Heidenheim In vielen Branchen fehlen Fachkräfte

Bei der Sitzung der IHK-Vollversammlung (v.l.) die Vizepräsidenten Brigitte Wagenblast und Rudi Feil, IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaele Eberle, IHK-Präsident Markus Maier sowie die Vizepräsidenten Dr. Jörg S. Rieger und Ulrich Betzold.
Bei der Sitzung der IHK-Vollversammlung (v.l.) die Vizepräsidenten Brigitte Wagenblast und Rudi Feil, IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaele Eberle, IHK-Präsident Markus Maier sowie die Vizepräsidenten Dr. Jörg S. Rieger und Ulrich Betzold. © Foto: IHK
Heidenheim / HZ 04.12.2018
IHK-Vollversammlung: In der Herbstsitzung ging es um die aktuellen Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sowie um Maßnahmen der Wirtschaftsförderung. Der Wirtschaftsplan 2019 wurde verabschiedet.

Ein bedenkliches Stimmungsbild ergab die Aussprache über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Branchenübergreifend fehlen Fachkräfte, so der Tenor; aber nicht nur diese, teilweise sind auch Mitarbeiter für Helfertätigkeiten zur Mangelware geworden. Weiter verschärft hat sich der Mangel vor allem in der Dienstleistungsbranche, insbesondere in der Logistik und in der Gastronomie. Dringend benötigte Berufskraftfahrer werden überwiegend aus Osteuropa rekrutiert.

Der Bedarf kann zwar gedeckt werden, allerdings erschwert der angespannte Wohnungsmarkt den Zugang neuer Mitarbeiter, für die eine Komplettversorgung notwendig ist. Hierzu zählen auch Sprachkurse. Mangelnde Sprachkenntnisse sind gerade auch in der Gastronomie der größte Hemmschuh, um an neue Mitarbeiter zu kommen. Angesichts der unverändert guten Konjunktur und der demografischen Entwicklung wird sich die Problematik allgemein weiter verschärfen.

IHK-Präsident Markus Maier: „Aus dem Fachkräftemangel ist ein Arbeitskräftemangel geworden. Es geht um jede helfende Hand.“ Vor diesem Hintergrund begrüßte die Vollversammlung die Pläne der Koalitionsregierung für eine konkrete Ausgestaltung eines Einwanderungsgesetzes sowie eines „Spurwechsels“ für geduldete Flüchtlinge. Dabei sollen mehrere Regelungen gelockert werden, um den Fachkräftemangel einzudämmen. So soll künftig jeder mit „anerkannter Qualifikation“ und Arbeitsvertrag in Deutschland arbeiten dürfen. Auch sollen Asylbewerber, die sich in Ausbildung befinden, in dieser Zeit nicht abgeschoben werden und können zwei Jahre nach ihrer Ausbildung weiterbeschäftigt werden. Mit dem Spurwechsel sollen Flüchtlinge mit einem Arbeitsplatz auch bei einem negativen Asylbescheid in Deutschland bleiben können.

Aktive Wirtschaftsförderung

Über aktuelle Themen der Wirtschaftsförderung informierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle das Gremium. Hierzu zählen u. a. die erfolgreiche Premiere der Mitmachausstellung Make Ostwürttemberg mit über 9.000 Besuchern und die Delegationsreise „Ostwürttemberg meets Austria“ nach Wien mit zahlreichen Folgekontakten. Erfolgreich entwickelt hat sich das Projekt Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg. Die Fördergelder sind geflossen; das Konzept befindet sich jetzt in der Umsetzung und die drei Standorte in der Region werden aufgebaut.

Mit der Abrechnung des Bauwirtschaftsplans wurde der Bauausschuss für den von Bund und Land zu großen Teilen geförderten Neubau des IHK-Bildungszentrums in Aalen offiziell entlastet. Das Projekt blieb nicht nur im Zeit-, sondern vor allem auch mit rund 22 Millionen Euro im vorgegebenen Kostenrahmen.

Jahresabschluss verabschiedet

In den Haushaltsberatungen verabschiedete die IHK-Vollversammlung den von der Rechnungsprüfungsstelle der IHKs in Bielefeld geprüften Jahresabschluss 2017. Nach Jahren geprägt von einem deutlichen Abbau der Rücklagen endete das Finanzjahr 2017 mit einem Ertrag von null Euro bei einer Entnahme aus den Rücklagen von knapp 1,1 Millionen Euro. Zudem wurde der Wirtschaftsplan 2019 verabschiedet, welcher weiterhin stark durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld bestimmt ist. Es entsteht trotz positiver Betriebsergebnisse ein negatives Finanzergebnis. Um die künftige Handlungsfähigkeit der IHK Ostwürttemberg sicherzustellen, folgte die IHK Vollversammlung mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Präsidiums und verabschiedete eine Anpassung der gewinnabhängigen Umlage von derzeit 0,17 auf 0,26 Prozent des Gewerbeertrags der Mitgliedsunternehmen. Die Grundbeiträge werden dennoch beibehalten. Das Volumen des Wirtschaftsplans 2019 umfasst rund 12,5 Mio. Euro. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle: „Dieser Umlagesatz ermöglicht es uns, die verbliebenen Rücklagen, die nur einen Bruchteil der prognostizierten Risiken abdecken, für die Zeit des weiteren Niedrigzinsumfeldes zu gewährleisten.“

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