Brexit Inge Gräßle: „Der EU-Austritt tut mir leid – für die Briten“

Kein Englisch mehr im Parlament: Für Inge Gräßle sind die Konsequenzen des Brexits weitreichend.
Kein Englisch mehr im Parlament: Für Inge Gräßle sind die Konsequenzen des Brexits weitreichend. © Foto: Archiv
Silja Kummer 24.06.2016
Schwerwiegende Folgen für die Briten selbst – das prophezeien nach deren Austritt aus der EU sowohl Dr. Inge Gräßle als auch die IHK.

„Die Entscheidung der britischen Bevölkerung gegen das EU-Reformpaket und für einen EU-Austritt tut mir leid – und zwar für die Briten und für Großbritannien zuerst“, sagt die EU-Abgeordnete Inge Gräßle. „Wir sind alle ernüchtert und schockiert“, beschreibt sie die Stimmung im Europa-Parlament in Brüssel. Man habe für Großbritannien viele Extrawürste gebraten, was aber nicht zu einer größeren Akzeptanz der Europäischen Union geführt habe. Nun respektiere man die Entscheidung der Briten. „Es wird ganz sicher eine wirkliche Abnabelung geben und keinen halben Austritt mit Sonderbedingungen“, meint die CDU-Politikerin.

Die Konsequenzen des Referendums spüre Großbritannien zu allererst durch den anstehenden Regierungswechsel, nachdem David Cameron seinen Rücktritt erklärt hat, dann aber auch wirtschaftlich: „Mit den Vorrechten des Binnenmarktes ist es vorbei.“ Als Beispiel nennt sie die Produktzulassung, die automatisch in allen Mitgliedsländern gelte. Auch die EU-Fördermittel aus dem Strukturfonds und für die Landwirte werde es für Großbritannien nicht mehr geben. Gräßle selbst will sich darum kümmern, dass Großbritannien sich an den Pensionslasten für britische EU-Beamte beteilige.

Die Konsequenzen aus dem Austritt gehen für Gräßle soweit, dass sie das Ende von Englisch als Sprache der EU vorher sagt. „Man wird sehen müssen, worauf wir uns einigen, aber wir sprechen nicht mehr englisch im Parlament, wenn Großbritannien kein Mitglied mehr ist“, meint sie.

Alle anderen Länder, die mit dem Gedanken eines EU-Austritts spielen, würden nun sehen, was aus einem mit der EU wirtschaftlich und politisch eng verzahnten Land außerhalb der EU werde.

Eine Europäische Union ohne Großbritannien ist für die IHK Ostwürttemberg kaum denkbar. „Nun sind die schlimmsten Befürchtungen Realität geworden,“ so IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Moser. Das Votum der Briten sei höchst bedauerlich, die wirtschaftlichen Konsequenzen und die Folgen für den inneren Zusammenhalt der EU nicht absehbar. „Ein historisch schlechter Tag für die Europäische Union“, urteilt Moser. Der Brexit habe politische Auswirkungen, vor allem aber wirtschaftliche, befürchtet die IHK Ostwürttemberg. Der Handel würde natürlich nicht zusammenbrechen, doch werde eine Phase der tief greifenden Unsicherheit unvermeidlich sein, mit spürbaren Folgen für die deutschen und britischen Unternehmen.

Großbritannien sei seit mehreren Jahren für baden-württembergische Unternehmen ein „stiller Star“ im Auslandsgeschäft. Allein aus Baden-Württemberg gingen 2015 Güter im Wert von gut rund 11 Milliarden Euro nach Großbritannien. Während die Unternehmen ihre Gesamtexporte zwischen 2011 und 2015 um 13,4 Prozent steigerten, konnten sie ihre Exporte nach Großbritannien fast dreimal so stark um satte 39,6 Prozent erhöhen. Nahezu alle Industriezweige würden vom Großbritannien-Geschäft profitieren, allen voran der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automobilzulieferer.

So hat Heidenheims Partnerstadt Newport abgestimmt.