Medizin Medizinische Versorgung: Jeder vierte Hausarzt bald im Ruhestand

Und wer macht jetzt weiter? Auch in der Stadt gehen fast ein Viertel der niedergelassenen Hausärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand – viele haben keine Nachfolger. Die bisher gewohnte Überversorgung könnte schnell kippen.
Und wer macht jetzt weiter? Auch in der Stadt gehen fast ein Viertel der niedergelassenen Hausärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand – viele haben keine Nachfolger. Die bisher gewohnte Überversorgung könnte schnell kippen. © Foto: stokkete, fotolia.com
hz 20.06.2017
Auch in der Stadt Heidenheim wird einen Aderlass bei den Ärzten geben – obwohl sich hier die Ärztezentren ballen. Jeder vierte Hausarzt geht bald in Ruhestand.

Rein nach den Zahlen gibt es kein Problem: 35 Hausärzte praktizieren derzeit in Heidenheim. Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung würden 29,2 Stellen auf Hausärzte ausreichen, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. „Die Stadt Heidenheim ist aktuell hausärztlich überversorgt“, heißt es denn auch im Atlas zur hausärztlichen Versorgung, den der Fachbereich Gesundheit der Landkreisverwaltung und die Kreisärzteschaft soeben erstellt haben. Allerdings: Dieser Zustand ist nicht von Dauer. Im Gegenteil, bereits im laufenden Jahr wird sich der Generationswechsel bei den Hausärzten bemerkbar machen. Bis 2020, so die Prognose, werden neun Hausärzte in Heidenheim in den Ruhestand gehen, jede vierte Stelle also geht verloren. Noch dramatischer ist der Ausblick auf 2027. In zehn Jahren werden es 20 Hausärzte weniger sein. Es droht ein Aderlass von 57 Prozent, wenn es nicht gelingt Nachfolger für die Praxen zu finden. Auch in der Großen Kreisstadt dominiert heute noch mit 20 Einheiten die klassische Einzelpraxis. Immerhin arbeitet ein Drittel der Hausärzteschaft in berufsübergreifenden Arbeitsgemeinschaften (BAG), darunter zwei große BAG mit jeweils vier Medizinern.

Kooperationen haben Zukunft

Solchen Kooperationen gehört nach Einschätzung der Autoren des Atlas denn auch die Zukunft. 70 Prozent der Studentenschaft an den medizinischen Fakultäten sind heute Frauen, im Landkreis Heidenheim ist ihr Anteil unter den Hausärzten mittlerweile bei weiter steigender Tendenz bei 44 Prozent. Aber 63 Prozent von ihnen ziehen für die Ausübung ihres Berufs eine BAG vor. „Die BAG bilden stabile Versorgungsstrukturen, so dass das Ausscheiden von Hausärzten leichter kompensiert werden kann“, heißt es in der Studie. Das hier mögliche Job-Sharing komme vor allem Medizinerinnen entgegen, so sie neben der Familie nur in Teilzeit arbeiten wollen.

20 neue Ärzte müssen her

Soll es in Heidenheim nicht zu einer Unterversorgung mit Hausärzten kommen, müssen binnen zehn Jahren 20 junge Mediziner gewonnen werden. Die Autoren der Studie sehen eine Chance, durch das Zusammenlegen frei werdender Einzelpraxen kooperativen Praxisformen den Weg zu ebnen. Auch könnten frei werdende Arztsitze in bestehende Praxen integriert werden. Die Modalitäten des Praxiswechsels sollten aber frühzeitig eingeleitet werden. Wunsch der Autoren ist, dass die BAG möglichst über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Auch ein Ärztehaus biete Möglichkeiten der Kooperation und können einen Anreiz für junge Ärzte darstellen, hier eine Praxis zu gründen.

Bei der Stadtverwaltung ist man gerne bereit, mit der Hausärzten ins Gespräch zu kommen, sollte die Kreisärzteschaft einen Runden Tisch wünschen. „Da sind wir ganz offen“, sagt Birgit Baumann, für die Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus zuständig. Allerdings sieht man sich bei der Stadt außerstande, konkret bei der Übergabe von Praxen eine Hilfestellung zu geben. „Das können die Ärzte untereinander besser steuern“, so Baumann, die auch auf die zahlreichen Ärztehäuser in der Stadt erinnert, die auch ohne kommunales Engagement zustande kamen.