Waldfriedhof Heidenheimer Waldfriedhof: Ruheforst muss umbenannt werden

Alternative Bestattungsform im Waldfriedhof: ein Ruheforst, der keiner ist.
Alternative Bestattungsform im Waldfriedhof: ein Ruheforst, der keiner ist. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Erwin Bachmann 13.09.2017
Weil die Ruheforst GmbH markenrechtlichen Schutz reklamiert, hat die Stadt Heidenheim für ihren Bestattungswald einen neuen Namen wählen müssen.

Ruhe in Frieden. Mitunter steht dem auf Grabsteinen und in Todesanzeigen häufig zu lesenden Wunsch das Handeln der Lebenden entgegen. Zumal dann, wenn's – wie so oft in diesem irdischen Jammertal – ums liebe Geld geht.

Genau um dieses, und das nicht wenig, hat sich's im Falle des Ruheforsts auf dem Heidenheimer Waldfriedhof gedreht, der nicht länger Ruheforst heißen darf, sondern umbenannt werden musste. Urheberin der damit verbundenen Unruhe ist eine im nordrhein-westfälischen Hilchenbach sitzende Firma namens Ruheforst, die das Recht auf eben diesen Begriff geltend gemacht und damit einen Streit um die Namensgebung dieses dem Tod vorbehaltenen Fleckchens Erde vom Zaun gebrochen hat.

Nicht über allen Wipfeln ist Ruh

Als langjähriger Bürgermeister und erfahrener Jurist ist Rainer Domberg eigentlich nur noch schwer ins Staunen zu bringen, aber in diesem Falle scheint es dann doch gelungen zu sein. So bekennt er, sehr überrascht gewesen zu sein, als ihm – so seine Schilderung – eine Klage der Ruheforst GmbH nebst 15 Aktenordnern als Anlage auf den Tisch gekommen ist. Sinn und Zweck dieses Vorstoßes sei es gewesen, einen Markenrechtsschutz zu begründen und darauf hinzuwirken, dass der eigentlich gebräuchlich wirkende Name Ruheforst einzig und allein von der gleichlautenden Gesellschaft verwendet werden dürfe.

Der Anspruch leitet sich aus dem Geschäftszweck dieser Gesellschaft ab, die an mehr als 60 Standorten Bestattungswälder betreibt, also außerhalb traditioneller Friedhofsareale gelegene Waldflächen, auf denen eine Beisetzung von Totenasche möglich ist. Die Branche scheint zu florieren, ist allenthalben von Expansion geprägt, worauf nicht zuletzt ein durchaus lebhaft wirkender Wettbewerb hindeutet. So betreibt die Ruheforst GmbH auch in Fußballstadien Bandenwerbung, geht marketingmäßig also durchaus dorthin, wo das Leben tobt.

Und sie nimmt's auch von denen, wenn's ihr denn gegeben wird. Nach Darstellung Rainer Dombergs hatte die Klägerin von der Heidenheimer Stadtverwaltung wissen wollen, wieviele Baumbestattungen auf dem Waldfriedhof schon vorgenommen worden sind. „Die wollten den Gewinn der Stadt Heidenheim abschöpfen,“ so der Bürgermeister zum tieferen Sinn dieser Frage : „Einen Gewinn, den's gar nicht gibt, weil wir Gebühren erheben, und die sind kostendeckend.“ Die Ruheforst GmbH hat auf eine entsprechende Presseanfrage nicht geantwortet.

Der Vergleichsweg

So oder so. Bei der Offensive ging's, wie im richtigen Leben, offenbar allein ums Geld. „Hätte die Stadt jährlich 30 000 Euro bezahlt, hätten wir den Namen weiter verwenden dürfen,“ erklärt Domberg, der sich auf einen solchen Handel aber nicht eingelassen, sondern den Angriff aufs Stadtsäckel juristisch abgewehrt hat.

Die Kommune stimmte einem außergerichtlichen Anwaltsvergleich zu und verpflichtet sich damit gegenüber der Ruheforst GmbH, den als Marke betrachteten Namen nicht mehr zu verwenden. Kostet nix, zog nur die Notwendigkeit nach sich, einen neuen Namen zu suchen – aber, da trifft Rainer Dombergs Intention ins Schwarze, einen Tod muss man sterben.

Die Wahl fiel übrigens auf „Feld für Baumbestattungen“. Ein unverfänglicher Name, wenngleich er leicht in die Irre führen könnte. Schließlich werden dort Urnen, keine Bäume bestattet...