Inklusion Inklusion: „Es ist normal, ein nicht normales Kind zu haben“

Sitzen schon mal Probe im Elterncafé: Birgit Blankenhorn-Hafner, die Leiterin der Beratungsstelle Inklusion und Ulrike Abt, welche die Kinderbetreuung übernehmen wird.
Sitzen schon mal Probe im Elterncafé: Birgit Blankenhorn-Hafner, die Leiterin der Beratungsstelle Inklusion und Ulrike Abt, welche die Kinderbetreuung übernehmen wird. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Von Günter Trittner 18.12.2017
Die Beratungsstelle an der Bergstraße öffnet ab Januar ein Café, das mehr bietet als ein Frühstück für Eltern behinderter Kinder.

Seit drei Jahren gibt es die Beratungsstelle zur Förderung von Inklusion im Landkreis Heidenheim. Angegliedert ist sie der „Arbeitsgemeinschaft Inklusion: Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“, gefördert wird mit Mitteln der Aktion Mensch und aus dem Landesprogramm Stärke.

Im Januar 2018 will die Beratungsstelle im Haus an der Bergstraße 52 einen offenen Treff für Familien von Kindern mit Behinderungen einrichten. „Wir sind stolz auf unseren großen Raum“, sagt Birgit Blankenhorn-Hafner, welche hier Eltern mit behinderten Kindern zusammenbringen möchte.

Was unter dem Schlagwort Elterncafé läuft, greift aber über ein vormittägliches Frühstück hinaus. Blankenhorn-Hafner erhofft sich einen kontinuierlichen Besuch, damit Eltern nicht nur Erfahrungen austauschen können, sondern man gemeinsam auch größere Aufgaben angehen kann.

Immer noch, findet die Leiterin, ist zu wenig Wissen unter den Eltern, wann und wie man in ihrer besonderen Lebenssituation Unterstützung bekommen kann, und immer noch gibt es eine Scheu, sich darauf einzulassen. Blankenhorn-Hafner hofft, dass im Laufe der auf ein Jahr angelegten monatlichen Treffen die Eltern auch zu mehr Selbstbewusstsein und zu mehr Selbstsicherheit finden: Dass es eben normal ist, ein nicht so „normales“ Kind zu haben.

Im Bereich Freizeit stünden Eltern oft vor Hürden, wenn sie ihr Kind mit Handicap in einem Verein anmelden wollen. „Familienbildungsstätten haben uns zurückgemeldet, dass betroffene Eltern nur wenig auf Angebote eingehen. Oft sind Scham und Verunsicherung dafür der Grund oder die Befürchtung, dass das eigene Kind nicht mithalten kann.“

Auch, wenn es um den richtigen Bildungsweg geht, stehen Entscheidungen an, die Eltern treffen müssen, die aber nicht einfach zu treffen sind. „Ist die Betreuung in einem Regelkindergarten richtig oder die in einem Schulkindergarten, soll das Kind in einer Regelschule inklusiv beschult werden oder ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum besuchen“, führt Blankenhorn-Hafner als Beispiele an. Bis zum Übergang in den Beruf sei für Eltern von Kindern mit Behinderung nichts ein Selbstläufer.

Da nur aufgrund guter Information gute Entscheidungen getroffen werden können, braucht es für Blankenhorn-Hafner ein Netzwerk, das unterstützt. Nicht zuletzt will die Beratungsstelle deswegen auch die bereits bestehende Hilfen des Landkreises darstellen.

„Uns ist wichtig, im Elterncafé für alle betroffenen Eltern offen zu sein, auch wenn sie mit Inklusion nichts am Hut haben. Keiner soll bekehrt, sondern in seinen Entscheidungen ernst genommen werden.“ Blankenhorn-Hafner würde sich über eine „bunte Mischung“ freuen, damit ein wirklich konstruktiver Austausch entsteht, der verschiedene Blickwinkel beleuchtet. Während der Stunden im Café ist eine qualifizierte Kinderbetreuung durch die Erzieherin und Montessori-Pädagogin Ulrike Abt sichergestellt.

Um sich sich für die Arbeit mit Elterngruppen weiter zu qualifizieren, hat Blankenhorn-Hafner 2016 eine Weiterbildung zur Elternberaterin/begleiterin gemacht. Geplant sind zwei Gruppen, die sich dienstags (9.30 bis 11.30 Uhr) und samtags (9.30 bis 12 Uhr) im Haus an der Bergstraße 52 treffen. Das erste Treffen ist am 11. respektive 13. Januar. Der Besuch ist kostenfrei. Anmeldungen sollten bis 7. Januar erfolgt sein. (Tel. 07321.9248522 oder birgit.blankenhorn@gemeinsamleben-hdh.de

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