Wahl Heidenheimerin Hella Krautter will ohne Partei in den Bundestag

Bundestagswahl: Hella Krautter (38) sammelt Unterstützer-Unterschriften für eine Kandidatur.
Bundestagswahl: Hella Krautter (38) sammelt Unterstützer-Unterschriften für eine Kandidatur. © Foto: Sabrina Balzer
hz 20.06.2017
Bundestagswahl: Eine 38-jährige Heidenheimerin sammelt Unterstützer-Unterschriften für eine Kandidatur.

Hella Krautter kann sich mit keiner Partei identifizieren. Aber politisch mitmischen würde sie schon gerne. Vor allem deshalb, weil sie überzeugt ist, dass so einiges falsch läuft in Deutschland. Deshalb hat sie sich entschlossen, einen außergewöhnlichen Weg zu gehen. Sie will als Parteilose im Wahlkreis Aalen-Heidenheim bei der Bundestagswahl antreten und um ein Direktmandat kämpfen.

Ohne Partei im Rücken und ohne große Bekanntheit: Ist das nicht ein hoffnungsloses Unterfangen? Dass eine Stimme für sie eine verlorene Stimme sei, das haben ihr schon Leute ins Gesicht gesagt, die sie um Unterstützung gebeten hat. Für eine Kandidatur benötigt Krautter 200 Unterstützer-Unterschriften. 16 hat sie bereits – gesammelt am Sonntag im Waldbad. Bis Mitte Juli hat sie Zeit, bis dahin will die 38-jährige Heidenheimerin ihr Pensum erfüllt haben. In Heidenheim kennt sie sich sich aus: Am Schillergymnasium machte sie 1998 ihr Abitur. Ein Geschichts- und Literaturwissenschaftsstudium brach sie wegen schlechter Berufsaussichten ab und studierte nach einem kurzen Ausflug in die Medizin Musik und Englisch für das Lehramt.

Selbst schätzt sich die private Musik- und Nachhilfelehrerin als konservativ ein, wobei sie aber kein politisches Zuhause finden konnte. Zudem, so ihre Beobachtung, sei bei den Parteien vieles eingefahren. Sie seien dominiert von älteren Männern, als unbekannte Frau habe man keine Chance.

Hella Krautter sieht sich keinesfalls als Spaß-Kandidatin. Viel zu ernst ist ihr ihr Anliegen. „Klar kann ich nicht die Welt retten“, sagt sie. Doch ist sie überzeugt, dass die Politik verantwortungslos mit unserem Land umgeht. „Sehe ich weiterhin tatenlos zu, würde sie ich mir später Vorwürfe machen, nichts unternommen zu haben.“

„Ich kann nicht die Welt retten“

Was läuft denn schief? Als erstes nennt Krautter die Einwanderungspolitik. Deutschland sei regelrecht überrannt worden, dabei habe es schon vorher ein Integrationsproblem gegeben, das nun nicht besser geworden sei. In der Pflege- und Gesundheitspolitik sieht sie einen weiteren Schiefstand. Die Bevölkerung werde älter, aber die Gesellschaft sei darauf nicht vorbereitet. Ungerechtigkeit sieh Krautter an vielen Stellen. So sei das Geld nicht gut verteilt in Deutschland, meint sie. Einige wenige Leute schöpften Geld ab aus dem System, die Basis werde jedoch immer ärmer. Das führe zu immer mehr sozialer Unzufriedenheit.

Lösungen präsentiert Krautter zwar nicht, doch will sie die Diskussion anstoßen. Wichtig sei ihr, dass Politik mehr mit Herz gemacht werde. „Mitgefühl und Weisheit müssen zusammen gehen.“ Momentan werde vieles nur auf die nächsten Wahlen ausgerichtet. Überhaupt müssten viel mehr Frauen in die Politik. Krautter ist überzeugt, dass Männer viel mehr Hierarchien aufbauen als Frauen das tun. „Global Sisterhood ist für mich das Schlagwort.“

Wie sie ihren Wahlkampf angehen will, da hat Krautter bislang noch kein Konzept. Sie wolle zu Vorträgen einladen und persönliche Gespräche suchen. Vielleicht, so ihre Hoffnung, findet sie auch Menschen, die ähnlich denken wie sie und die sie unterstützen.