Heidenheim Kameramann aus Heidenheim filmt in Sibirien

Kameramann mit Heidenheimer und Giengener Wurzeln: Enno Endlicher in den weißen Weiten Sibiriens.
Kameramann mit Heidenheimer und Giengener Wurzeln: Enno Endlicher in den weißen Weiten Sibiriens. © Foto: Dorothea Braun
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 29.07.2018
Hinter der Kamera des Films „Kolyma“, der ab Donnerstag im Kino-Center“ gezeigt wird, stand der in Heidenheim aufgewachsene Enno Endlicher.

Zuletzt hatte er sich, wenn man so will, aus Indien gemeldet. Nun grüßt er aus Sibirien. Der in Giengen geborene und in Heidenheim aufgewachsene Kameramann kommt ganz schön herum. Und was er dabei erlebt, kommt dann zum Beispiel im Kino.

Im vergangenen Jahr war das so mit „Original Copy – Verrückt nach Kino“, einem Film über den letzten Filmplakatemaler von Mumbai – und heuer wird das der Fall sein mit „Kolyma“, einem skurrilen Ausflug dorthin, wo sich einst die sowjetischen Straflager der Stalin-Ära befanden. Der Dokumentarfilm, der seit Mitte Juli vielbeachtet vor allem in den Programmkinos läuft und zuvor mit einigem Erfolg auf Festivals im In- und Ausland zu sehen war, wird in der Reihe „Kulturfilme“ in der Woche von Donnerstag, 2. August, bis zum Mittwoch, 8. August, nun auch im Kino-Center in Heidenheim auf dem Spielplan stehen.

Der längste Friedhof der Welt

Insgesamt zwölf Wochen, sieben im Winter und dann noch einmal fünf im Sommer 2016, waren Regisseur Stanislaw Mucha und sein fünfköpfiges Team samt zweier einheimischer Fahrer unterwegs auf der 2000 Kilometer langen Straße im tiefsten Sibirien, die einst gebaut worden war, um vor allem das Gold und das Uran transportieren zu können, das dort in der Region Kolyma unter den schrecklichsten Bedingungen von Millionen von Menschen in den Arbeitslagern der Stalin-Ära abgebaut wurde. Nicht von ungefähr gilt die Kolyma-Straße als längster Friedhof der Welt, denn wer die Strapazen der Zwangsarbeit nicht überlebte, wurde einfach am Rande der Piste verscharrt.

Den Filmemachern um Regisseur Mucha und Kameramann Enno Endlicher geht es in „Kolyma“ allerdings nicht darum, die Zeit der Gulags zu beleuchten, sondern in erster Linie Porträts der Menschen zu zeichnen, die heute dieses Land bewohnen und die von sich selber sagen, dass man, um hier leben zu können, nichts haben dürfe, was man verlieren könne. Kann man dort glücklich sein? Dies ist nur eine der Fragen, denen der knapp anderthalbstündige Film nachgeht. Ein Film, von dem Enno Endlicher sagt, dass er ihn gewissermaßen mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte: „Die Geschichte spielt beständig zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite darf man mindestens schmunzeln über wen oder was wir dort antreffen. Andererseits wird dann auch immer wieder das Leid und der Schmerz der Menschen spürbar und bleibt einem das Lachen im Hals stecken.“ Und wo schon von extremen Gefühlen die Rede ist, darf auch angemerkt werden, dass die Filmarbeit in Sibirien insbesondere für den Kameramann unter extremen Bedingungen von sich ging. So mussten Mensch und Technik in Oimjakon, dem kältesten bewohnten Ort der Erde, Temperaturen bis zu minus sechzig Grad Celsius aushalten. „Wir haben meine Kamera zum Beispiel so verpackt, dass sie eigentlich komplett überhitzen hätten müssen, was dort dann ungefähr zu einer normalen Betriebstemperatur geführt hat.“ Im Sommer wiederum hat's in Kolyma derart viele Stechmücken, dass das Filmteam im Freien nur in Netze gehüllt arbeiten konnte.

Nächstes Projekt: Olympiasieger

Endlichers neuestes Projekt ist ein Film über den Diskuswerfer und Olympiasieger Robert Harting. Die Dokumentation ist fürs Kino, fürs Fernsehen sowie als Web-Serie konzipiert und wird vor allem der Frage nachgehen, wie es für einen Sportler nach dem Karriereende weitergeht. Doch zunächst wird Enno Endlicher erst einmal wieder nach Heidenheim kommen. Denn wenn am 2. August „Kolyma“ im Kino-Center anläuft, werden dort vor Ort er, Regisseur Stanislaw Mucha und Kameraassistentin Dorothea Braun nach der um 20 Uhr beginnenden Vorstellung für Gespräche mit Besuchern zur Verfügung stehen. Das gilt auch für die Vorstellung ab 17.30 Uhr am Freitag, 3. August.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel