Heidenheim / Manfred F. Kubiak  Uhr
Bei den „Helden am Herd“ ging's um Image durch Fußball und Kultur, die Filialen der Kreissparkasse und die städtebauliche Zukunft.

In Richard Straussens „Rosenkavalier“ ist der „italienische Sänger“ eine Dreingabe, eine Art Vogerl im goldenen Käfig der vom Reichtum Gelangweilten, die es nach permanenter Unterhaltung verlangt, die dann im Endeffekt aber auch nicht so wichtig ist und allerhöchstens oberflächlich wahrgenommen wird.

Im Business-Club der Kreissparkasse in Heidenheims Voith-Arena war am Donnerstagabend Vincent Wolfsteiner der Sänger. Und der war alles andere als die Praline. Ohne ihn wäre vermutlich wenig gelaufen bei „Helden am Herd“, der Koch-Show der Opernfestspiele. Denn Vincent Wolfsteiner sang nicht nur – unter anderem eben Straussens „Sänger“, eine tenorale Zirkusnummer höchsten Schwierigkeitsgrades –, sondern der kochte auch fast im Alleingang das Wildgulasch mit Wirsing-Gemüse und vom Speck geküssten Grießknöpfle.

Die anderen Herren im Küchentrakt waren nämlich auch gut anderweitig beschäftigt und Wolfsteiner allenfalls fröhliche Handlanger. Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg (reichte das Wasser und die Eier), der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Heidenheim, Dieter Steck (formte die Knödel), wurden von Opernfestspieldirektor Marcus Bosch (spielte Klavier) mit Fragen in jedwede Richtung nur so bombardiert. Und nachdem die langwierigen technischen Schwierigkeiten in Sachen Mikrofonanlage behoben waren, waren dann in der mit Publikum gut gefüllten Fußball-Lounge endlich auch die Antworten zu verstehen.

Und es ging unter anderem, beinahe schon haarscharf am Rande der Philosophie vorbei, zum Beispiel um Glauben und Scheitern. Diskutiert an den als Leuchttürmen vermarkteten Lieblingskindern einer Stadt, die bislang mit großem Erfolg auf Fußball und Kultur setzt, wenn's ums Image geht, und sich das auch etwas kosten lässt. Ein finanzielles Vabanquespiel, falls die Höhenflüge endeten? Da hat der OB eine klare Meinung: Wer von vornherein immer gleich auch an ein mögliches Scheitern denke, könne es auch gleich bleiben lassen.

Und warum tragen Sponsoren wie die Kreissparkasse Geld in die Oper und ins Stadion? Weil man großes Vertrauen in die Art und Weise habe, wie zum Beispiel Bernhard Ilg auch in dieser Hinsicht die Geschicke der Stadt lenke. „Glauben Sie mir, es ist kein Zufall, wenn sich hier die Dinge so entwickeln, wie sie sich entwickeln.“

Und wie hält's der Banker mit dem Trump? „Pragmatisch“, sagt Steck. „Warten wir einfach mal ab. Immerhin ist der Mann der von einer Mehrheit gewählte Präsident.“ Und da ist sich Steck sicher: „Solche Ergebnisse kommen nicht von ungefähr. Wir leben politisch und wirtschaftlich in einer Zeitenwende.“ Hoffnungen auf eine damit einhergehende Wende in der Zinspolitik müsse sich der Sparer zumindest in Europa allerdings nicht machen. Dafür versprach Steck, dass am bestehenden Filialnetz der Kreissparkasse nicht gerüttelt werde. „Bis 2018 wird nichts angetastet.“

Oberbürgermeister Bernhard Ilg verriet auf Nachfrage, dass ihm in der vergangenen Opernsaison „der junge Verdi, ,Oberto‘, am besten gefallen“ habe. Und nicht zu vergessen: die Schlossbergtafel, „wo sich der OB immer wieder gern öffentlich ins Gras setzt“. Und wofür will Ilg in seiner dritten und letzten Amtszeit in Heidenheim besonders arbeiten? Für die Erweiterung der Dualen Hochschule und den Aufbau eines Campus auf dem früheren WCM-Gelände, aber auch an einem für die Stadtentwicklung verheißungsvollen Brückenschlag dorthin über die Bahnschienen hinweg. Es müsse immer weiter vorangehen, denn in Heidenheim möchte Bernhard Ilg eigentlich nie mehr sagen hören, dass es so, wie es ist, gut sei.

Die Anmerkung Boschs, bei ihm sei der Eindruck entstanden, nicht alle Heidenheimer würden die Notwendigkeit einer neuen Stadtbibliothek einsehen, nutzte Ilg zu einem flammenden Plädoyer für den Neubau, der, davon ist der OB überzeugt, eine Begegnungsstätte der Generationen und Kulturen und eine Aufwertung der ansonsten ja auch von Leerständen geplagten Innenstadt werden wird. „Gehen Sie mal in eine moderne Bibliothek, nach Stuttgart oder Ulm, da erschließt sich Ihnen gleich, was ich meine.“ Und überhaupt und nicht nur, was die Bibliothek, den Fußball oder die Opernfestspiele anbelange: „Auseinanderdividieren macht ein Gemeinwesen nicht reicher.“

Am Ende von über 90 Minuten nie belangloser Plauderei hatte derweil Vincent Wolfsteiner nicht nur schon angerichtet, sondern sang auch noch den Erik aus Richard Wagners „Der fliegende Holländer“, um den sich die Opernfestspiele 2017 drehen werden. Erik ist nicht nur ein Tenor, sondern auch Jäger von Beruf. Insofern passte ein feines Wildgulasch als kulinarischer Rausschmeißer wie die Faust aufs Auge.