Heidenheim Jugendämter in Personalnot: Abhilfe durch Studium an der DH?

Hat auch schon Fachartikel zur Ausbildung für das Jugendamt verfasst: Prof. Dr. Jürgen Burmeister, Leiter des Studiengangs „Soziale Dienste der Jugend-, Sozial- und Familienhilfe“ an der DH.
Hat auch schon Fachartikel zur Ausbildung für das Jugendamt verfasst: Prof. Dr. Jürgen Burmeister, Leiter des Studiengangs „Soziale Dienste der Jugend-, Sozial- und Familienhilfe“ an der DH. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Silja Kummer 05.10.2018
Weil es Jugendämtern in ganz Deutschland an Mitarbeitern fehlt, setzen diese verstärkt auf die Ausbildung – speziell in Heidenheim.

Der Studiengang von Prof. Dr. Jürgen Burmeister an der Dualen Hochschule brummt. Rund 30 Plätze stehen pro Jahr für die Studienrichtung „Soziale Dienste der Jugend-, Sozial- und Familienhilfe“ zur Verfügung. Aktuell starteten 57 Studenten der Fakultät Sozialwesen in diesem speziellen Studiengang.

In den Vorjahren waren es 52 (2017) und 68 (2016) Studierende. Rund 75 Prozent der Studenten in diesem Studiengang sind während ihrer Praxisphase in einem Jugendamt beschäftigt – und das über ganz Deutschland verteilt.

Die große Nachfrage nach dem Studiengang resultiert laut Burmeister aus dem bundesweiten Fachkräftemängel in den Jugendämtern. „Defensiv wird dieser auf 3000 fehlende Mitarbeiter geschätzt“, sagt er.

Dieser Mangel wirke sich auch auf die Belastung der Mitarbeiter in Jugendämtern aus: „Empfohlen sind 35 Fälle pro Mitarbeiter, tatsächlich liegen in Baden-Württemberg mehr als 100 Fälle auf dem Tisch eines Mitarbeiters“, erläutert Burmeister.

Lange Einarbeitungszeit

Die Jugendämter würden Fachkräfte nicht in ausreichender Zahl finden, erklärt der Studiengangsleiter diesen Missstand. Jedoch gebe es auch finanzielle Restriktionen, beispielsweise würden Stellen nicht sofort neu besetzt und die Vakanzen würden dann die anderen Mitarbeiter belasten.

„Es ist ein sehr schwieriger Job, man braucht normalerweise ein Jahr Einarbeitungszeit“, erläutert er. Eine Alternative für viele Jugendämter sei daher die Ausbildung von zukünftigen Mitarbeitern über die Duale Hochschule. „Die Studenten brauchen danach keine Einarbeitung mehr, weil sie ja schon während des Studiums in der Praxisphase im Jugendamt sind“, so Burmeister.

Die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt seien sehr gut, sagt Burmeister, weshalb das Interesse am Studiengang „Soziale Dienste“ auch entsprechend groß sei. „Bei der Arbeit im Jugendamt handelt es sich um einen ganz wichtigen sozialen Dienst“, urteilt der Sozialwissenschaftler, jedoch würde dieser oft nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er brauche. „Jeder Mitarbeiter steht in strafrechtlicher Verantwortung, wenn einem Kind etwas passiert“, sagt er. Die Mitarbeiter haben eine Wächterpflicht, die im Grundgesetz verankert ist. Dort steht im Artikel 6: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“

Dazu beigetragen, dass Anfragen für einen Studienplatz in Heidenheim mittlerweile aus ganz Deutschland kommen, hat auch eine Publikation von Jürgen Burmeister in der Zeitschrift „Nachrichtendienst des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge“. Darin beschreibt er die „Ausbildung für das Jugendamt“. Neben den allgemeinen Lehrangeboten für Sozialarbeiter wird diese durch Rechtsvorlesungen, Theorie-Praxis-Seminare und methodische Übungen erreicht.

Fachkräftemangel im Jugendamt: Wie sieht es in Heidenheim aus?

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD, Teil des Fachbereichs Jugend und Familie im Landratsamt Heidenheim) hat 17 Mitarbeiter, die teilweise in Teilzeit arbeiten. Die meisten von ihnen haben Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik studiert. Die Besetzung ist nach Auskunft der Pressestelle des Landratsamtes „derzeit ausreichend“. 2016/2017 seien als Ergebnis einer Organisationsuntersuchung neue Stellen geschaffen worden.

Pro Jahr werden zwei neue Studierende im Studiengang Soziale Arbeit in Kooperation mit der DHBW in Heidenheim ausgebildet. Diese werden in der Regel nach dem Ende ihrer Studienzeit übernommen, zum Teil auch in anderen Bereichen des Landratsamtes.

Auch in Heidenheim weiß man, dass die Fachkräftegewinnung in diesem Bereich schwieriger wird, „aber für das Landratsamt Heidenheim ist sie aufgrund der kontinuierlichen Ausbildung an der DH noch gut zu meistern“, so die Pressesprecherin des Landkreises.

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