Heidenheim / Marita Kasischke  Uhr
Im Naturtheater findet man trotz der intensiven Vorbereitungen auf die neue Saison noch Zeit, sich auch um Flüchtlinge zu kümmern. Seit dem vergangenen Herbst gibt es verschiedene Aktionen.

Während eifrig für „Die Feuerzangenbowle“ und „Die kleine Hexe“ und für „Antigone“ geprobt wird, laufen derzeit noch Proben ganz anderer Art im Naturtheater: Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Eritrea sind dabei, Theaterluft zu schnuppern. In einem Intensiv-Workshop für Gruppendynamik, Präsenz, Improvisation wird gemeinsam Szenenmaterial erstellt, das schließlich vor großem Publikum präsentiert werden soll. Geleitet wird der Workshop von Thibaud Gross, Naturtheatermitglied und angehender Theaterpädagoge, der den rund 15 Teilnehmern die ersten Theaterkenntnisse vermittelt.

Mit dabei sind auch Spieler des Naturtheaters, und schon beim ersten Treffen zeigte sich, dass im Theaterspiel mühelos Sprachgrenzen überwunden werden können. Dass sich ganz nebenbei die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge verbessern, ist genau der Effekt, den sich Klaus Peter Wettlaufer von der Eva Heidenheim, wo die jugendlichen Flüchtlinge untergebracht sind, versprochen hatte: „Theater kommt ohne Sprache nicht aus. Das ergänzt den Deutschunterricht perfekt“. Deshalb hatte er sich an das Naturtheater gewandt, wo seine Bitte nicht unerhört geblieben war. Vorsitzender Norbert Pfisterer: „Wir haben diese Bitte gerne angenommen, weil wir meinen, dass ein solches Projekt allen Beteiligten hilft, Vorurteile abzubauen. Wo könnte das besser geschehen als in einem weltoffenen, toleranten Theaterbetrieb? Das Engagement unserer jungen Leute finde ich einfach toll“. Schon der erste Nachmittag fand bei den jugendlichen Flüchtlingen großen Anklang und Fortsetzung war gewünscht.

Damit wurde der dreiwöchige Intensiv-Workshop, unterstützt durch den Förderverein des Naturtheaters, ins Leben gerufen. Er wird seinen Höhepunkt in den öffentlichen Präsentationen am Freitag, 12. Februar, um 20 Uhr, und am Sonntag, 14. Februar, 19 Uhr, im Naturtheater finden.

Zurückzuführen sind die Aktionen auf die Initiative im Naturtheater auf die Mitglieder Lara Tschabrun und Julius Ferstl, die das Engagement in Sachen Flüchtlingshilfe federführend betreiben. Begonnen hat die Aktion im Requisitenlager des Theaters. Denn das musste wegen der bevorstehenden Bauarbeiten geräumt werden, und das möglichst flott. Über „Ich für uns“ erhielt das Naturtheater Kontakt zu Flüchtlingen aus Syrien, die in der Walter-Wolf-Straße untergebracht sind.

Es musste nicht lang gefragt werden: Augenblicklich waren sie bereit mit anzupacken, und dank der tatkräftigen und einsatzfreudigen Mithilfe war das Lager schnell geräumt. Traurig waren darüber nur die sechs Männer aus Syrien, denn allzu gern wollten sie weiter tätig sein.

Ein Einsatzgebiet für die Männer war schnell gefunden: Mit „Frau Holle“ gingen die jungen Männer auf Tour und halfen, Betten, Backofen mitsamt Bühnenbild auf die jeweilige Bühne in Geislingen, Bopfingen, Giengen, Günzburg und Hofherrnweiler zu bringen. Einige dieser Helfer sind nun auch im Intensiv-Workshop mit von der Partie.