IG Metall hungrig auf sattes Lohnplus und viel mehr

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erwin bachmann 15.02.2012
Im sich in der Metall- und Elektroindustrie anbahnenden Tarifkampf wird die Heidenheimer IG Metall mit ihren inzwischen 12 500 Mitgliedern eine starke Streitmacht stellen. Bei einer Delegiertenversammlung wurde jetzt schon mal mit dem Säbel gerasselt.

„Es geht in diesem Jahr um eine faire Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg“, erklärte Andreas Strobel gestern im Konzerthaus, und Rückmeldungen aus den Betrieben der stark exportorientierten Region zeigen dem Ersten Bevollmächtigte der örtlichen IG Metall, dass man mit der Tarifforderung auf dem richtigen Weg ist. Die meisten Firmen hätten ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit nochmals verbessert. Jetzt würden die Früchte des klugen Handelns in den Krisenjahren 2009 und 2010 geerntet – „und diese Ernte muss jetzt bei den Arbeitnehmern ankommen“.

Vor diesem Hintergrund will der Ortsvorstand der IG Metall den sich aus seiner Sicht wirtschaftlich ergebenden Forderungsrahmen voll ausgeschöpft wissen. Demnach soll es 6,5 Prozent mehr Entgelt und eine fairere Regelung der Leiharbeit geben, die nach gewerkschaftlicher Einschätzung noch nimmer in Gestalt der Lohndrückerei daher kommt. Die als pure „Kosmetik“ empfundene Minireform der Leiharbeit habe den betroffenen Menschen nichts gebracht, so Strobel, der sich dafür einsetzt, Leiharbeiter mit ihren festangestellten Kollegen gleichzusetzen und die Verleihzeiten zu begrenzen, damit feste und ordentlich bezahlte Arbeitsverhältnisse nicht auf Dauer durch Billiglöhne ersetzt werden. In dieser Frage verhandelt die IG Metall mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall: „Der könnte, wenn er zu seinen eigenen Zielen stehen würde, mit uns endlich die Leiharbeiter besser stellen, doch dazu fehlt dem Verband zur Zeit noch die Kraft und der Mut, da müssen wir Nachhilfe leisten.“

Dies gilt aus Strobels Sicht auch für die dritte in der Tarifrunde anstehende Kernforderung. Hier geht es um die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und DH-Studenten nach erfolgreicher Abschlussprüfung. Ausbildung sei eine Investition in die Zukunft, müsse sich auch bezahlt machen. Das bedeute: Die jungen Menschen sollten nach ihrer Ausbildung ihren Mann im Betrieb stehen und nicht in befristete Warteschleifen geschoben werden.

Abseits der vom tariflichen Geschehen dominierten Problematik zog Andreas Strobel eine Bilanz der nunmehr endenden Amtszeit der insgesamt 90 Delegierten, die in den kommenden Wochen von den Metall-Mitgliedern in den Betrieben neu gewählt werden. Diese zurückliegenden vier Jahre seien von der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit geprägt gewesen, die der Wirtschaftsraum Heidenheim aber relativ gut überstanden habe. Aktuell habe man massive Sorgen in Giengen, wo man im Kampf um den Erhalt des AWG-Standorts und um die Betriebsfortführung der insolventen Firma Ziegler in hohem Maße gefordert sei.