Heidenheim Jeder Kreisbürger soll 9,5 Kilo Schokolade gegessen haben

Ernährung ist auch im Landkreis Heidenheim ein Wirtschaftsfaktor: mehr als 800 Arbeitsplätze haben mit der Herstellung von Lebensmitteln zu tun.
Ernährung ist auch im Landkreis Heidenheim ein Wirtschaftsfaktor: mehr als 800 Arbeitsplätze haben mit der Herstellung von Lebensmitteln zu tun. © Foto: dpa
Heidenheim / HZ 10.02.2018
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten erkennt die Ernährungsbranche auch im Landkreis Heidenheim als wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Guten Appetit: 52 Sattelschlepper voll mit Schokolade, so groß ist der Hunger auf Süßes im Landkreis Heidenheim pro Jahr.

Von der Tafel über die Praline bis zum Riegel: 1250 Tonnen Schokolade aßen die Menschen im Landkreis, gut 9,5 Kilogramm pro Einwohner. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beruft sich hierbei auf statistische Zahlen und hat auch welche zu anderen Lebensmitteln parat.

Statistisch werden demnach 3200 Tonnen Käse, also 24,5 Kilo pro Einwohner verzehrt. Und beim Bier wurden 136 000 Hektoliter im Jahr getrunken (was sich auf 104 Liter pro Kopf umrechnen lässt). Schokolade, Käse, Bier – allein diese drei Beispiele zeigen, welche Bedeutung Lebensmittelindustrie und -handwerk haben, so die Gewerkschaft.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor: Rund 810 Arbeitsplätze hängen im Kreis Heidenheim laut Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. „Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland – ein Großteil der Produktion geht in den Export – und schafft es damit auf die internationalen Teller“, sagt Karin Brugger von der NGG Ulm-Aalen-Göppingen.

So seien Hersteller aus der Region auch regelmäßig auf der Grünen Woche – der weltgrößten Agrar- und Verbrauchermesse – in Berlin präsent.

Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen seien eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft, so Brugger. Die sei gut aufgestellt und belege bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. „Kaum irgendwo ist die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns“, sagt die Geschäftsführerin der NGG Ulm-Aalen-Göppingen.

Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken sei jedoch, dass dieses fair produziert werde – angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. Dazu hat die NGG eine lebensmittelpolitische Initiative gestartet. Karin Brugger: „Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck – das kann zum Beispiel nicht gut gehen.“ Dies bedeute auch, dass Unternehmen Tarifverträge einhielten und sich an der Berufsausbildung beteiligten, betont die Gewerkschafterin.

Kritik an Rabattschlachten

Mit Sorge sieht die NGG den Trend zur Verramschung: „Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft“, kritisiert Brugger. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen.

An die Verbraucher appelliert die NGG daher, in den Märkten und Geschäften nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten. „Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken – und beim Essen auch noch ein gutes Gewissen haben.“

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