Heidenheim Warnstreik: Die HVG-Busse bleiben am Dienstag stehen

Alles Warten bringt nichts: Heute fahren keine HVG-Busse.
Alles Warten bringt nichts: Heute fahren keine HVG-Busse. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Michael Brendel 11.02.2019
Die Gewerkschaft Verdi hat das Fahrpersonal der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft aufgerufen, am Dienstag die Arbeit niederzulegen. Betroffen sind auch große Teile des Schülerverkehrs.

Herrschte am Montagmorgen an der ZOH die übliche Betriebsamkeit zum Wochenstart, so dürfte sich an der Drehscheibe des Stadtbusverkehrs am Dienstag ein anderes Bild bieten: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Fahrer der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft (HVG) zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind laut Maria Winkler, Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Ostwürttemberg-Ulm, sämtliche Verbindungen der HVG im Stadtgebiet sowie die Richtung Giengen, Nattheim, Neresheim und Gerstetten.

„Das stimmt“, bestätigte auf Nachfrage HVG-Betriebsleiter Daniel Walther, „es fährt kein einziger Bus.“ Gleiches gilt auch für die Verbindungen, die Subunternehmen – namentlich RBS, Grüninger, Grötzinger, Ostertag und Rupp – im Auftrag der HVG abdecken.

Obwohl nach Auskunft des Heidenheimer Tarifverbunds, unter dessen Dach mehrere ÖPNV-Unternehmen zusammengeschlossen sind, RBS, Grüninger und Rupp ihre eigenen Linien auch am Dienstag bedienen, ist im öffentlichen Nahverkehr mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen. Daran dürfte eine am Sonntag veröffentlichte Mitteilung von Verdi wenig ändern.

Alternativen gefragt

Berufspendler sahen sich seither ebenso wie Schüler vor die Frage gestellt, wie sie am Dienstag ihr Ziel erreichen. Naheliegend, dass das, zumal angesichts des Wetters, nicht in jedem Fall zu Fuß oder mit dem Fahrrad möglich ist. Gleiches gilt für Fahrgemeinschaften und die Möglichkeit, sich von den Eltern chauffieren zu lassen.

Insbesondere Schüler werden daher auf die Nachsicht der Lehrer angewiesen sein, sollten sie es nicht planmäßig oder sogar überhaupt nicht zum Unterricht schaffen. Grundsätzlich bestehe nämlich Schulpflicht, sagte Ingeborg Fiedler, die geschäftsführende Schulleiterin der Heidenheimer Gymnasien. Gleichzeitig könne die unerwartete Situation aber beispielsweise bei Haushalten, in denen die Eltern schichten, zu erheblichen Problemen führen.

„Wir haben es mit so etwas wie höherer Gewalt zu tun und werden im Einzelfall zu prüfen haben, wie wir mit einer Entschuldigung umgehen“, so Fiedler. Vorsichtshalber schrieb sie am Montagmorgen sofort die Elternbeiratsvorsitzende des Schiller-Gymnasiums und ihre Kollegen an den anderen Gymnasien an, nachdem sie von der Warnstreikankündigung erfahren hatte. Außerdem ging es im Gespräch mit den Lehrkräften im eigenen Haus beispielsweise um die Frage, wie mit Nachschreibeterminen bei verpassten Klausuren verfahren werden soll. Kurz nach Halbjahresbeginn ist für Dienstag am SG nur eine einzige anberaumt.

Krisenmanagement ist auch bei der HVG gefragt. „Wir sind von dem Verdi-Aufruf zwar kalt erwischt worden“, sagte Betriebsleiter Walther. Allerdings nicht gänzlich unvorbereitet, „denn nachdem es bereits in anderen Betrieben Warnstreiks gegeben hatte, war damit zu rechnen, dass auch wir mal dran sind“. Um frühzeitig auf die anstehenden Ausfälle hinzuweisen, setzte sich die HVG mit den Schulen in Verbindung. Außerdem informierte sie mit einer Laufschrift auf ihrer Homepage potenzielle Fahrgäste. Die HVG verfügt aktuell über 58 Busse und rund 80 Fahrer.

Tarifstreit hält an

Hintergrund des Warnstreiks ist der Tarifstreit zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband Württembergisches Omnibusgewerbe (WBO). Im Zuge dessen haben seit Ende Januar bereits Beschäftigte in Göppingen, Geislingen, Tübingen, Schorndorf, Waiblingen, Backnang, Reutlingen, Heilbronn, Schwäbisch Hall, Ellwangen, Ludwigsburg und Böblingen jeweils für einen Tag die Arbeit niedergelegt.

In bislang zwei Verhandlungsrunden konnte kein Ergebnis für die 9000 Beschäftigten des privaten Omnibusgewerbes erzielt werden. Im Raum steht derzeit eine Erhöhung der Bezüge um 5,8 Prozent. Allerdings fordert Verdi eine Laufzeit von zwölf Monaten, während die Arbeitgeber diese Marke in drei Stufen innerhalb von drei Jahren erreichen wollen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den kommenden Montag anberaumt.

Bis dahin soll Winkler zufolge „Druck auf die Straße gebracht“ und verdeutlicht werden, dass das auf dem Tisch liegende Angebot aus Sicht der Gewerkschaft nicht ausreicht. Die Fahrer leisteten hervorragende Arbeit unter oftmals widrigen Bedingungen. Deshalb sei es „unerträglich, dass Fahrer 200 Stunden und mehr im Monat arbeiten müssen, damit das Einkommen für die Familie reicht“. Winkler geht davon aus, dass die meisten der HVG-Fahrer am Dienstag in den Ausstand treten, nachdem schon die erste Warnstreikwelle von einer großen Teilnahmebereitschaft geprägt gewesen sei. Nach einer kurzen Kundgebung, die um 7.30 Uhr vor dem HVG-Betriebshof beginnt, ziehen die Beteiligten zu ihrem Streiklokal, dem Haus der Gewerkschaften.

Aktuelle Infos zum Warnstreik unter www.hvg-bus.de

Kein Geld zurück

Werden Fahrgäste entschädigt, die zwar eine Monatskarte, eine Monats-Abo-Karte, eine Seniorenkarte oder einen Schwerbehindertenausweis mit Freifahrtbescheinigung besitzen, sie wegen des Warnstreiks aber nicht nutzen können? Nein! In diesem Fall greift die Mobilitätsgarantie des Heidenheimer Tarifverbunds nicht. Denn: „Die Erstattung ist ausgeschlossen, wenn der Fahrtausfall nicht auf das Verschulden eines der im HTV kooperierenden Verkehrsunternehmen zurückgeht. Insbesondere begründen Unwetter, Bombendrohungen, Streik, Suizid und Eingriffe Dritter in den Eisenbahn- und Busverkehr keinen Anspruch auf Leistungen.“

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