Theater Jake und Elwood Blues wälzen sich in Pfützen

Heidenheim / 29.06.2014
Wenigstens wurden bei der zweiten Premiere die Nazis von den "Blues Brothers" so richtig nass gemacht. Aber auch Jake und Elwood Blues mussten sich in Pfützen wälzen - und da tat es einem so richtig leid um um Markus Hirschberger und Uwe Weinrich, die am Samstag die beiden Titelrollen spielten.

Sie taten das richtig gut, so dass schwer zu bestimmen ist, wem vom „BB“-Quartett der Vorzug zu geben ist – alle sind mitreißend.

Und auch alle anderen Rollen sind so gut besetzt, dass spielermäßig, von der Regie und Konzeption her sowieso nicht, kein Durchhänger zu befürchten ist.

Auch das Publikum war bei der zweiten Aufführung anders. Aber es war genauso begeistert: Auch am Samstag gab's am Schluss stehenden Applaus, wenn auch nicht vom kompletten Publikum.

Bei beiden „BB“-Paarungen dominiert der kleinere, der etwas rundlichere Jake: Hirschberger erwies sich als deutlich agiler – er hat mehr Drive, ist ein Tanzbär, der auch den Überschlag beherrscht. Lars Sörös-Helfert ist ein bisschen weniger lebendig, dafür vielleicht einen Hauch abgeklärter und, womöglich, auch cooler. Beide jedenfalls sind Attraktionen 2014 im Naturtheater, mit kehligem Sound.

Uwe Weinrich und Matthias Wagner schenken sich nicht viel im Spiel, und auf der Bühne stehen sich die Elwoods und Jakes ohnehin nicht nach. „Die triumphale Rückkehr der Blues Brothers“ ist im Naturtheater bei jeder Brüderpaarung gewährleistet.

Deutlich unterschiedlich sind die beiden Waisen-Hausmeister: Andreas Antoniuk ist ein erfahrener Showman, das wusste er am Samstag bei seinen Gesangsauftritten souverän und fast schon ein bisschen selbstverliebt zu nutzen. Norbert Sluzalek hat hingegen mehr spielerische Tiefe.

Der Premieren-„Ray Charles“ von Ingo Schneider war ein regelrechtes Kabinettstückchen, aber der „Ray“ von Marc Jahraus, Co-Regisseur und musicalerfahren, ist ebenfalls richtig gut.

Ansonsten schenken sich die Doppelbesetzungen nicht viel. Vielleicht ist Alwis Michalk ein wirkungsstärkerer Reverend, Ayse Michalk eine schärfere, im Wortsinn: Wuchtbrumme. Stefanie Seibert sang als Aretha mit mehr Bühnenpräsenz; und von den beiden nonnenbegleitenden, „Halleluya“ singenden Waisenkindern war Josephine Eckle eventuell noch ein bisschen wirkungsmächtiger als die etwas ältere Francesca Valentin. Aber es gilt jeweils: doppelt hervorragend.

Viel weniger zickig jedenfalls verhielten sich die Fahrzeuge bei der zweiten Premiere. Der Rüsselsheimer „Dodge“-Ersatz sprang am Samstag, wenn auch nach manchem Orgeln, immer an. Und auch das MZ-Gespann der „Chicago Police“ zeigte sich am Samstag willig: Die Polizisten mussten nicht schiebend improvisieren und das Radtandem aus der Asservatenkammer holen, um den Rekord C verfolgungszujagen – offensichtlich gibt's Notfallpläne.

Ansonsten, trotz einiger recht greller Rückkoppelungen am Samstag und Motorradausfällen am Freitag: Auch die Technik, nicht zuletzt bei Licht und Pyro, war begeisternd. Spiel, Gesang und Tanz sowieso.

Das Naturtheater bietet keine billige „BB“-Magerkopie, das könnte auch nur in die Hose gehen. Sondern eine eigenständige, den Verhältnissen des Naturtheaters angepasste Version. Ein, im Doppelsinn: Schlossberg-Knaller für den Sommer 2014.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel