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Missbrauch
Heidenheim / Silja Kummer  Uhr
Gegen Missbrauch und Ausgrenzung von Frauen innerhalb der Kirche richtet sich auch in Heidenheim die Aktion „Maria 2.0“.

Den Marienmonat Mai haben sich die Frauen in der katholischen Kirche ausgesucht, um gegen den Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Amtskirche zu protestieren. „Maria 2.0“ nennt sich die Bewegung, die auch in Heidenheim angekommen ist.

„Wir streiken zwar nicht, aber wir wollen deutlich machen, dass wir dieses Anliegen teilen“, sagt Elisabeth Redelstein von der Familienpastoral des katholischen Dekanats. Sie spricht für zehn hauptamtlich in der katholischen Kirche tätige Frauen, die sich entschlossen haben, etwas zu tun. Sie laden am Donnerstag, 16.Mai, von 16 bis 17 Uhr auf dem Kirchplatz vor St. Maria bei den Schloss-Arkaden dazu ein, gemeinsam das Brot zu teilen. „Wir stehen zusammen und teilen, was da ist“, so das Motto ihrer Aktion.

Gegenwind spürbar

„Wir setzen ein Zeichen für eine Kirche, in der sich Frauen und Männer partnerschaftlich begegnen und sich gemeinsam einsetzen für eine gerechte und lebensschaffende Gesellschaft“, erläutert Redelstein. Innerhalb der katholischen Kirche bekomme man dabei auch „ziemlichen Gegenwind“, so die Initiatorin.

Über das Anliegen der Frauen hat am vergangenen Sonntag Pastoralreferentin Lydia Hageloch im Gottesdienst in St. Maria gepredigt. Sie kritisierte unter anderem, dass Frauen keine Sakramente spenden dürfen und es Gemeinden gibt, in denen sie auch nicht predigen. Frauen seien tragende Stützen, „ohne sie wäre es ganz schön leer in der Kirche“, so Hageloch. Sie rief zur Veränderung auf, damit die Kirche lebendig bleibe.

Die Bewegung „Maria 2.0“ ist in Münster entstanden und hat sich in ganz Deutschland verbreitet. Viele Frauen treten in dieser Woche in den Kirchenstreik – auch um zu zeigen, wie viel Arbeit in der Kirche von Frauen getragen wird. Von Entscheidungsprozessen hingegen sind Frauen ausgeschlossen, da sie nicht ins Priesteramt dürfen.

„Unsere Kirche ist in der Krise“, so Karin Walter, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Der massenhafte Missbrauch von Schutzbefohlenen und Ordensfrauen durch Amtsträger erschüttere das Vertrauen in die Institution Kirche zutiefst. „Die kirchlichen Machtstrukturen müssen von Grund auf verändert werden“, so Walter. Viele Frauen hätten die Nase voll von jahrzehntelangen Vertröstungen, die nichts verändert haben.

Für die Aktivistinnen ist der stillschweigende Austritt aus der Kirche keine Option. Sie haben einen offenen Brief an Papst Franziskus forumliert, der auch als Online-Petition unterschrieben werden kann. Darin fordern sie die Bestrafung der Amtsträger, die andere missbraucht haben, die Aufhebung des Pflichtzöllibats, den Zugang für Frauen zu allen Ämtern der Kirche und die Anpassung der kirchlichen Sexualmoral an die Lebenswirklichkeit der Menschen.