Sport Heidenheimer Sportbund will einen Profi-Geschäftsführer einsetzten

Heidenheim / Hendrik Rupp 14.11.2017
Im Januar sollen auch die Mitglieder einer Satzungsänderung zustimmen. Vorstände wollen Fechterzentrum-Chef Jochen Kassel als ersten hauptamtlichen Geschäftsführer.

Entwickelt hat sich die Idee über Jahrzehnte, umgesetzt wird sie nun wahrscheinlich schneller: Auf der Hauptversammlung Ende Juni hatte HSB-Vorsitzender Dr. Volker Wiedenmann den Schritt zu einer hauptamtlichen Geschäftsführung angekündigt, und seither wurde gearbeitet: Eine geänderte Satzung liegt bereits aus, es gab eine Klausurtagung im September, ein Finanzkonzept ist entwickelt, das Vorhaben im Sport- und Finanzbeirat vorgestellt, selbst die Personalie scheint geklärt, und eigentlich sollte in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. November ein Knopf an die Sache.

Nun wird es Januar werden, was laut Wiedenmann aber kein Zeichen inhaltlichen Zweifels ist: „Sowohl mir als auch unserem Finanzvorstand kamen andere Termine dazwischen“, so Wiedenmann. In die übervolle Vorweihnachtszeit wollte man nicht noch einen Termin pressen, und so wird es nun wohl Januar werden. „Immerhin können wir das nutzen, um auch Anregungen von Mitgliedern in die Satzung aufnehmen“, so Wiedenmann.

Kritik am eigentlichen Schritt hat der HSB-Vorsitzende noch nicht vernommen – und er selbst hält einen hauptamtlichen Geschäftsführer für unausweichlich. „Wir werden der Bürokratie nicht mehr Herr“, so Wiedenmann – und der Berg an Aufgaben wachse immer weiter: Ab Mai 2018 werden auch Sportvereine mit den neuen europäischen Datenschutzbestimmungen zu tun haben. In Firmen werden schon dafür Vollstellen geschaffen.

Wer soll der erste hauptamtliche Geschäftsführer werden? Im Vorstand ist die Wahl getroffen: Bestellt werden soll Jochen Kassel, Geschäftsführer im Fechtzentrum. „Mit Jochen Kassel kommt unglaublich viel Wissen aus dem Fechtzentrum in den Hauptverein“, so Wiedenmann. Und weil der neue HSB-Geschäftsführer sich auch um den Spitzensport kümmern soll, bliebe Kassel auch dem Fechtzentrum erhalten. das bedeutet auch, dass sein jetziger Arbeitgeber, also das Fechtzentrum bzw. die Hellenstein Sportmarketing GmbH, weiter für rund ein Drittel seines Gehalts aufkäme – zwei Drittel würde der HSB zahlen.

Beiträge sollen moderat steigen

„Klar, der Schritt kostet Geld“, so Wiedenmann – und dafür will man im kommenden Januar auf der Hauptversammlung auch gleich die Beiträge anpassen. Wiedenmann beruhigt aber: Erstens benötige man von jedem der rund 4300 Mitglieder durchschnittlich nur acht Euro mehr im Jahr, um den Geschäftsführer zu bezahlen, und zweitens wolle man die Beiträge staffeln und anpassen: Vor allem Junge Mitglieder bzw. Familien sollten weniger belastet werden.

Jochen Kassels Berufung würde auch einen Umbau des Vorstands bedeuten. Kassels Ehefrau Sabine, aktuell im HSB-Vorstand für die Verwaltung zuständig, würde aus dem Amt ausscheiden – nicht nur wegen zu viel Familienbande an der Vereinsspitze, sondern auch, weil ihr Amt ebenso zu den Aufgaben des Geschäftsführers zählen würde wie das des Sport-Vorstands. Der Geschäftsführer seinerseits wird den Verein auch rechtlich vertreten dürfen und den Status eines Vorstands haben. Da er ein Arbeitsverhältnis hat, soll der Geschäftsführer nicht direkt von den Mitgliedern gewählt, sondern von den übrigen Vorständen bestellt (oder abberufen) werden. Ändern will der HSB auch die Satzung, die theoretisch bis zu zwölf Vorstände ermöglicht – die jetzigen sechs Köpfe sollen als Maximum festgeschrieben werden.

Geschäftsführer ab Februar?

Stimmt die Hauptversammlung zu, wird es im kommenden Januar ziemlich rasch gehen: „Jochen Kassel hat ja bei den Fechtertagen noch mehr als genug zu tun, aber ab dem 1. Februar würde er dann als Geschäftsführer starten“, so Wiedenmann. Bald 172 Jahre nach der Gründung wäre dann auch im HSB die Zeit der rein ehrenamtlichen Spitze vorbei – ein Schritt, den die meisten Vereine ähnlicher Größe schon lange gegangen sind.

HSB-Vorsitz: Macht Volker Wiedenmann weiter?

Seit 15 Jahren steht Dr. Volker Wiedenmann an der Spitze des größten Sportvereins der Gegend – und hält das für genug: Zur Hauptversammlung im kommenden Sommer will er sich zurückziehen, so hatte er es lange angekündigt.

Mit der neuen Struktur des HSB könnte sich das aber vielleicht noch ändern: Wenn ein hauptamtlicher Geschäftsführer viel Arbeit übernimmt, sähe die Position des Vorstandsvorsitzenden wieder deutlich mehr nach Ehrenamt aus.

Vielleicht macht Wiedenmann also doch noch weiter: „Wenn der Verein es braucht, könnte ich noch zwei Jahre weitermachen“, sagt Wiedenmann. Vor allem dann, wenn sich kein Nachfolger für den 47-jährigen Rechtsanwalt finden lässt.