischen Jugendsozialarbeit betrachtet werden. Denn Imbiss hin, Imbiss her: Es geht nur vordergründig um die Wurst.

Am Samstag Geburtstagsparty am ZOH: nur der neue Imbiss fehlt noch

Am Samstag, 11. Juni, wird an der Zentralen Omnibushaltestelle, Marienstraße, der 7. Geburtstag des Imbiss-Konzepts „Blickfeld“ gefeiert. Veranstalter ist die Sambo-Abteilung des HSB.

Eigentlich wollte man bei dieser Gelegenheit auch die Eröffnung des neuen Imbiss-Standes feiern, doch weil dieser Kiosk nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, wird kurzerhand ein Zelt aufgestellt. Und für Bewirtung ist so oder so gesorgt.

Die Party findet von 11 bis 14 Uhr statt. Es stehen Vorführungen, Spiele und Musik dem Programm: Nina Peltzer mit Band, rhythmische Sportgymnastik vom HSB, Kampfsport-Vorführungen der Sambo-Abteilung, Hip-Hop-Tänzerinnen aus Giengen und Breakdancer vom Mittelrain.

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