Heidenheim Unterstützung aus Heidenheim für südamerikanische Kinder

Das Kinderwerk ermöglicht vielen Jungen und Mädchen ein tägliches Frühstück.
Das Kinderwerk ermöglicht vielen Jungen und Mädchen ein tägliches Frühstück. © Foto: Foto: Archiv
Heidenheim / Michael Brendel 07.09.2018
Vor 50 Jahren in Heidenheim gegründet, finanziert das Kinderwerk Lima mittlerweile viele Projekte in Peru, Paraguay und Burundi.

Handelte es sich um ein weniger ernstes Thema, man könnte etwas flapsig von einem Exportschlager sprechen. Gemessen am Erfolg des Engagements, handelt es sich freilich um einen solchen: Was einst in der Heidenheimer Waldkirchengemeinde seinen Anfang nahm, sichert heute Tausenden Kindern in Südamerika und Afrika ein tägliches Frühstück, Betreuung und Unterricht.

Dabei begann einst alles ganz klein: mit den sogenannten offenen Abenden der Waldkirchengemeinde in den 1960er-Jahren. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe berichtete am 20. Februar 1962 der Italiener Prof. Dr. José Moro, Feldleiter der Schweizer Indianer-Mission, über seine Arbeit unter Indianerstämmen des peruanischen Amazonasgebiets.

Große Spendenbereitschaft

Die Heidenheimer reagierten darauf mit einer großzügigen Kollekte. Mehr noch: Ein Achtzehnjähriger verkündete im Anschluss an den Vortrag eine weitreichende Entscheidung: „Ich will Indianer-Missionar werden.“ Schnell war ein Unterstützerkreis gebildet, der die vierjährige Ausbildung des jungen Mannes finanzierte. Und bald schon ging Walter Gauss für drei Jahre als Missionar nach Peru.

Moro seinerseits verbrachte krankheitshalber einige Zeit in der Schweiz, ehe er sich, wieder zu Kräften gekommen, den in den Slums rund um die peruanische Hauptstadt Lima lebenden Bergindianern widmete. Weil die Schweizer Indianer-Mission diese zusätzliche Arbeit nicht stemmen konnte, sprangen die Heidenheimer in die Bresche. Am 7. April 1968 gründeten sie das Kinderwerk Lima, und formulierten auch gleich vier Ziele des Vereins: Errichtung eines Kinderheims zur Aufnahme und Betreuung elternloser und unehelicher Kinder sowie Bau einer Schule, berufsbildender Werkstätten und eines kleinen Krankenhauses.

Startkapital schnell beisammen

Wider Erwarten war das auf 100 000 Mark veranschlagte Startkapital dank vieler Spenden rasch beisammen, und als dann die peruanische Regierung ein Grundstück kostenlos zur Verfügung stellte, konnte im April 1969 der Bau einer Kindertagesstätte in El Agustino beginnen, einem armen Stadtteil Limas.

Es war der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Hilfsprojekten in Südamerika und Afrika. 570 einheimische Mitarbeiter betreuen und unterrichten heute rund 5000 Kinder und Jugendliche, von denen die meisten aus sozial benachteiligten Familien stammen. Außerdem werden in Peru Tag für Tag 2500 Kinder mit einem Frühstück versorgt, in Burundi weitere 1500.

Zurück zu den Anfängen: 1970 wurde also mit der Casa Cuna (deutsch: Kinderkrippe) das Premierenvorhaben eingeweiht, und sieben Jahre später gab es in Lima nicht nur einen Kindergarten für 300 Jungen und Mädchen, sondern auch eine kleine Grundschule bis zur dritten Klasse.

Hilfe aus Lüdenscheid

1974 reihte sich die Kreuzkirchengemeinde aus Lüdenscheid in die Unterstützer ein, und im Laufe der Jahrzehnte folgten viele weitere Gemeinden aus Deutschland und der Schweiz.

Mit ihrer Hilfe kamen nach und nach etliche weitere Einrichtungen hinzu: In El Agustino begann die pastorale Arbeit in einer Garage, ehe sie ein eigenes Gebäude bekam. 1987 startete die Unterstützung einer Kinderspeisung in Limas Stadtteil Comas, die ihren Höhepunkt 2010 erreichte. Damals erhielten täglich 11 500 Kinder einen Becher warme Milch und ein Vollkornbrötchen. Nachdem der peruanische Staat begonnen hatte, an öffentlichen Schulen ein Frühstück anzubieten, ging die Zahl auf 2500 zurück. Gleichzeitig galt das Augenmerk fortan verstärkt Orten, an denen bis dahin noch keine staatliche Hilfe ankam.

Aus der Kinderspeisung in Comas erwuchs die zweite Schule, außerdem gab es nun auch Qualifizierungskurse für Alleinerziehende und Betreuungsangebote für Mütter im Teenageralter. Das im peruanischen Hochland gelegene Huanta ist seit März 2009 ebenfalls Standort einer Schule mit angegliedertem Kindergarten.

Schulabgänger sind gefragt

Derweil hatten die Verantwortlichen den Blick längst nach Paraguay gelenkt. Heute gibt es dort Schulen in Asunción und Santani, und die Abgänger sind angesichts des herrschenden Fachkräftemangels hier wie auch in Peru gefragt.

Seit 2016 ist das Kinderwerk zudem in Burundi tätig, einem der ärmsten Staaten Afrikas. Es unterstützt dort den Ausbau einer Schule mit Kindergarten, eine Kinderspeisung und das diskriminierte Pygmäenvolk der Batwa.

Alles in allem gibt es damit sechs Schulen (alle tragen den Namen Johannes Gutenbergs, der als Erfinder des modernen Buchdrucks gilt) und Kindertagesstätten, deren Bau das Kinderwerk Lima auf den Weg gebracht hat. Die Organisation ist daneben im Verwaltungsrat zweier weiterer Schulen in Paraguay vertreten, die von dort ansässigen Geschäftsleuten initiiert wurden.

Kultur, Kaffee und Kurzfilme

Ein großes Fest gibt es zum 50-jährigen Bestehen des Kinderwerks Lima. Es beginnt am Sonntag, 16. September, um 10 Uhr in der Mergelstetter Turn- und Festhalle. Die Organisatoren erwarten rund 600 Gäste, darunter die Rektoren aller sechs von der Hilfsorganisation gegründeten Schulen. Eingeladen sind aber alle Interessierten.

Das Programm umfasst neben einem kostenlosen Mittagessen samt Kaffee- und Kuchentafel unter anderem Kurzvideos ehemaliger Schüler, eine Kaffeeverkostung, Stände mit Produkten aus Südamerika und Afrika, Liedvorträge sowie spezielle Angebote für Kinder.

Weitere Feiern finden am 23. September in Zürich und am 30. September in der Kreuzkirchengemeinde in Lüdenscheid statt.

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