Heidenheim / Thomas Zeller  Uhr
Seit 60 Jahren sind Heidenheim und Clichy Partnerstädte. So ein Jubiläum ist ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen. Lohnen sich wirklich noch alle sieben Städtepartnerschaften? Diese Frage stellt sich HZ-Redaktionsleiter Thomas Zeller in seiner Kolumne „So gesehen“.

Städte- und Gemeindepartnerschaften gehören nicht nur im Kreis Heidenheim zum kommunalen Standard. Allein Heidenheim bringt es auf sieben solche Verbindungen, von denen zwei an diesem Wochenende besonders gewürdigt werden. Jubiläen wie das der 60-jährigen Partnerschaft mit Clichy oder der 50-jährigen mit St. Pölten zeigen, wie traditionsreich diese Verbindungen sind. Immerhin war Heidenheim eine der ersten Gemeinden in Baden-Württemberg, die sich der Freundschaft mit Frankreich verschrieb. Gleichzeitig sind solche Feiern immer auch ein guter Ansatzpunkt, um Bilanz zu ziehen.

Historisch gesehen haben Städtepartnerschaften einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. Genau aus diesem Grund wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa etabliert. Neben der Diplomatie sollte es ein weiteres verbindendes Element zwischen den Bürgern verschiedener Nationen geben. Neben dem besseren Verständnis füreinander wurden gleichzeitig der kulturelle Austausch und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert.

Über die Jahre hinweg sind in der Region vermutlich Hunderttausende Euro in diesen Austausch geflossen und haben viel Sinnhaftes bewirkt. So dürften in den vergangenen Jahrzehnten Hunderte, wenn nicht gar Tausende Heidenheimer in den Genuss eines Clichy- oder St.-Pölten-Besuches gekommen sein. Ohne Frage ist es schön, viele Freunde zu haben, doch wie im realen Leben kostet die Pflege von Freundschaften viel Aufwand und Mühe.

Deshalb lohnt es, sich angesichts der Feierlichkeiten an diesem Wochenende darüber nachzudenken, was Heidenheim mit seinen Partnerschaften in der Zukunft vorhat. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2017 besteht jede fünfte Städtepartnerschaft in Deutschland nur noch auf dem Papier. Das ist nicht nur aus Sicht der Steuerzahler bedauerlich, sondern auch der ehrenamtlichen Helfer, die sich in diesen Projekten einbringen.

Vielleicht macht es in Heidenheim Sinn, Ressourcen zu bündeln, um einige Freundschaften intensiver betreiben zu können. Warum also nicht neue Schwerpunkte definieren und beispielsweise die kulturtouristische Zusammenarbeit zwischen einzelnen Partnern verstärken, wie es Oberbürgermeister Bernhard Ilg am Freitag bei den Feierlichkeiten in der Schlosskirche vorschlug. Das könnte zumindest die Sichtbarkeit der Städtepartnerschaften wieder erhöhen. Denn realistisch betrachtet, finden schon jetzt einige von ihnen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der meisten Bürger statt. Wer beispielsweise im vergangenen Jahr nicht zufällig auf dem internationalen Straßenfest war, wird mit Angeboten der kroatischen Partnerstadt Sisak kaum in Berührung gekommen sein.

Eventuell steckt dahinter aber auch einfach nur ein Kommunikationsproblem der Stadt. Denn sucht der geneigte Bürger auf der Website heidenheim.de nach den bestehenden Partnerschaften, dann muss er sich schon sehr bemühen, um Antworten zu finden. Erst nach etlichen Klicks gelangt er dort auf eine Übersichtsseite mit den befreundeten Städten. Informationen zum geplanten Jahresprogramm sind hier aber nicht auffindbar.

Das ist schade, weil so das große Engagement der ehrenamtlichen Helfer aus dem Partnerschaftskomitee nicht in vollem Umfang sichtbar wird. Doch selbst dieser Wermutstropfen kann den Erfolg der bestehenden Städtepartnerschaften nicht mindern. Denn sie erlauben es Heidenheimern, hinaus in die Welt zu gehen. Sie können sich dabei auf ein über viele Jahre gewachsenes Netz von Kontakten verlassen. Die Austausch-Programme haben zwar die meisten Teilnehmer nicht automatisch zu ausgewiesenen Kennern des Partnerlandes gemacht. Dafür sind aber einige echte Freundschaften entstanden und für viele Heidenheimer wurde auf einmal das manchmal doch etwas abstrakte Europa konkret erlebbar.

thomas.zeller@hz.de