Frauen Integrationsministerin Bilkay Öney erhält Clara-Zetkin-Preis

„Politik ist eine zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte“, zitierte Bilkay Öney (Mitte) einen Ausspruch von Käte Strobel. Die Integrationsministerin erhielt aus den Händen von Maja Reusch (links) und Brigitte Milde (rechts) den Clara-Zetkin-Preis 2013.
„Politik ist eine zu ernste Sache, als dass man sie allein den Männern überlassen könnte“, zitierte Bilkay Öney (Mitte) einen Ausspruch von Käte Strobel. Die Integrationsministerin erhielt aus den Händen von Maja Reusch (links) und Brigitte Milde (rechts) den Clara-Zetkin-Preis 2013. © Foto: Foto: Karin Greth
Heidenheim / Karin Greth 10.03.2013
Alle zwei Jahre am Internationalen Frauentag wird in Heidenheim der Clara-Zetkin-Preis der IG-Metall-Frauen verliehen. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an die Baden-Württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney,

Geboren 1970 in Ostanatolien, mit drei Jahren Umzug nach Berlin, hinein in ein neues Leben, in eine neue Kultur, eine neue Sprache. Bilkay Öney schließt sich den Pfadfindern an, lernt Feuermachen, Fährten lesen, Lager bauen. Und in der Schule lernt sie, worauf es sonst noch ankommt. Abitur 1989, anschließend Studium an der Technischen Universität Berlin, Betriebswirtschaftslehre.

Erst arbeitet Bilkay Öney bei einer Bank, dann als Journalistin für einen türkischen Fernsehsender, bis sie 2006 für die Grünen ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt wird. 2009 wechselt sie zur SPD.

Sich nicht verbiegen lassen

In ihrer Laudatio auf die Integrationsministerin stellte Maja Reusch, Frauensekretärin der IG Metall Heidenheim, am Freitagabend im Marstall auf Schloss Hellenstein den Lebenslauf der neuen Preisträgerin vor. „Sie ist eine Frau, die ihren eigenen Kopf hat und sich nicht verbiegen lässt“, lobte Reusch, „das schätzen wir Gewerkschafterinnen sehr – auch wenn wir inhaltlich mit ihr nicht immer einer Meinung sind.“

Mit ihrem Leben und durch ihren Einsatz in der Politik sei die Ministerin ein Vorbild für andere Frauen. Ein Vorbild, das Frauen „fördert, aber auch fordert“. Bilkay Öney setze sich für eine Gruppe Frauen ein, die besonders benachteiligt seien. „Denn Frauen mit Migrationshintergrund sind zum einen aufgrund ihres Geschlechts und zum anderen aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt.“ Die Verleihung des Preises an Öney sei deshalb auch gleichzeitig ein Hinweis auf die Probleme dieser Frauen. Ihr Vorbild sei außerdem wichtig, weil es helfe, Vorurteile zu überwinden.

Auch Manuela Rukavina, Vorsitzende der Verdi-Frauen Baden-Württemberg, die als Moderatorin für die ursprünglich angekündigte stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Marion v. Wartenberg eingesprungen war, betonte die Bedeutung der Vorbildrolle. „Es gibt immer noch viele Bereiche, wo einem die Benachteiligung der Frauen die Tränen in die Augen treibt“, betonte Rukavina. „Frauen machen 52 Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg aus“, präsentierte die Vorsitzende Zahlen und Fakten, „trotzdem gibt es 40 Gemeinderäte im Land, in denen keine einzige Frau sitzt, es gibt 33 Landräte aber nur 3 Landrätinnen.“ Und auch in Heidenheim herrsche ein Ungleichgewicht: „Im Gemeinderat sitzen hier 26 Männer aber nur 9 Frauen“. Zwei Drittel aller unbezahlten Arbeiten werde von Frauen verrichtet. Frauen seien stärker armutsgefährdet, schlechter bezahlt. „Zwei von drei geringfügig Beschäftigten mit einem Stundenlohn von unter zehn Euro Brutto sind Frauen“, zählt Rukavina weiter auf.

„Frauen könnten ja schwanger werden“

„Junge Frauen können zu Beginn erst wenig mit Frauenpolitik anfangen, weil ihnen anfangs alle Türen offen stehen“, so die Gewerkschaftlerin. Die Türen seien allerdings nur offen, bis in der Frau der Wunsch nach Familie wach werde. „Und auch Frauen, die Karriere machen wollen, merken bald, dass sie nicht so befördert werden, wie die Männer“. Und warum das so ist? Diese Frage beantwortet die Gewerkschafterin in ihrer Rede gleich selbst. „Frauen könnten ja schwanger werden“.

Deshalb sei der Internationale Frauentag noch lange nicht überflüssig, so die Frauenrechtlerin. Deshalb sei es auch wichtig, dass die Frauen in Heidenheim eine Auszeichnung vergeben an andere Frauen, die sich in Bereiche vorkämpfen, die bislang Männern vorbehalten waren.

Diese Vorbilder haben eine wichtige Türöffner-Funktion. „Meine achtjährige Nichte findet es zum Beispiel ganz normal, dass es in Deutschland eine Bundeskanzlerin gibt“, so Rukavina, „nur über die Qualität lässt sich natürlich streiten“.

„Ich bin sehr gerührt“, versicherte die Integrationsministerin nach der Übergabe des Preises und fügte schmunzelnd hinzu: „Ich habe nämlich noch nie was gewonnen.“ Danach nahm sie Stellung zu einem ernsten Thema: Zur Situation der Migranten in Deutschland und zu aktuellen Projekten – den Test eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens, den Kampf gegen Zwangsheirat und den Ausbau der Anlauf- und Beratungsstellen. „Ich glaube allerdings, dass wir für einen erfolgreichen Feminismus auch Männer brauchen“, gab die Ministerin zu bedenken.

Das Preisgeld in Höhe von 500 Euro, das ihr mit dem Gewinn zusteht, will die Integrationsministerin nicht behalten, sondern als Spende an eine Stuttgarter Einrichtung zum Schutz von Frauen weiterleiten. „Ich glaube, als Politikerin verdiene ich genug“, sagte sie.

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