Kinder Individuelle Betreuung bieten Tageseltern wie Jasmin Scherer

In einem eigenen Spielzimmer können sich Sohn Moritz (sitzt auf der Cajon) und die Tageskinder, hier die Drllinge Gabriel, Konstantin und Nicolei, bei Tagesmutter Jasmin Scherer austoben.
In einem eigenen Spielzimmer können sich Sohn Moritz (sitzt auf der Cajon) und die Tageskinder, hier die Drllinge Gabriel, Konstantin und Nicolei, bei Tagesmutter Jasmin Scherer austoben. © Foto: Markus Brandhuber
Silja Kummer 05.08.2016
Kleinkindbetreuung statt Bürojob: Die 34-jährige Jasmin Scherer hat sich für ein Leben als Tagesmutter entschieden. Ein Besuch im Kinderparadies.

Logistik ist für viele Unternehmen ein wichtiger Bereich, der klug organisiert sein will. Aber auch für eine Tagesmutter spielt es eine entscheidende Rolle, wie man am besten von A nach B kommt – beispielsweise mit einem zweijährigen und vier Dreijährigen im Schlepptau. Denn schließlich hat auch eine Tagesmutter nur zwei Hände. Die 34-Jährige, die Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat, hat eine gute Lösung gefunden: An einem Gurtband hat sie für jedes Kind eine Schlaufe befestigt, an der es sich beim Spaziergang festhalten muss. Jasmin Scherer hält das Band und damit alle Kinder zusammen. So funktioniert es, dass sie mit ihrer Kinderbande täglich nach draußen auf die Heide, in den Wald oder zum Spielplatz gehen kann.

Kindertagespflege nennt man es, wenn eine männliche oder weibliche Person – meist Tagesmutter genannt – bei sich zuhause Kinder gegen ein Entgelt (5,50 Euro pro Stunde und Kind) betreut. Organisiert wird die Betreuung und auch die Aus- und Fortbildung der Tageseltern vom Verein Kindertagespflege Landkreis Heidenheim (früher Tagesmütterverein). 67 Tagesmütter gibt es in Heidenheim, weitere 100 im restlichen Landkreis. Sie bieten Betreuung zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Altersgruppen an. Allein in Heidenheim werden 116 Kinder im Alter unter drei Jahren von Tageseltern betreut – und das zu unterschiedlichen, individuell abgestimmten Zeiten.

Jasmin Scherer sieht in den an die Situation angepassten Betreuungszeiten einen entscheidenden Vorteil gegenüber einer Kindertageseinrichtung. Und auch für die Kinder selbst, speziell die unter Dreijährigen, findet sie Betreuung in der Tagespflege optimal: „Es ist familiärer, man kann auf die Bedürfnisse des Kindes besser eingehen“, meint sie. Auch die feste Betreuungsperson sei für die Kleinen von Vorteil. Daraus entstehe eine festere Bindung als in einer Einrichtung mit mehreren Erziehungspersonen.

Die 34-Jährige betreut zur Zeit vier Tageskinder: Der zweijährige Jonas kommt viermal pro Woche, die Drillinge Konstantin, Gabriel und Nicolei, gerade drei Jahre alt geworden, sind an fünf Tagen da. Dazu kommen Scherers eigene Kinder, der bald vier Jahre alte Sohn und die siebenjährige Tochter. Für die Rasselbande gibt es einen festen Tagesablauf: Zuerst gehen die eigenen Kinder aus dem Haus, der Sohn in der Kindergarten, die Tochter zur Schule. Zwischen 8 und 8.30 Uhr werden die Tageskinder gebracht, es gibt ein gemeinsames Frühstück. Danach geht Jasmin Scherer mit den Kindern ins Spielzimmer im zweiten Stockwerk des Hauses. Begrüßungskreis, gemeinsames Singen, freies Spiel – diese Elemente unterscheiden sich nicht vom Ablauf in vielen Betreuungseinrichtungen. Später geht es nach draußen, wenn es das Wetter zulässt, und auf dem Rückweg wird Sohn Moritz im Kindergarten abgeholt.

Nach dem Mittagessen schlafen die Kleinen, wozu Jasmin Scherer Reisebettchen in mehreren Zimmern verteilt hat. „Alle Kinder in einem Zimmer, das funktioniert überhaupt nicht“, erzählt sie lachend. Überhaupt scheint der 34-Jährigen nur sehr selten die Geduld auszugehen. Egal, ob es sich um streitende Brüder, aufs Knie gefallene Kleinkinder oder verloren gegangenes Spielzeug handelt: Mit ruhiger Stimme klärt Scherer solche Situationen im Nu. Aber alles hat seine Grenzen: „Wenn beim Frühstück der vierte Trinkbecher in Folge umfällt, habe ich manchmal auch genug“, gesteht die Tagesmutter.

Vorbereitet hat sie sich auf die Arbeit durch einen Kurs mit 160 Unterrichtseinheiten, der für das Zertifikat als Tagesmutter notwendig ist. Sobald man die ersten 30 Unterrichtseinheiten absolviert hat, bekommt man die Pflegeerlaubnis, muss dann aber innerhalb von zwei Jahren die weiteren 130 Einheiten nachweisen. Um die Pflegeerlaubnis zu behalten, müssen pro Jahr 15 Unterrichtseinheiten als Fortbildung besucht werden – das können Seminare, aber auch Vorträge zu pädagogischen Themen sein.

Voraussetzung für die Arbeit als Tagesmutter oder -vater ist mindestens der Hauptschulabschluss. Wer schon einen pädagogischen Beruf erlernt hat, muss nur die ersten 30 Unterrichtsstunden, in denen es speziell auch um rechtliche Grundlagen der Tagespflege geht, absolvieren.

Beim Tagespflegeverein kümmern sich sozialpädagogische Fachkräfte wie Sandra Hirner um die Vermittlung von Kindern an Tageseltern. Dabei müssen natürlich die angebotenen und gewünschten Betreuungszeiten übereinstimmen. Aber auch menschlich sollen Betreuer und Eltern zusammenpassen. „Da entwickelt man schon ein Gefühl dafür, wer mit wem harmonieren könnte“, sagt Hirner. Tendenziell werden eher Kinder unter drei Jahren von Tageseltern betreut, berichtet die Sozialpädagogin. Kindergarten- und Schulkinder brauchen die Tagesmutter am Nachmittag oder in den Ferien. Gerade für Kleinkinder wird die Tagespflege vom Landratsamt stark bezuschusst, was viele Eltern gar nicht wüssten, so Sandra Hirner.

Für Jasmin Scherer fiel die Entscheidung, Tagesmutter zu werden, als sie selbst ihre Tochter bekam. „Ich wollte nicht mehr in die Industrie“, sagt die Wirtschaftsingenieurin. Nicht alle in ihrem Umfeld können dies nachvollziehen, „aber mir macht die Arbeit mit den Kindern einfach großen Spaß“, sagt sie. „Ich sehe gerne, wie die Kinder sich entwickeln“, so Scherer. Und ihr Mann Peter? Auch der findet die Kinderschar toll: „Die kleinen Gäste wachsen einem ans Herz“, sagt er.

Kontakt zum Verein Kindertagespflege: Tel. 07321.924808