Kreis Heidenheim / Mathias Ostertag  Uhr
Bei einem Herzinfarkt zählen Sekunden. Dann ist es hilfreich zu wissen, wo sich ein Defibrillator zur Soforthilfe befindet. 226 Geräte gibt es inzwischen im Landkreis. Die Zahl soll weiter steigen.

„Dank der Defis haben wir im Landkreis schon viele Menschen ins Leben zurückgeholt“, sagt Helmut Turba. Seit mehreren Jahren übernimmt der 67-Jährige für den DRK-Kreisverband die Übergabe und Nachbetreuung der lebensrettenden Helfer, stellt sie scharf und tauscht sie nach Gebrauch auch wieder aus. Im Landkreis, einst mit Defibrillatoren völlig unterversorgt, steht inzwischen selbst in vielen Teilorten ein Defi zur Verfügung. „Es gibt nur noch wenige weiße Flecken. Heuchstetten, Eglingen und Gnannenweiler etwa“, zählt Turba auf.
 


Defibrillatoren im Landkreis Heidenheim, Stand 13. Januar 2014 auf einer größeren Karte anzeigen



Die Karte oben zeigt die Standorte der kreisweit 226 Defibrillatoren. Vom weltweit tätigen Unternehmen bis zum kleinen Mittelständler haben sich zahlreiche Firmen eigene Defis angeschafft. Viele Vereine und freiwillige Helfergruppen haben in ihren Vereinsheimen und Rettungswachen ebenfalls Geräte platziert. Selbst einige Privatpersonen besitzen eines.

Dass die Zahl der verfügbaren Defibrillatoren seit 2000 stetig gewachsen ist, ist auch ein Verdienst Turbas. Und des Verlegers dieser Zeitung, Hans-Jörg Wilhelm, auf dessen Initiative hin vor zehn Jahren eine Aktion zur Anschaffung von rund 150 Defibrillatoren gestartet wurde. Diese Zahl wurde längst übertroffen – und noch immer reist Turba durch den Landkreis, um die rund 1700 Euro teuren Geräte zu überreichen.

Eine große Hilfe bei der Lebensrettung sind die Helfer-vor-Ort-Gruppen des DRK. Sie leisten kreisweit zwischen 200 und 300 Einsätze zusätzlich zum Rettungsdienst, bei denen Defibrillatoren zum Einsatz kommen. „Sie sind im Prinzip immer schneller vor Ort und konnten so schon manches Menschenleben retten“, sagt Turba. „Ehrlicherweise müssen wir aber auch sagen, dass nicht jeder Patient automatisch zurückgeholt wird“, sagt der 67-jährige Turba. Wenn jemand einen Herzinfarkt erlitten habe und dies nicht umgehend bemerkt werde, mache es keinen Sinn, ihn wiederzubeleben. „Insgesamt haben wir aber eine hohe Rückholquote – auch dank der Helfer vor Ort“, so Turba.

Ein großes Problem sieht der ausgebildete Rettungsassistent darin, dass viele Menschen im Augenblick höchster Not zunächst verunsichert reagierten. Wenn es schnell gehen müsse, überkomme viele die Angst. Dabei seien die Defis mit einem Sprachprogramm ausgestattet, das jeden Schritt erkläre. „Durch die Verunsicherung gehen wertvolle Sekunden verloren“, so Turba.

Abhilfe schaffen könnten Kurse, bei denen die richtige Handhabung der Defibrillatoren erklärt wird. Doch die vom DRK geplanten Schulungen fänden mangels Interessenten oft nicht statt, sagt Turba: „In den Firmen klappt das ganz gut. Noch schöner wäre aber, wenn sich alle Betreuer in den Vereinen schulen lassen.“

Daher plant Turba, in diesem Jahr wieder einen öffentlichkeitswirksamen Defi-Tag zu veranstalten. „Ich könnte mir das sehr gut in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr vorstellen“, sagt Turba, der im vergangenen Jahr, nach vielen Jahren im Rettungsdienst, in Rente ging.

Vom Nutzen der Defibrillatoren ist Turba zu 100 Prozent überzeugt. Sollte er selbst einmal nach einem Herzstillstand Hilfe benötigen, wäre er froh, es stünde schnell ein Defi zur Verfügung: „Ehrlich: Lieber werde ich damit zurück ins Leben geholt und bin ein Pflegefall, als dass mein Leben abrupt zu Ende geht.“