Heidenheim / Günter Trittner IHK- Präsident Markus Maier wirbt für ein starkes Europa ohne Barrieren und benennt weitere Voraussetzungen, damit die Wirtschaft gut funktionieren kann.

Wie steht es um Deutschland? Tief senkte Präsident Markus Maier beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg am Donnerstagabend das Lot in das Gefühlsleben der Nation, so wie es sich in vielen Schlagzeilen widerspiegelt. Ein leidendes Land?

Vor über 400 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung wollte sich Maier bei dieser wichtigsten Veranstaltung der Kammer, bei der auch Eberhard Herzog von Württemberg anwesend war, nicht in die Reihe der Schwarzmaler einfügen. Im Gegenteil: „Ich plädiere für eine Kultur der Zuversicht.“

In der Rangliste verbessert

Dass diese keine nur aus Hoffnung gezeugte Seifenblase ist, sondern festen Grund hat, wusste Maier mit soliden Fakten zu unterlegen: In Deutschland gibt es so wenig Arbeitslose wie zuletzt vor der Wiedervereinigung, mit 45 Millionen Menschen haben so viele wie noch nie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Deutschland hat mit 294 Milliarden Dollar weltweit den höchsten Exportüberschuss – „und unser Ostwürttemberg hat maßgeblich dazu beigetragen“.

Als kleinste der zwölf Regionen im Land Baden-Württemberg habe sich Ostwürttemberg vergangenes Jahr im Innovationsindex auf Platz fünf verbessert. Für Maier hätte die Region sogar noch Luft nach oben, „wenn wir weitere Unterstützung über eine Forschungsförderung bekämen“.

Es war nicht die einzige Forderung, die Maier an diesem Abend im Haus der IHK erhob. Denn auch eine Kultur der Zuversicht benötigt Nährstoffe. So wie etwa das Fachkräftezuwanderungsgesetz.

Die Wirtschaft brauche dieses Gesetz, meinte Maier, es dürfte sogar lockerer sein.

Auch der Grundgedanke des Berufsbildungsgesetzes stimmt für Maier. „Wir begrüßen das Ansinnen der gesteigerten Wertschätzung der dualen Ausbildung.“ Ob es den Titel eines Berufsbachelors brauche, ließ Maier auf einem anderen Blatt stehen. Fakt ist jedenfalls, dass nach jahrelangen Rückgängen in Ostwürttemberg nun das zweite Jahr in Folge die Zahl der Ausbildungsverhältnisse gestiegen ist.

Die Wirtschaft in Ostwürttemberg exportiert 55 Prozent ihrer Güter. Aber nicht nur deswegen plädierte Maier für einen freien Verkehr von Menschen, Waren, Finanzen und Dienstleistungen ohne nationale Schranken. Nur ein einiges Europa, „ausgestattet mit einer klaren Strategie“, werde zwischen Asien und Amerika ökonomisch und geopolitisch eine Rolle spielen können. Der Binnenmarkt sei für die Wirtschaft einer der größten Erfolge des „Projekts Europa.“

Internationaler ist inzwischen auch die Belegschaft in den Betrieben. Die IHK-Organisation, so Maier, werde sich zur Wehr setzen, wenn versucht werde, hier einen Keil hineinzutreiben. „Mittlerweile werden deutschlandweit vier von zehn neuen Unternehmen von Menschen mit Migrationshintergrund gegründet. Auch sie tragen damit erheblich zum Wohlstand des Landes und zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei.“

Zunehmend vernachlässigt fühlt man sich in Ostwürttemberg, was den Betrieb und die Infrastruktur der Schiene anbelangt: „Bimmel- und Bummelbahnen.“

Kluge Sachpolitik

Hoch griff Maier mit dem letzten Wunsch, damit Wirtschaft gedeihen kann. „Sie braucht eine funktionierende Welt.“ Und damit eine „kluge Sachpolitik“, um dem zu begegnen, was das Weltwirtschaftsforum vor wenigen Wochen als das höchste Risiko für das nächste Jahrzehnt ausgemacht hat: den Klimawandel. Aus einer ethischen Perspektive konnte Maier versichern, dass in Ostwürttemberg „nachhaltiges und ehrbares Unternehmertum“ gelebte betriebliche Praxis sei.

Auch zeitliches Hinauszögern und Aufschieben seien hier untypische Eigenschaften. „Wir wissen heute schon sehr genau, was uns Wetterextreme und Naturkatastrophen volkswirtschaftlich kosten.“ Und man wisse auch, dass man nicht nur volkswirtschaftlich scheitern werde, „wenn wir nichts machen“.

Für Maier steht fest, dass die Energiepolitik hin zu einer emissionsfreien Energieerzeugung führen muss. Dazu gehöre auch der Ausbau der Netze und Speicher. Eine vernünftige Energiepolitik müsse aber auch die Aufklärung und Qualifizierung der Beschäftigten beinhalten. An die Adresse der Unternehmen in der Region richtete Maier diesen Satz: „Wir alle wissen, welche Potenziale zur effektiven und effizienten Energienutzung noch in unseren Betrieben vorhanden sind.“