Heidenheim Naturtheater 2019: Jugend-Banden statt Familienbande

Venezianisches Flair hat das Naturtheater schon heute, zumindest, was den Kostümfundus angeht. Welche davon im nächsten Jahr beim Kinderstück „Herr der Diebe“ dann tatsächlich auf der Bühne zu sehen sein werden, bleibt abzuwarten. Hauptstück 2019 wird „West Side Story“.
Venezianisches Flair hat das Naturtheater schon heute, zumindest, was den Kostümfundus angeht. Welche davon im nächsten Jahr beim Kinderstück „Herr der Diebe“ dann tatsächlich auf der Bühne zu sehen sein werden, bleibt abzuwarten. Hauptstück 2019 wird „West Side Story“. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Joelle Reimer 26.07.2018
Während bereits gut die Hälfte der diesjährigen Sommersaison auf dem Schlossberg vorüber ist, wird für 2019 geplant: „West Side Story“ und „Herr der Diebe“ werden nächstes Jahr aufgeführt.

Romeo und Julia: das berühmteste Liebespaar der Welt. Zumindest in der Literatur. Es gibt kaum einen, der sie nicht kennt, die tragische Geschichte rund um die beiden Liebenden aus Verona, die verfeindeten Familien angehören und schließlich zu Tode kommen.

Und so haben's die beiden in die Musik geschafft, in die Literatur, in Film und Fernsehen – und natürlich auch ins Theater. Ein Stück, das noch weit bekannter ist als „Frühstück bei Tiffany“, welches inzwischen bereits die Hälfte seiner diesjährigen Spielzeit am Heidenheimer Naturtheater hinter sich hat. Wenn sich die Verantwortlichen dort also Gedanken zum Sommerstück 2019 machen, könnte doch die italienische Romanze durchaus in Betracht gezogen werden . . .

So die Theorie. In der Praxis hat man sich auf dem Schlossberg natürlich schon längst Gedanken gemacht – und fest steht, dass sich das Geschehen auf der Bühne nächstes Jahr nicht in Verona, sondern in New York abspielen wird; also nur ein paar Straßen entfernt vom Schauplatz des aktuellen Stückes „Frühstück bei Tiffany“. Es geht auch nicht um die Montagues und die Capulets, sondern um die Jets und die Sharks. Jugend-Banden statt Familienbande. Ansonsten aber hat das Stück durchaus Ähnlichkeiten zu Shakespeares Werk – nicht weiter verwunderlich, schließlich ist „West Side Story“ nichts anderes als die modernere Version der italienischen Tragödie.

Wie und wann wird entschieden?

Der Titel steht also fest. Doch wie kam's dazu? „Bei uns läuft das so ab, dass all diejenigen, die sich dazu berufen fühlen, Vorschläge für die kommende Spielzeit machen können“, erklärt Norbert Pfisterer, Vorsitzender des Naturtheatervereins. Die Entscheidung darüber, was letztlich zu sehen ist, fällt schon im März/April des Vorjahres. Zuerst werden die ausgewählten Stücke in einer Mitgliederversammlung vorgestellt – inklusive eines Produktionskostenplans, den die angehenden Regisseure aufstellen müssen –, anschließend treffen Vorstand und Beirat die Entscheidung in einer extra Sitzung, in der auch schon erste Infos zur Besetzung und zum Bühnenbild gegeben werden.

„Mit ,West Side Story' für 2019 sind wir mehr als glücklich“, sagt Pfisterer, der aber auch nicht verschweigt, dass es anfänglich mit „Moulin Rouge“ einen weiteren Vorschlag und sogar Favoriten gegeben hatte. „Hier aber waren die Rechte das große Problem.“ Habe man vor einigen Jahren – noch mehr blauäugig als weitsichtig – Stücke einfach adaptiert und eigene Versionen gespielt, sei so etwas heutzutage gar nicht mehr denkbar. „Gerade in Zeiten der neuen Medien müssen wir viel stärker als früher darauf achten, rechtlich alles abzuklären. Das kann sonst böse enden. Und bei ,Moulin Rouge' ist das leider nicht gelungen“, sagt Petra Pfisterer, Mitglied im Vorstandsteam.

Mehrheitlich hat man sich deshalb für „West Side Story“ entschieden – vorgeschlagen von Ulrike Valentin und Cornelia Härtner, die Regie führen werden und die beide schon einiges an Erfahrung vorweisen können, sei es in der Regieassistenz oder als Verantwortliche fürs Wintermärchen. „Es wird aufwendig, es wird Musik-lastig und wir werden Leute brauchen, die tanzen können und singen, singen können und spielen und alles zusammen“, so Norbert Pfisterer.

Darüber hinaus wird ein Orchester eingesetzt – laut Rechteinhaber muss die Musik in exakt der vorliegenden Orchestrierung gespielt werden – und mit Markus Romes wird ein musikalischer Leiter mit von der Partie sein, der die Schauspieler gesanglich coacht. „Natürlich sollen die Rollen mit unseren Mitgliedern besetzt werden – wir staunen immer wieder, welche Talente in unseren Reihen versteckt sind“, so Pfisterer. Fangen die Proben in der Regel um die Weihnachtszeit an, so Petra Pfisterer, könne sie sich gut vorstellen, dass man dieses Jahr bereits im Oktober damit startet.

Kinderstück spielt in Italien

Während das Erwachsenenstück also erneut in New York spielen wird, begibt man sich mit dem Kinderstück tatsächlich nach Italien – allerdings ebenfalls nicht nach Verona, sondern nach Venedig. Auf dem Programm steht der „Herr der Diebe“ nach einer Romanvorlage von Cornelia Funke: Spannung, Freundschaft und Dramatik auch hier.

Gemeinsam wird den beiden Stücken auch wieder das Bühnenbild sein. New York dürfte kaum eine Schwierigkeit darstellen, Venedig könnte schon kniffliger werden; und beides in einem? Während die Naturtheaterfans gespannt sein dürfen, zeigen sich die Verantwortlichen derzeit noch entspannt – immerhin liegt dazwischen noch ein ganzes Jahr, auch wenn der Vorverkauf bereits am 1. Dezember 2018 startet.

Zwischenbilanz Saison 2018

Aufgrund der Vorverkaufszahlen für die beiden Stücke „Frühstück bei Tiffany“ und „Der Prinz und der Bettelknabe“ ist eine Gesamtauslastung von 75,9 Prozent zum Ende der Spielzeit im Naturtheater bereits erreicht. Obendrauf kommt alles, was an der Tageskasse noch verkauft wird.

Für „Frühstück bei Tiffany“ sind bislang 18638 Karten verkauft, was einer Auslastung von 90,8 Prozent entspricht.

Für „Der Prinz und der Bettelknabe“ sind bislang schon 15628 Karten weg, das entspricht einer Auslastung von 63,5 Prozent.

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