Jobs Hilfe für Leute, die niemand anstellen will

Ein Hilfsprogramm für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose wird gestrichen.
Ein Hilfsprogramm für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose wird gestrichen. © Foto: Foto: Archiv
Heidenheim / Karin Fuchs 26.06.2016
Trotz guter Lage auf dem Arbeitsmarkt ist die Situation der Langzeitarbeitslosen schlecht. Nun wird auch noch eine Hilfestellung eingestellt: Das Programm für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose läuft ohne erhofften durchschlagenden Erfolg aus

Mindestens drei Jahre ohne Arbeit und kaum noch Chancen auf ein Berufsleben: So sieht der Personenkreis aus, auf den das Landesprogramm „Gute und sichere Arbeit“ zugeschnitten ist. Im Landkreis gibt es von diesen Personen überproportional viel. Mehr als 3000 Menschen haben länger als ein Jahr keine Arbeit, davon ist ein großer Teil schon sehr viel länger draußen aus dem Berufsleben und bezieht Hartz IV.

Doch wie schafft man es, dass diese Leute wieder einer geregelten Arbeit nachgehen und ihr eigenes Geld verdienen? Landrat Thomas Reinhardt und die Kreisräte im Bildungs- und Sozialausschuss des Kreistags blieben ratlos zurück, nachdem Albert Köble vom Job-Center das magere Ergebnis des Hilfsprogramms vorgestellt hatte, das zum Monatsende ausläuft. Sein Fazit: „Das Ziel wurde nicht erreicht, dennoch geht der Ansatz in die richtige Richtung.“

Seit 2013 nimmt der Landkreis an diesem so genannte „Passiv-Aktiv-Tausch“ teil. Dabei geht es darum, die Menschen für Arbeit und nicht fürs Nichtstun zu bezahlen. Wer als Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen anstellt, muss nur ein Viertel des Lohns selbst bezahlen. „Das klingt wenig, doch die Menschen haben auch viele Handicaps“, so Köble und nennt als Beispiele massive Probleme mit Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit. Die Hälfte des Lohns bezahlt das Job-Center aus seinem Budget, 400 Euro der Landkreis und das Land gibt zu jedem Arbeitsverhältnis 600 Euro hinzu. Dieses Geld ist auch für den sozialpädagogischen Betreuer vorgesehen, den der Landkreis stellt.

100 Arbeitgeber hat das Job-Center angesprochen. Ein Viertel hat sich auf das Programm eingelassen und Jobs angeboten. Bei den Langzeitarbeitslosen war der Rücklauf nicht viel besser: Von 200 haben laut Köble 82 ernsthaftes Interesse bekundet. „Das ist wichtig, denn wenn man jemand dazu zwingt, dann ist das Ganze gleich zum Scheitern verurteilt.“ Schließlich wurden 44 Arbeitsverhältnisse geschlossen, 33 bei freien Wohlfahrtsverbänden, 3 bei kommunalen Arbeitgebern und 9 in der freien Wirtschaft. Gerade dort sollte das Programm fruchten. „Das ist uns nicht gelungen“, räumt Köble ein. Als erfolglos wollte Köble das Bemühen dennoch nicht bezeichnen: Zwölf der ehemals Langzeitarbeitslosen haben den Schritt in die Arbeitswelt geschafft, das heißt, sie sind auch ein halbes Jahr nach Ablauf des Programms noch beschäftigt. Die Integrationsquote von 27 Prozent bewertet Köble als gut. Ebenfalls positiv sei, dass nur drei die Arbeit abgebrochen hätten.

Durch alle Fraktionen hinweg herrschte Ratlosigkeit darüber, wie man es schafft, Langzeitarbeitslose wieder in reguläre Arbeit zu bekommen. Diese Frage wurde vor allem deshalb als dringend angesehen, weil der Landkreis prozentual mit die meisten Langzeitarbeitslosen im Land hat. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Hans-Dieter Diebold (Grüne) brachte es auf den Punkt: „Es geht um eine sozialpolitische Frage, wir brauchen geförderte Arbeit.“ Auch andere Kreisräte hatten die Notwendigkeit eines zweiten Arbeitsmarktes angesprochen, ohne den es für diese Menschen unrealistisch ist, in das Arbeitsleben integriert zu werden. Man solle an auf Bundesebene alles in Bewegung setzen, riet Margit Stumpp (Grüne) und erhielt Zustimmung von Landrat Reinhardt. Er hofft nun zum einen, dass das Modellprojekt unter der neuen Landesregierung neu aufgelegt wird, zum anderen will er in der Trägerversammlung des Job Centers über Lösungsmöglichkeiten diskutieren.

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