Heidenheim Flüchtlinge: Anteil an Afrikanern steigt deutlich

Die Flüchtlinge, welche neu in den Landkreis kommen, stammen überwiegend aus schwarzafrikanischen Ländern.
Die Flüchtlinge, welche neu in den Landkreis kommen, stammen überwiegend aus schwarzafrikanischen Ländern. © Foto: privat
Heidenheim / Günter Trittner 26.04.2018
Nur noch 256 Flüchtlinge sind in der Obhut des Landratsamts. Davon sind 145 Schwarzafrikaner. Der Kreis baut seine Quartiere für Erstaufnahmen ab.

Das Gesicht des Flüchtlings im Landkreis ändert sich. Zu Spitzenzeiten im Frühjahr 2016 waren 1632 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Eine Task Force im Landratsamt suchte im Eiltempo nach immer weiteren Quartieren, an die 1000 Personen im Landkreis wollten ehrenamtlich helfen, damit die Flüchtlinge einen Fuß auf den Boden bekommen. Und wenn von Flüchtlingen die Rede war, dann meist von Syrern.

Zwei Jahre danach warten gerade noch 256 Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises den Ausgang ihres Asylverfahrens ab und im wesentlichen sind dies mit 145 Personen Schwarzafrikaner. Führend sind die Nigerianer. Insgesamt haben Flüchtlinge aus 21 Ländern derzeit im Landkreis ihr Quartier. Zur jüngsten Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses hatte erster Landesbeamter Peter Polta diese aktuellen Zahlen mitgebracht. „Wir sind wieder völlig im Normalbetrieb“, so seine Aussage.

Normalbetrieb für die Landkreisverwaltung bedeutet freilich eine erhöhte Aktivität für die Kommunen. Denn diesen hat der Landkreis inzwischen 1180 Personen für die Anschlussunterbringung zugewiesen, welche entweder als Asylbewerber anerkannt sind oder deren Aufenthalt geduldet wird. Für diese Personen müssen die Kommunen für Unterkünfte sorgen. Mitunter können sie dabei vom Landratsamt angemietete Wohnungen und Gebäude übernehmen. Der Landkreis selbst betreibt nur noch in Heidenheim, Steinheim und Giengen Einrichtungen für Flüchtlinge.

500 Verfahren laufen noch

Die Zahl der anerkannten und geschützten Flüchtlinge liegt derzeit knapp unter 1500. Im Laufen ist das Verfahren noch für wenig über 500 Flüchtlinge. Abgeschoben wurden seit Februar 2016 194 abgelehnte Asylbewerber. Laut Polta gibt es ein wachsendes Problem im Vollzug der Abschiebungen, da die Personen nicht angetroffen werden.

Ein anderes Problem liegt in den sich dahinschleppenden Verfahren. In Berlin würden die Verfahren mit geringen Aussichten auf Anerkennung nachrangig bearbeitet. „Viele Flüchtlinge müssen nach 24 Monaten in die Anschlussunterbringung, obwohl ihr Verfahren noch gar nicht abgeschlossen ist“, teilte Maria Pelger, die zuständige Fachfrau für Asylbewerber im Landratsamt, mit. „Man weiß aber, dass die meisten abgelehnt werden“, ergänzte Pelger mit Verweis auf die niedrigen Anerkennungsquoten für Menschen gerade aus Schwarzafrika.

„Nicht fair“ fand das Kreisrat Werner Häcker und „menschlich nicht in Ordnung.“ Denn dann werde abgeschoben, wenn die Flüchtlinge sich bereits eingelebt hätten. Landrat Thomas Reinhardt erinnerte in diesem Zusammenhang das Land an die politische Vorgabe, Flüchtlinge mit kaum Chancen auf ein Bleiberecht, in den eigenen Erstaufnahmeeinrichtungen zu belassen, damit von dort aus auch leicht eine Abschiebung vorgenommen werden kann. „Flüchtlinge mit geringen Anerkennungsquoten haben in den Landkreisen und Kommunen nichts zu suchen.“

Migranten aus Osteuropa

Peter Polta kündigte in der Sitzung an, bei der im Herbst anstehenden Aktualisierung des Integrationskonzept stärker auf die EU-Migration aus Osteuropa einzugehen. „Das wird noch ein ganz anderes Kapitel“, mutmaßte SPD-Kreisrätin Birgit Koepsel. „Wie soll man diese Menschen überhaupt erreichen?“ Auch Polta sah dieses Problem der Ansprache.

Asyl: Welche Kosten bleiben am Landkreis hängen?

Eigentlich zahlt der Staat, doch gefordert ist auch der Kreis. Die von CDU-Kreisrat Dr. Christoph Ströhle aufgeworfene Frage, wie viel Kosten am Landkreis letzten Endes hängen bleiben, will die Verwaltung in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses erläutern.

Das Problem seien aber nicht die Mietverträge für die Gemeinschaftsunterkünfte, stellte Kämmerer Roland Fuchs vorab klar.

Ganz vorne dabei sei der Landkreis im Regierungsbezirk, wenn es darum gehe, Verträge für nicht mehr benötigte Liegenschaften wieder zu lösen. 15 seien inzwischen beendet, bei 18 sei man im Gespräch.

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