Heidenheim Hülben: Wertvolle Oasen mitten im Wald

Heidenheim / Günter Trittner 07.09.2018
Im Landkreis kennt man rund 440 dieser Kleingewässer. Die von Menschenhand ausgehobenen Teiche waren früher wichtig für die Wasserversorgung der Tiere. Heute sind sie wertvolle Biotope.

Sie sind so typisch für die Schwäbische Alb wie die Wacholderheide, die Silberdistel, die Buche oder die Karsthöhlen: die Hülben. Rund 440 finden sich im Landkreis Heidenheim, zumeist im Wald.

Die meisten wurden von Menschenhand angelegt in Zeiten, in denen es in der alles Regenwasser verschluckenden Karstregion noch keine geregelte Wasserversorgung gab. Eine solche wird erst ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts aufgebaut. Bis dahin dienten Hülben als Viehtränken, als Löschteich, als Flachsrotte und notfalls sogar als Kochwasser.

Ausgehoben wurden sie zumeist da, wo lehmiger Untergrund das Versickern des Wassers verhinderte. Besonders im nördlichen Landkreis, wo Feuersteinlehm den Karst überdeckt, finden sich viele Hülben. Heute, beraubt ihres eigentlichen Nutzwertes sind die Hülben für Karin Wüllner vor allem und im besonderen „kleine, wertvolle Oasen“.

Auf alten Karten dokumentiert

Die diplomierte Landschaftsökologin, welche seit 2014 im Landkreis die Geschäfte des Landschaftserhaltungsverbands leitet, geht nicht nur in der Natur gern auf Spurensuche, sie hat auch in den alten Katastern, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt worden waren, nach den dort aufgenommenen Wasserstellen geschaut.

So zeigt eine Karte aus dem Jahr 1827 auf dem Zanger Feld den Kerbenhof mit drei Hülben. Übrig geblieben ist nur noch die heutige Kerbenhofhülbe. Verschwunden sind die Hülben zumeist in der offenen Landschaft und bei den Ortschaften. Sie standen landwirtschaftlichen oder baulichen Erweiterungen im Weg.

„Hülbe“ ist heute auch ein Sammelbegriff für andere Kleingewässer. So stellt sich für Wüllner die sogenannte Hülbe bei Irrmansweiler eigentlich als eine Doline dar, ein Karsttrichter, der natürlich mit Ton abgedichtet ist. Solche Dolinen hatten denn auch bei der Besiedlung der Alb im achten Jahrhundert nach Christus das Muster abgegeben, nach dem die Menschen die Hülben formten.

Artverwandt zur Hülbe sind auch die mit Wasser gefüllten Tongruben, wie man sie zwischen Steinheim und Heidenheim im Raubuch findet. Auf Bohnerzgruben, die in Folge des in der frühen Neuzeit beginnenden Bergbaus entstanden sind, stößt man bei Nattheim und Oggenhausen. Nicht zuletzt summiert man auch die früheren Eisweiher der Bierbrauer unter den Hülben.

In den alten Karten lassen sich für die Hülben auch noch weitere Namen wie Wette oder Lache finden. Doch egal welcher Name und welchen Genese, von Forst und Naturschutz werden alle diese Gewässer gleichermaßen gepflegt.

Auch wenn der Begriff Hülben-Programm als solcher sich nicht in den Akten findet, jährlich werden im Landkreis etwa 30 000 Euro dafür aufgewandt. Mit diesen Fördermitteln des Landes können rund 20 Hülben in ihren Bestand gesichert werden.

30 000 Euro für die Pflege

Dies heißt, die Hülben werden von beauftragten Lohnunternehmen entschlammt und sie werden von Gesträuch und Hölzern wieder freigestellt. „Hülben brauchen Licht“, sagt Wüllner und auch die an ihnen heimische gewordenen Pflanzen- und Tierarten.

Bereits zur Mitte des 20. Jahrhunderts, so Wüllner, sei die ökologische Bedeutung der Hülben erkannt worden. Die Fachfrau, die aus dem Sauerland auf die Ostalb gekommen ist, weiß, dass in der Region bereits während des Baus der A 7 Hülben als Ausgleich für den Eingriff in die Natur saniert worden sind. Einen Generalplan für deren Pflege gebe es aber nicht. „Es melden sich die Revierleiter vor Ort, wenn ein Eingriff nötig erscheint.“ Um Hülben vor der Verbuschung zu schützen, lasse man einige auch von Ziegen und Schafen beweiden, wie zum Beispiel die große Falchenseehülbe bei Ochsenberg.

Heimat für Flora und Faun

Die Hülben als Feuchtgebiete auf der trockenen Alb sind zur Heimat vieler Wasserpflanzen geworden. Typisch seien Seggen, Binsen, Schwimmendes Laichkraut, Flutender Schwaden, Igelkolben, Froschlöffel, Wasserstern und Wasserlinse. Besonders und selten: Fieberklee, Sumpfblutauge, Wasserschlauch, Quirlblättriges Tausendblatt, Wollgras, Torfmoose und Schwingrasen. Wo sich saurer Feuersteinlehm findet, können sich die Hülben sogar zuin „Mini-Mooren“ verwandelt haben.

Grasfrosch, Bergmolch, Teichmolch und Erdkröten hätten an den Hülben Quartier bezogen und Libellen flögen sie an. „Man hat an ,guten' Hülben schon 15 verschiedene Arten gezählt“, weiß Wüllner. Als da wären Moor-Arten wie Speer-Azurjungfer und Torf-Mosaik-Jungfer oder andere wie Binsenjungfer, Hufeisen- und Becherazurjungfer und Plattbauch.

„Was uns wichtig ist“, sagt Wüllner als Vertreterin des Landschaftserhaltungsverbands, „ist, dass die Hülben in Ruhe gelassen werden.“ Die kleinen, wertvollen Oasen seien Orte der Erholung, aber nicht des Umtriebs. „Und bitte schon gar keine Fische oder Pflanzen einsetzen.“

Kernaufgabe des LEV ist die Erhaltung der Kulturlandschaften

Landschaftserhaltungsverbände sind gemeinnützige, eingetragene Vereine, die auf Landkreisebene gebildet werden. Interessenvertreter aus Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunen arbeiten in dem Verband gleichberechtigt zusammen und entwickeln gemeinsam tragfähige Lösungen für Natur und Landschaft.

Die Kernaufgabe der LEV in Baden-Württemberg ist die Erhaltung und Weiterentwicklung von Kulturlandschaften, die eine besondere Rolle für die biologische Vielfalt, die Offenhaltung und das Landschaftsbild spielen. Im Landkreis Heidenheim zählen hierzu insbesondere die für die Region typischen Heiden und Magerrasen, aber auch die blütenbunten Mähwiesen, die stark im Rückgang begriffen sind. Zum Erhalt der wertvollen Flächen werden mit Landwirten und Schäfern Bewirtschaftungsverträge abgeschlossen.

Zusätzlich wickelt die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt gemeinsam mit dem Landschaftserhaltungsverband jährlich ein umfangreiches Landschaftspflegeprogramm ab. Typische Pflegemaßnahmen sind unter anderem die Beseitigung von Gehölzaufwuchs auf Weideflächen sowie die Pflege und Neuschaffung von Biotopen.

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