Heidenheim Helmut Kuhn wird 90 Jahre

Der Theaterkenner Helmut Kuhn feiert heute seinen 90. Geburtstag.
Der Theaterkenner Helmut Kuhn feiert heute seinen 90. Geburtstag. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Joelle Reimer 13.09.2018
Der Heidenheimer Helmut Kuhn, auch bekannt als der Herr der Bühnen, feiert heute seinen 90. Geburtstag.

Theaterleute müssten grundsätzlich einen Vogel haben. So, wie Helmut Kuhn das sagt, klingt es unumstößlich – wie ein ungeschriebenes Gesetz. Doch da ist noch mehr, da klingt noch etwas mit. Vielleicht liegt es an dem Lächeln, das auf den Satz folgt. Und plötzlich wird klar: Es ist Stolz, der da mitschwingt.

Stolz, zu dieser Theaterlandschaft zu gehören. Zu diesem verrückten Haufen auf dem Schlossberg. Und Stolz, heute an seinem 90. Geburtstag nicht nur das älteste Mitglied des Naturtheaters zu sein, sondern als Ehrenvorsitzender ganze 70 Jahre Mitgliedschaft vorweisen zu können.

Dem Theater hat sich der ehemalige Präsident des Landesverbandes der Amateurtheater auch heute noch verschrieben. „Meine Reisetätigkeit habe ich etwas einstellen müssen, seit es meiner Frau nicht mehr so gut geht, aber für einige Theater bin ich noch immer beratend tätig“, erzählt er. Hauptsächlich pflegt Kuhn telefonischen Kontakt zu den Bühnen, die er früher besucht hat, ansonsten beschränkt er seinen Aktionsradius auf den Landkreis. „Und, wie würden es die Heidenheimer machen?“ Diese Frage wird ihm heute noch ab und an gestellt. Verständlich, meint Kuhn, denn: Heidenheim habe mit dem Naturtheater stets eine Art Vorreiterfunktion inne gehabt. „Ich kenne keine vergleichbare Bühne mit Möglichkeiten wie im Heidenheimer Naturtheater.“

So ist es keine Überraschung, dass auch die jüngsten Entwicklungen, allem voran der Umbau, bei dem Theaterkenner durchaus Gefallen finden. „Ich bin ja regelmäßig oben, schaue alle Stücke an, und habe auch dem Umbau im Blick gehabt. Was die da oben machen, läuft doch recht ordentlich“, urteilt der gelernte Elektriker, der am 12. April 1947 als damals 19-Jähriger Mitglied im Naturtheater wurde – ein Jahr nach seiner Flucht aus der heutigen Tschechischen Republik.

Vor allem die Bühnentechnik hat es ihm damals wie heute angetan, doch mindestens genauso stolz wie auf die Ausstattung ist er auf die Theaterjugend, die „hervorragende Arbeit leistet“. Und wenn es um Leistungen geht, müssen auch die mehr als 60 Auszeichnungen erwähnt werden, die Kuhn im Laufe der Jahre entgegen genommen hat – allen voran 1999 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse für sein Lebenswerk und 2003 der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.

Theater war, ist und bleibt Kuhns Lebensinhalt. Wenn er heute eine Aufführung besucht, hat er dabei stets zwei Prinzipien: „Egal, was gespielt wird, es muss handwerklich gut sein. Und: Ein Stück darf über alles gehen, nur nicht über zwei Stunden.“

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