Erdbeben Helfer in Nepal: „Wir mussten richtig Druck machen“

Heidenheim/Nepal / Catrin Weykopf 12.06.2015
Helfen ist nicht einfach – diese Erfahrung mussten Pawan Dhakal und Petra Pachner in Nepal machen. Denn die dortige Regierung will alle Hilfsgüter selbst an die Erdbebenopfer verteilen. Dies ließen die beiden Heidenheimer Helfer nicht zu – und hatten Erfolg.

Pawan Dhakal ließ nicht locker. Immer wieder habe er in Kathmandu mit Beamten und Regierungsvertretern verhandelt, berichtet er. Dabei schienen die Fronten zwischenzeitlich sogar so verhärtet, dass Dhakal drohte, die Heidenheimer Hilfslieferung wieder zurück nach Deutschland zu schicken. Der Grund für all das zähe Ringen: Als Dhakal und Petra Pachner kürzlich in Nepal angekommen waren, hieß es entgegen aller zuvor gemachten Zusagen, sie müssten alle eingeführten Hilfsgüter an die nepalesische Regierung abgeben.

Doch so hatten die beiden Heidenheimer Helfer nicht geplant. Im Gegenteil: Ihre Hilfsaktion hatte von Beginn an ein klares Ziel, nämlich die Region Dhading. Dort liegt das Heimatdorf von Dhakal und dort befindet sich das Kinderdorf, das Petra Pachner und ihr Mann Herwig Jantschik seit Jahren unterstützen. Alles war lange vorbereitet – Dhakal und Pachner wollten dies nicht preisgeben. „Wir hatten ja auch allen unseren Unterstützern ganz klar gesagt, wohin die Sachen und die Spenden gehen“, sagt Dhakal. „Es war keine Frage, dass wir uns davon nicht abbringen lassen.“ Und diese Hartnäckigkeit wurde belohnt. Nach zig Gesprächen lag die Genehmigung schließlich vor.

„Viele internationale Hilfsorganisationen haben das nicht geschafft“, berichtet Dhakal. Er und Petra Pachner hätten in Kathmandu mehrfach erlebt, wie Helfer unverrichteter Dinge wieder zurückflogen – ihre Lieferungen wurden einbehalten. „Wäre ich nicht Nepalese und würde ich nicht die Sprache und die Gepflogenheiten kennen, wäre es uns wohl ähnlich gegangen“, vermutet Dhakal.

Dass die nepalesische Regierung einbehaltene Hilfslieferungen aber veruntreut oder für sich selbst behält, glaubt er nicht. „Wir haben es ja gesehen – alles wird verteilt, aber eben dann unter Leitung der Behörden statt der internationalen Organisatinen.“ Und auch die in Heidenheim gesammelten Sach- und Geldspenden wurden verteilt – aber eben von Pachner und Dhakal. Ein Teil der medizinischen Hilfslieferung blieb allerdings gleich in Kathmandu. Operationsbesteck und Spezialverbände können dort besser verwendet werden – in Landkrankenhäusern hingegen weniger, da dort kaum operiert wird.

Besonders begehrt waren außerdem die mitgebrachten Zelte und Decken. Gerade Schulen haben großen Bedarf, denn kaum ein Gebäude steht noch in den Dörfern. Der Unterricht findet nun unter Planen satt – aber er findet wieder statt. „Das ist das Wichtigste“, sagt Dhakal. „Die Menschen brauchen jetzt Routine und Alltag.“ Für mehrere tausend Euro kauften Dhakal und Pachner zudem vor Ort Schulmaterial ein, denn auch daran mangelt es fast überall. Ob Hefte, Stifte, Schuluniformen oder Bücher – „die meisten Kinder haben all das in den Trümmern verloren“, so Dhakal. Die Dankbarkeit, die Pachner und Dhakal dabei erfuhren, sei enorm gewesen, berichtet er. „Und wir möchten das weitergeben. Wir möchten Danke, Danke, Danke sagen bei allen, die uns geholfen haben.“

Und Liste derer ist lang: Neben großen Namen wie Hartmann und dem 1. FC Heidenheim waren es auch zahlreiche kleinere Firmen und Selbstständige, die in und um Heidenheim halfen. Eine fünfstellige Summe kam zudem bei verschiedenen Aktionen zusammen, die Voith intern veranstaltete. Darüber hinaus beteiligten sich Schulen und Künstler – und nicht zuletzt die Leser der Heidenheimer Zeitung, die insgesamt über 25 000 Euro für das Vorhaben spendeten.

Vorbei ist die Aktion mit dem jetzt abgeschlossenen Besuch Dhakals und Pachners in Nepal aber noch nicht. Derzeit werde ein zweiter Transport organisiert und auch langfristig hat Dhakal Pläne in seinem Heimatland. Für die Zeit nach dem Monsun hat er vor, gemeinsam mit Ingenieuren aus Nepal ein erdbebensicheres Musterhaus zu bauen. Es soll ein Modell werden für günstiges, effizientes Bauen. Denn Dhakal wünscht sich eine sichere Zukunft für seine Landsleute – ein sicheres Zuhause soll hierzu der erste Schritt sein.

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