Heidenheim Die Brenzbahn wird gelb – aber auch besser?

Die extra für die Brenzbahn wieder in Betrieb genommenen Triebwagen der Baureihe 644 werden zum Fahrplanwechsel 2019 wieder verschwinden. Der neue Betreiber, die Hohenzollerische Landesbahn fährt dann die neuen bestellten Triebwagen der Marke „Lint“.
Die extra für die Brenzbahn wieder in Betrieb genommenen Triebwagen der Baureihe 644 werden zum Fahrplanwechsel 2019 wieder verschwinden. Der neue Betreiber, die Hohenzollerische Landesbahn fährt dann die neuen bestellten Triebwagen der Marke „Lint“. © Foto: Uwe Siedentop
Heidenheim / Uwe Siedentop 27.04.2018
Bei der jüngsten Fahrplankonferenz ging es um die Probleme auf der Brenzbahn ebenso wie um den Wechsel auf dem Gleis: Die neuen Betreiber stellten sich dem Gremium vor.

Verspätungen und der sehr schlechte Fahrbetrieb auf Rems- und Brenzbahn prägte die Fahrplankonferenz des Frühjahres 2018. Ebenso zeichnet sich langsam der Übergang von DB Regio auf die Auschreibungsgewinner Hohenzollerische Landesbahn (HzL) und Go-Ahead ab. Beide sollen ab Mitte 2019 ein Gutteil der Verbindungen zwischen Stuttgart und Aalen (Go-Ahead) und zwischen Ulm und Aalen (HzL) übernehmen – für das Land günstiger und mit zugesagt mehr Verbindungen und Zügen. Auf der Brenzbahn wird dann nur noch der IRE zwischen Ulm und Aalen von einer Bahn-Tochter betrieben werden.

Im Auftrag der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg hatte die IHK Ostwürttemberg Kommunen, Firmen und die Fahrunternehmen eingeladen. Nach kurzer Begrüßung übergab Alexander Paluch, zuständig für Verkehrsfragen bei der IHK, die Leitung der Konferenz an Martin Hilger von der NVBW (Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg) aus Stuttgart.

Klagen auch von Voith

Wie bereits zur Herbstkonferenz 2017 waren auch diesmal Vertreter der Firma Voith zu Gast. Silke Burrmeister und Jürgen Ganzenmüller erläuterten mit einer Präsentation ihre Sicht auf den momentanen schlechten Fahrbetrieb auf der Brenzbahn. Die Eingleisigkeit und die Zugdichte seien überdeutlich zu bemerken. Der Vortrag wurde allgemein sehr begrüßt und es erging die Aufforderung an andere Firmen, sich hier ebenfalls einzubringen. Nur so kann der Bedeutung der Brenzbahn Glaubwürdigkeit geben werden.

Martin Hilger betonte nochmals die momentan Umstrukturierung des Fahrbetrieb der Rems- und Brenzbahn der sich in der letzten Phase befinde. Die bereits 2014 durch die Baden-Württembergische Regierung begonnenen Ausschreibungen zeigen kurz vor der Umstellung im Juli 2019 ihre Auswirkungen. Das bisher fahrende Unternehmen scheine nicht mehr verlässlich, die neuen Betreiber, die Hohenzollerische Landesbahn udn die englische Go-Ahead, dürfen aber erst ab 2019 fahren.

Ein großes Thema waren die zukünftigen RE-Fahrzeuge auf der Rems- und Brenzbahn. Martin Hilger versicherte, dass die im Juli 2019 kommenden 48 neuen Fahrzeuge „Flirt 3 XL“ (elektrisch) und zehn Fahrzeuge „Lint 54“ (Diesel) direkt vom Hersteller kommen und Ausfälle nicht erwartet werden. Sie seien bereits an anderer Stelle im Einsatz und somit seien Kinderkrankheiten nicht mehr zu befürchten. Auch würden die Mitarbeiter der beiden Firmen bereits geschult, so dass fehlende Streckenkenntnisse kein Thema seien. Dominik Passoth (Go-Ahead) warnte aber: „Die Umstellung wird nicht ohne Komplikationen abgehen“. Dazu habe er schon zu viele Umstellungen miterlebt.

Die Fahrzeuge der schnellen IRE-Strecken Ulm–Basel und Aalen–Ulm werden momentan auf die überarbeiteten Triebwagen VT 612 umgestellt. Schon heute fahren die weiß/gelben Fahrzeuge ab und zu auf der Brenzbahn bis Aalen und zurück. Ab 1. Mai 2018 werden nur noch diese Triebwagen der IRE-Verkehr bestreiten.

Sehr deutlich kam der schlechte Betrieb auf der Brenzbahn und den dazugehörigen Busfahrten bei Schienenersatzverkehr zur Sprache. Alle anwesenden Bus- und Bahnunternehmen beklagten das fehlende orts- und sprachkundige Personal, das bereits aus der Not heraus aus dem europäischen Ausland angefordert werden musste. Durch mangelnde Zeit und Einarbeitung kam es demnach zu vielen Störungen im Betrieb.

Kaum Fahrplan-Veränderungen

Zu den Befürchtungen, dass mit der Umstellung des Fahrbetriebes im Juli 2019 auch der Fahrplan Veränderungen unterworfen werden muss, konnte Entwarnung gegeben werden: Der Fahrplan auf Rems- und Brenzbahn bleibt bis auf kleinere Verschiebungen weitestgehend unverändert. Auf der Brenzbahn wird schon im Dezember zum Fahrplanwechsel nach dem geänderten Fahrplan gefahren. Wichtigste Neuerung ist die Knotenzeit in Heidenheim. Auf die volle Stunde, zur Minute 00, werden sich die Regionalexpresszüge (RE) im Bahnhof Heidenheim begegnen.

Auch 2018 werden Baustellen den Betrieb beeinträchtigen: Vor allem die Elektrifizierung der Südbahn Ulm–Friedrichshafen (–Lindau) ist hier zu nennen. Aber auch die Brenzbahn wird nicht verschont bleiben. Im August und September wird durch Schwellenwechsel zwischen Giengen und Heidenheim bzw. Königsbronn der Schienenersatzverkehr den Personentransport beherrschen. Und auch die Remsbahn wird wegen Bauarbeiten vom 25. August bis 16. September gesperrt sein.

Neue Bahnbetreiber richten in der Region eigenen Büros und Schalter ein

Als neue Betreiber auf der Brenz- und Remsbahn stehen die Honzenzollerische Landesbahn (HzL) und Go-Ahead fest. Und beide beteiligten sich auch erstmals an der Fahrplankonferenz.

Seitens Go-Ahead erläuterte Betriebs- und Verkehrsplaner Dominik Passoth, dass Go-Ahead aus England kommt und seit 2014 in Deutschland tätig ist. 2016 und 2017 hat sie zwei Zuschläge erhalten, darunter die Remsbahn von Stuttgart über Aalen und weiter auf der Jagstbahn nach Crailsheim. Go-Ahead wird in Aalen in unmittelbarer Bahnhofsnähe einen Schalter einrichten.

Die Hohenzollerische Landesbahn, kurz HzL, ist in Baden-Württemberg kein unbekanntes Unternehmen. Sie gehört zu 100 Prozent dem Land Baden-Württemberg und betreibt seit langem die hohenzollerischen Strecken um Sigmaringen. „Sie befährt einige Strecken, die sie auch nach Ulm und an den Bodensee bringen“, erläutert Betriebs- und Verkehrsplaner Michael Sauer. Auch die HzL will Kundennähe zeigen und richtet unmittelbar neben dem Bahnhof Heidenheim ein Büro ein.