Heidenheim Warnstreik: Hunderte Textiler fordern Tariferhöhung

Heidenheim / Andreas Uitz 06.02.2019
Mehr als 600 Beschäftigte aus der Textilindustrie demonstrierten am Mittwoch bei Hartmann in Heidenheim, um die Tarifverhandlungen der IG Metall für ihrer Branche zu unterstützen.

Nachdem die zweite Runde bei den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der Textilbranche aus Sicht der IG Metall mit einem nicht zufriedenstellenden Angebot der Arbeitgeber zu Ende ging, hat die Gewerkschaft am Mittwoch zu einem Warnstreik aufgerufen. Diesem folgten Gewerkschaftsangaben zufolge mehr als 600 Beschäftigte, die in zahlreichen Betrieben im ganzen Kreis die Arbeit niederlegten und zur zentralen Kundgebung an der Paul-Hartmann-Straße kamen.

Mitarbeiter von Ziegler, Steiff und den Filzfabriken in Giengen, kamen ebenso zu der Veranstaltung wie von Carl Stahl und Rathgeber in Herbrechtingen sowie Gertex und anderen Betrieben von der Alb. Allen voran natürlich demonstrierten auch Beschäftigte der Paul Hartmann AG, um die Forderung der IG Metall nach einer Tariferhöhung um 5,5 Prozent Nachdruck zu verleihen.

Beschäftigte wollen 5,5 Prozent

„Diese Forderung ist mehr als gerecht, und die Erfahrung zeigt, dass wir freiwillig nichts bekommen“, so Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall. Deshalb müssten die Beschäftigten eben mehr Geld einfordern. Die Arbeitgeberseite habe eine Erhöhung um 1,7 Prozent angeboten und gesagt, die Party sei vorbei. Diese Aussage nannte Willeck einen „dicken Hund.“ Bei der Diskussion, so der Gewerkschafter, werde immer vergessen, wer das Geld verdient: „Das ist kein Vorstand und das sind keine Aktionäre. Die Mitarbeiter schaffen die Werte und die Produkte“, rief Willeck den Warnstreikenden zu.

Es sei in Ordnung, wenn die Vorstände ihr Gehalt hätten oder die Aktionäre ihre Dividende, „aber dann ist es nur fair, wenn auch die Beschäftigten ihren Anteil erhalten.“ 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt seien dabei nicht zu viel wenn man die durchschnittlichen Erhöhungen bei den Ausschüttungen an die Aktionäre betrachte.

Auf Arbeitgeberseite säßen Manager mit Millionen-Gehältern in der Verhandlungskommission, „die Wasser predigen und Wein saufen“, sagte Willeck. Die einfachen Beschäftigten jedoch seien auf das Geld angewiesen, das sie verdienten, sie könnten nicht von ihren Aktienpaketen leben. „Alles wird teurer, also muss auch unsere Arbeit teurer werden“, so der Metaller. Die Beschäftigten verkauften ihre Ware genauso wie die Unternehmen, „aber unsere Ware ist eben unsere Arbeitskraft.“

Verärgert über Hartmann

Verärgert zeigte sich Willeck über ein internes Schreiben der Hartmann-Geschäftsleitung an die Mitarbeiter. In diesem sei von der Teilnahme an Warnstreiks abgeraten worden. Außerdem habe die Geschäftsleitung Unverständnis darüber geäußert, dass gerade vor der Hartmann-Konzernzentrale gestreikt werde, und das, obwohl die Zusammenarbeit mit der IG Metall in der Vergangenheit sehr konstruktiv gewesen sei.

Dieses Verhalten wurde auch von der Hartmann-Betriebsratsvorsitzenden Birgit Herm-Grimm kritisiert. „Wenn wir streiken, dann streiken wir vor einer Firma und nicht im Wald, und nicht am Sonntag, sondern während der Arbeitszeit“, betonte Willeck. Grundsätzlich streikten die Beschäftigten ohnehin nicht gegen eine Firma sondern für das, was ihnen zustehe. „Das ist unser gutes Recht, und das lassen wir uns nicht nehmen.“

Der DGB-Kreisvorsitzende Hans-Jörg Napravnik, der auch Mitglied der Verhandlungskommission ist, berichtete aus den seiner Ansicht nach schwierigen Verhandlungen und sagte, die Arbeitgeber hätten keine Ahnung von den Arbeitsbedingungen in der Textilbranche. Hier lägen die Einkommen im unteren Drittel der Einkommensskala in der Bundesrepublik.

Auch für Textilbranche verantwortlich

Für die Arbeitnehmer in der Textilbranche verhandelt die IG Metall. Zu der gehören nämlich auch die Textil- und die Elektroindustrie.

Im Landkreis Heidenheim sind rund 3000 Mitarbeiter in der Textilbranche beschäftigt, neben Hartmann und Ziegler auch viele in kleineren Betrieben.Die nächste Verhandlungsrunde für die Textilindustrie findet am 12. Februar statt.

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