Heidenheim Café Melange in der Hinteren Gasse schließt

Heidenheim / Manuela Wolf 19.06.2018
In Heidenheims Gastronomie und Einzelhandel ist vor allem der Wandel beständig. Unter anderem schließt das Traditionscafé „Melange“, aber es gibt auch Neues.

Mittagszeit in der Innenstadt, Riesengewusel zwischen Schloss-Arkaden und Jaekle-Platz. Am nördlichen Ende der Fußgängerzone sitzen Menschen mit Heißgetränk und Gebäck im Straßencafé. Vor dem Blumenladen nebenan lässt es eine afrikanische Combo krachen. Hochbetrieb auch in der Bank, im Bücherladen, beim Optiker, im Obsthaus, im Drogeriemarkt und bei den Pizza-Schnitten. Man muss kein Experte für Einzelhandel sein um zu sehen: Hier ist was los, hier fällt auch Kundschaft für die kleineren Läden ab. Was für ein trostloser Anblick dagegen in der Hinteren Gasse! Soweit das Auge reicht: keine Menschenseele. Minutenlang kann man stehen und die Straße hinauf, die Straße hinunter schauen. Alles ruhig.

Käsespezialitäten auch in Ulm

„Beim Rosenmarkt treten sich bei uns die Leite gegenseitig auf die Füße. Ansonsten ist eher wenig los, uns fehlt hier hinten einfach ein Publikumsmagnet“, sagt Verkäuferin Sabine Belowitzer von „Käse & Mohr“. Vor anderthalb Jahren wurde das Fachgeschäft eröffnet. Das Angebot ist riesig und nicht alltäglich. Zu den Lieferanten gehören hauptsächlich kleine Betriebe aus dem Allgäu, aus Italien und Frankreich. Unermüdlich hat Inhaber Gerhard Illenberger die Produktpalette erweitert. Es gibt auch Holzofenbrot. Salami und Maultaschen und Fisch, ebenso Käseseminare und Genießer-Abende.

Wie lange kann man sich das leisten, wie lange macht man weiter? Von Aufgeben ist nicht die Rede in Haus Nummer56. Allerdings ist „Käse & Mohr“ seit kurzem auch in der neuen Ulmer Markthalle vertreten. Dort, und nur dort, werden neue Mitarbeiter gesucht, während die Heidenheimer Filiale ihre Öffnungszeiten verkürzt hat. Ein schlechtes Zeichen?

Wenn die Geschichte so endet wie im Melange, lässt sich diese Frage eindeutig mit Ja beantworten. Erst vor drei Jahren hat Pierre Karanatsios das im Jahr 1982 eröffnete Traditionscafé von Susanne Teichert übernommen, nun informiert ein schlichter Zettel am Fenster über die bevorstehende Schließung.

Vom Melange ins Schlössle

Der gebürtige Giengener und Karin Krywald bewirten inzwischen die Gäste im Schlössle Staufen. Dort sehen sie vielerlei Ausbaumöglichkeiten beispielsweise im Hinblick auf die Außenbestuhlung. Karin Krywald: „Außerdem wäre es zu viel geworden, Schlössle und Melange parallel zu betreiben. Wir hören am 30. Juni auf.“ Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude steht zum Verkauf. Dass der Italiener direkt neben dem Bürgerhaus schon vor einer Weile dicht gemacht hat, verwundert eine Mitarbeiterin der Buchhandlung Konold nicht. Man habe im Laufe der Jahre schon viele Einzelhändler und Gastronomen kommen und leider auch wieder gehen sehen.

© Foto: Sabrina Balzer

Diese Unbeständigkeit sei schlecht für alle Beteiligten. Nur selten kämen noch Kunden in diese wunderschöne Gasse, um Neues zu entdecken, und so könne auch niemand Neues entdeckt werden. Alteingesessene profitieren von Stammkundschaft und einer gewissen Bekanntheit, „alle anderen haben es sehr schwer.“ Ihr Lösungsansatz: Gegenpol zu den Schloss-Arkaden und günstige Parkmöglichkeiten schaffen, Fußgänger-Frequenz erhöhen.

Dort, wo die Hintere Gasse auf Höhe der Schloss-Apotheke wieder in die Hauptstraße mündet, hat sich ein solcher „Frequenzbringer“ niedergelassen. Möglicherweise. Das „Sapori“ war über zehn Jahre in der nahen Schwanengasse angesiedelt. Weil der Mietvertrag bald ausgelaufen wäre, ist das italienische Café nun in das Gebäude gegenüber der Schlossapotheke umgezogen.

Chefin Vinzenza Di Lauro steht in Verhandlungen mit der Stadt Heidenheim. Sie würde die Außenbestuhlung gerne um vier Tische erweitern, aber ein Mülleimer blockiert die Fläche. Nun muss geklärt werden, ob man ihn versetzen kann und wer für die Kosten aufkommen muss. Natürlich weiß Chefin Di Lauro um die Probleme, mit denen sie in dieser Ecke Heidenheims zu kämpfen haben wird. „Wir versuchen es trotzdem“, sagt sie und lacht. „Eine Neueröffnung ist wie Lotto spielen. Man weiß nie, welche Zahlen am Ende dabei rauskommen.“

„Das Sapori ist das Beste, was uns passieren kann“, findet Dr.Christian Gubitz von der Schloss-Apotheke. Er hofft auf ein bisschen Belebung, auf Passanten, die einen Zwischenstopp einlegen, um in der Sonne Espresso zu trinken. Ohnehin sei alles besser als Leerstand. Trotzdem werde sich der Lauf der Dinge nicht mehr aufhalten lassen. Anders als seine Nachbarn glaubt er nämlich nicht, dass es noch Rettung gibt für die südliche Hauptstraße und die Hintere Gasse. Gubitz: „Die Stadt kann da gar nichts machen. Das Konsumverhalten der Menschen hat sich stark verändert. Jeder Kauf im Internet schadet den Händlern vor Ort. Uns bleiben auf lange Sicht nur Dinge außer der Reihe, die kosten- und zeitintensiv sind.“

Privathaus als Diskussionsort

Schon mal was von „Connect“ gehört? Die missionale Jüngerschaftsbewegung „investiert in junge Menschen und befähigt sie zu einem Leben mit Gott.“ Auch in Heidenheim gibt es eine aktive Gruppe, allerdings fehlt es an einem geeigneten Treffpunkt.

Ulrich Herter, Jugendreferent der hiesigen evangelischen Brückengemeinde, stellt deshalb regelmäßig seine Privatwohnung in der Hinteren Gasse zur Verfügung. Im Haus mit der Nummer 10 wird stundenlang diskutiert und auch ab und an auch mal eine ganze Nacht lang gebetet.

Das Programm findet sich unter www.connect-hdh.com.

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