Heidenheim Neues Jahrbuch: Von der Hexenjagd bis in den Jazzkeller

Auch ein Stück Heidenheimer Heimatgeschichte: Die „Papas“ Mitte der 1970er Jahre. Auch um Jazz geht es im neuen Jahrbuch des Heimat- und Altertumsvereins. Warum auch nicht?
Auch ein Stück Heidenheimer Heimatgeschichte: Die „Papas“ Mitte der 1970er Jahre. Auch um Jazz geht es im neuen Jahrbuch des Heimat- und Altertumsvereins. Warum auch nicht? © Foto: HZ-Archiv
Heidenheim / Hendrik Rupp 03.12.2018
Das Jahrbuch 2017/2018 des Heimat- und Altertumsverein kommt deutlich vielseitiger daher als viele seiner Vorgänger. So wird etwa die lokale Jazzmusikszene nach dem zweiten Weltkrieg beleuchtet.

Der Staub muss runter. Diesen Wunsch merkt man dem neuen Jahrbuch des Heimat- und Altertumsvereins deutlich an – sogar im Hinblick auf den Vereinsamen. „Unser Geschichtsverein“ heiße nun mal seit 1901 so, heißt es in der Einleitung. Man würde offenbar gerne anders heißen.

Anders zu publizieren ist dem Verein schon gelungen: das jüngste Jahrbuch geht die lokale und regionale Geschichte jedenfalls spürbar bunter und vielseitiger an, als man es einst gewohnt war.

Beiträge regen zum Lesen an

Das liegt auch daran, dass die 16 Beiträge von elf ausnahmslos männlichen Autoren tatsächlich Neuland betreten: Moderne Editionen älterer Arbeiten, früher üblich und in sich ja auch honorig, sucht man im neuen Band vergebens. Umso mehr gibt es Beiträge auch ohne ein Gebirge an Fußnoten: Im Jahrbuch muss es fundiert und korrekt, aber nicht übertrieben akademisch zugehen.

Günther Brommler zum Beispiel, Mitinitiator des Grenzstein-Lapidariums im Brenzpark, widmet sich in drei Beiträgen buchstäblich begreifbarer Heimatgeschichte: Neben einem Abriss über das Lapidarium erläutert er die gusseisernen „Truppenteiltafeln“, die man in vielen Orten der Gegend noch sieht, und er führt in die spannende Geschichte der Weißensteiner Steige ein, bis heute die Hauptverkehrsachse ins Filstal.

Ebenfalls mit drei Beiträgen vertreten ist der Heidenheimer Historiker Alfred Hoffmann. Hoffmann aktualisiert seine teils auch schon in der HZ veröffentlichten Forschungen zur Hexenverfolgung und bietet Einblick in die unrühmliche Geschichte des Konzentrationslagers Heuberg, in dem auch Heidenheimer einsitzen mussten.

Antike? Kein Problem: Ausgräber Hardy Prison liefert ein Update zum Fürsamen. Frühe Neuzeit? Günter Schmeisky hat die Geschichte der (evangelischen!) Brenztalklöster im 16. und 17. Jahrhundert erforscht. Pfarrer Armin Leibold wiederum erklärt, wie ein Epitaph in der Schnaitheimer Michaelskirche an eine Klimakatastrophe vor 200 Jahren erinnert, als der Ausbruch eines Vulkans in Indonesien für eine verheerende Mini-Eiszeit sorgte – eine Klimakatastrophe im Jahr 1816.

Neues über den einstigen Fabrikanten und Ehrenbürger Friedrich Pfenning steuert Christoph Bittel teil, und Ulrich Seif erinnert an den aus Mergelstetten stammenden Ökonomen Walter Troeltsch, der als Professor in Preußen manchen Strauß mit einer Zensur ausfechten musste, die man im liberalen Württemberg nicht kannte.

Heidenheimer Jazzlegenden

Ein glücklicher Farbtupfer im neuen Jahrbuch ist schließlich der Beitrag von Karl-Heinz Mayer. Das Mitglied der Schnaitheimer Orts- und Heimatfreunde schreibt ebenso unterhaltsam wie kenntnisreich über die Tanz- und Jazzmusikszene Heidenheims nach dem Zweiten Weltkrieg und beleuchtet zahlreiche lokale Bandlegenden wie die „Bongo Boys“, die „Papas“ oder das „Wolf-Sörös-Quintett“. Er erläutert auch, wie es zu einer engagierten Szene von den Heidenheimer Jazztagen bis zur IG Jazz und anderen Vereinen kam.

Von den Alamannen über die Hexenjagd bis zum Jazz – das klingt nach einem abwechslungsreichen Weg. Der Verein und sein Jahrbuch sind hier aber ganz sicher auf dem richtigen Weg.

Jetzt im Handel

Das Jahrbuch 2017/18 des Heimat- und Altertumsvereins ist unter anderem im Stadtarchiv und bei der Buchhandlung Konold erhältlich.

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