Heidenheim Im „Reich der Bienen“ waren bereits über 1000 Besucher

Eine Blume, betrachtet aus der Sicht einer Biene: Die „Bienoptiken“ gehören zu Jeanette Zippels Ausstellung.
Eine Blume, betrachtet aus der Sicht einer Biene: Die „Bienoptiken“ gehören zu Jeanette Zippels Ausstellung. © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Heidenheim / Joelle Reimer 11.08.2018
Die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum sahen schon über 1000 Besucher – der neue Katalog gibt einen Überblick.

Zwei Wochen dauert es, bis mit Hilfe unzähliger kleiner Sechsecke eine ein auf zwei Meter große Blume aus Kartoffeldruck und Tusche entsteht, wie sie momentan in der Ausstellung „Bienenreich“ im Heidenheimer Kunstmuseum zu sehen ist. Das Werk aus Jeanette Zippels Reihe „Bienoptik“, stellt von nahem lediglich eine farbige, abstrakte Fläche dar – erst von weiter weg betrachtet wird es als Blume erkennbar.

„Könnte man das nicht auch einfacher machen?“ Das ist eine der Fragen, die der Heidenheimer Künstlerin immer wieder gestellt werden, wenn sie durch ihre Ausstellung führt. Ein klares Nein ist dann ihre Antwort darauf. „Diese Optiken habe ich über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt und so herausgefunden, dass meine Idee mit dem Kartoffeldruck einfach am besten umzusetzen ist“, so Zippel. Was hinter den Optiken, Malereien, Zeichnungen und wabenartigen Skulpturen steckt, erfahren Kunstinteressierte nicht nur bei einer Führung, sondern auch im neuen Katalog zur Ausstellung, der in Zusammenarbeit mit der Designerin Susanne Breitfeld entstanden und im Museumsshop erhältlich ist. Beschrieben werden darin nicht nur die ausgestellten Kunstwerke, sondern auch die Ideen, die dahinter stecken: „Die Wissenschaft ist das eine, die eigenen Erfahrungen als Imkerin und die künstlerische Umsetzung das andere“, so Zippel.

So sollen ihre Werke zum einen rein ästhetisch funktionieren, aber auch all denjenigen Betrachtern Antworten liefern, die sich für die Hintergründe und Zusammensetzung der Bienenvölker interessieren. „Und das werden immer mehr – das Thema ist durch das Bienensterben leider sehr aktuell geworden“, stellt Zippel fest. „Oft werde ich bei den Führungen gefragt, wie man den Bienen helfen kann.“

Ästhetik und Wissenschaft

Zippel macht also nicht nur Kunst der Kunst willen, sondern um Menschen damit zu berühren. Und sie ist froh, ihre Werke in Heidenheim zeigen zu können – „ich bin näher an den Leuten dran, kann Führungen geben, bekomme Reaktionen mit.“ Die sind bislang sehr positiv: Pro Führung hat Zippel zwischen 40 und 80 Teilnehmer – manche seien sogar mehrmals gekommen – und seit Ausstellungsbeginn waren es über 1000 Besucher.

Bleibt noch eines zu klären: Der Bienenkasten, von dem sie vor der Eröffnung gesprochen hat – gibt es den nun? „Ja. Oben auf dem Dach des Kunstmuseums“, so Zippel. Tatsächlich war er auch schon in Benutzung: Bei einer Führung hat ein Imker die Waben herausgeholt, während Zippel den Besuchern vor dem Schutz des Glasfensters alles erklärt hat. „Eigentlich wollte ich das Bienenvolk nach der Ausstellung dem Imker geben, von dem ich das Wachs für meine Kunstwerke habe – immerhin 50 Kilogramm! Aber ich mag den Bienenstock. Ich bin gespannt, ob ich mich trennen kann“, sagt Zippel, die im Herzen eben nicht nur Künstlerin, sondern auch Imkerin ist.

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