Heidenheim Junge Flüchtlinge: Wie viele machen tatsächlich eine Ausbildung?

Ulrich Herkommer (links), Geschäftsführer der DRK-Pflegedienste in Heidenheim, und Peter Dell'Aquila (rechts)  sind stolz auf ihre drei Altenpfleger-Azubis Lamin Jaiteh, Samsidim Jadama und Aboudel-Wafik Tchedre (von links).
Ulrich Herkommer (links), Geschäftsführer der DRK-Pflegedienste in Heidenheim, und Peter Dell'Aquila (rechts) sind stolz auf ihre drei Altenpfleger-Azubis Lamin Jaiteh, Samsidim Jadama und Aboudel-Wafik Tchedre (von links). © Foto: Archiv HZ
Heidenheim / pm 16.08.2018
Die IHK zieht Bilanz: Über 90 geflüchtete Jugendliche konnten seit 2016 begleitet und 17 in Ausbildung vermittelt werden. Zahlreiche weitere machen Praktika oder ein soziales Jahr.

Nach mehr als zwei Jahren des Förderprogrammes „Integration durch Ausbildung - Perspektiven für Flüchtlinge“ kann die IHK Ostwürttemberg eine positive Bilanz ziehen: Über 90 geflüchtete Jugendliche konnten durch den sogenannten Kümmerer begleitet und 17 in Ausbildung vermittelt werden.

Durch das landesweite Förderprogramm „Integration durch Ausbildung - Perspektiven für Flüchtlinge“ arbeitet seit 2016 Alexander Breyer als Vermittler oder auch bekannt als „Kümmerer“ bei der IHK Ostwürttemberg, um jungen Flüchtlingen mit Bleibeperspektive und entsprechendem Sprachniveau passende Praktikums- und Ausbildungsplätze zu verschaffen. Er betreut die jungen Menschen und ist Ansprechpartner für die Betriebe. Seine Stelle wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg und wurde im Frühjahr 2018 bis Ende 2019 weiter verlängert.

Wichtig für die Wirtschaft

„Die Ausbildung von Geflüchteten ist für die Integration sehr wichtig, zudem ist sie für unsere Wirtschaft eine gute Möglichkeit, um ihren Fachkräftebedarf zu decken“, fasst André Louis, Leiter des Geschäftsfeldes Ausbildung bei der IHK Ostwürttemberg, die wichtige Arbeit des Kümmerers zusammen und freut sich über die Verlängerung des Förderprojektes.

„Mit dieser zu 80 Prozent vom Land finanzierten Stelle konnten in Ostwürttemberg seit April 2016 insgesamt 94 geflüchtete Jugendliche durch Alexander Breyer begleitet und intensiv betreut werden,“ so Louis. Dies sei eine erfreuliche und Mut machende Zwischenbilanz angesichts der Anfangsschwierigkeiten und Hürden, die es zu überwinden gilt, um die jungen Geflüchteten zu betreuen.

In Ausbildung oder Schule integriert

Von den 94 Jugendlichen konnten 17 Jugendliche in eine Ausbildung, 20 in ein Praktikum und sechs in Arbeit vermittelt werden. Weitere 34 Jugendliche gehen auf weiterführende Schulen oder in ein freiwilliges soziales Jahr und stehen für eine Ausbildung danach im besten Fall zur Verfügung. Insgesamt werden 36 Jugendliche mit Fluchthintergrund in IHK-Unternehmen in der Region derzeit ausgebildet.

Sprache bleibt großes Hemmnis

Den Erfahrungen nach sind die jungen Geflüchteten laut Alexander Breyer sehr motiviert und wollen eine Ausbildung machen. Allerdings ist die Sprache weiterhin ein großes Hemmnis, das den Jugendlichen einen schnellen Einstieg in eine Ausbildung oft erschwert. „Unter den Geflüchteten sind Jugendliche, die die Sprache sehr schnell lernen, und andere, denen es sichtlich schwerer fällt, so die Erfahrungen von Breyer. Zudem sind mit der Ausbildung von Geflüchteten viele Fragen verbunden, die geklärt werden müssen.

Diese reichen vom Aufenthaltsstatus bis zu Unterstützungsmöglichkeiten während der Ausbildung. Breyer: „Hier bin ich als Kümmerer ein stark nachgefragter Ansprechpartner. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe nehmen die Beratung und Unterstützung gerne in Anspruch. Der Vermittlungserfolg ist aber ein Zusammenspiel eines guten Netzwerkes wie Kommunen, Landratsämter, Agentur, Jobcenter, Freundeskreise Asyl, AWO und Ehrenamtlichen, so Alexander Breyer zur guten Zusammenarbeit.

Was macht der „Kümmerer“?

Zu den Hauptaufgaben des Kümmerers zählt, die für das Projekt in Frage kommenden Flüchtlinge zunächst zu identifizieren. Danach gilt es, sie auf eine Ausbildung vorzubereiten und mit Betrieben in Kontakt zu bringen.

Bis zum Beginn einer Ausbildung werden sie vom Kümmerer begleitet und bei der Berufsorientierung, im Bewerbungsprozess sowie bei der Ausbildungsplatz- und Praktikumssuche unterstützt. Auch eine Einstiegsqualifizierung ist eine gute Möglichkeit, um die jungen Geflüchteten auf eine Ausbildung vorzubereiten.

So bestehe die Chance, das duale Ausbildungssystem sowie den Betrieb kennen zu lernen. Alexander Breyer: „Diese Zeit kann dann auf die anschließende Ausbildungszeit angerechnet werden.“

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