Heidenheim Heidenheimer Rathaus verliert seine Beton-Optik

Das Rathaus bleibt stehen und wird energetisch saniert. Ob der Beton hinter Glas oder einer hellen Fassade verschwindet, ist noch unklar. Eine große Veränderung im Umfeld wird der Abriss des Meeboldhauses (rechts daneben) in einigen Jahren sein.
Das Rathaus bleibt stehen und wird energetisch saniert. Ob der Beton hinter Glas oder einer hellen Fassade verschwindet, ist noch unklar. Eine große Veränderung im Umfeld wird der Abriss des Meeboldhauses (rechts daneben) in einigen Jahren sein. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Karin Fuchs 28.06.2018
Die Innenstadt rund ums Rathaus wird sich in den kommenden Jahren markant verändern. Das Rathaus bekommt eine neue Fassade, das Meeboldhaus wird in einigen Jahren abgerissen.

Mit Zukunftsfragen hat sich der Gemeinderat bei einer Klausurtagung beschäftigt. Eines der dominanten Themen war die Entwicklung des Rathauses und dessen Umfeld, die Zukunft des Meeboldhauses und die Achsen in der Innenstadt bis hinein in die Fußgängerzone.

„Unsere Kernaussage ist: Das Rathaus bleibt in der jetzigen Form stehen“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg, der in einem Pressegespräch das Konzept der Stadtverwaltung vorstellte. In welcher Reihenfolge und wie schnell die Dinge umgesetzt werden, das liege in der Entscheidungshoheit des Gemeinderates und an den finanziellen Mitteln der Stadt.

Rathaus first

Denn dass der Umbau kein Pappenstiel sein wird, steht schon jetzt fest. Über die Rathaus-Frage hatte der Gemeinderat schon vor einigen Jahren gebrütet und sich aus Kostengründen für eine Sanierung entschieden. Ein Abriss und Neubau hätte 47 Millionen Euro gekostet, eine Sanierung nach ersten Schätzungen knapp 23 Millionen Euro.

Start der Sanierung im Jahr 2020 möglich

„Die Fenster sind teils blind, bei manchen regnet es herein. Im Winter dringt die Wärme nach draußen, im Sommer kommt die Hitze rein“, beschreibt der Oberbürgermeisters in Kürze den Zustand des Rathauses. In den oberen Stockwerken herrsche im Sommer schon um 11 Uhr eine Temperatur von 28 Grad. Kurzum: Die Fassade des mehr als 50 Jahre alten Gebäudes ist weit entfernt von heutigen energetischen Anforderungen. Start der Sanierung könnte im Jahr 2020 sein.

Wie genau das Rathaus dann aussehen wird, werden die Planungen ergeben. Von einer Glasfassade bis hin zu einem neuen, hellen Material als Außenhaut ist vieles drin, meint der OB.

Bei der Klausurtagung ging es um viel mehr als allein das Rathaus: Die Stadtverwaltung hatte dem Gremium einen Plan für das Umfeld vorgestellt, der bis in die kommenden zehn Jahre hinein reichen wird.

Stadtplatz statt Meeboldhaus

Eine markante Veränderung wird der Abriss des Meeboldhauses sein, der allerdings erst in ein paar Jahren auf dem Plan steht. Bis dahin werde in das Gebäude zwar nichts mehr investiert, aber weiterhin genutzt. Später soll hier ein neuer Stadtplatz entstehen, der nicht nur optisch wirken, sondern auch genutzt werden soll: eventuell für den Wochenmarkt.

Damit die Achsen dennoch erkennbar bleiben, schlägt die Verwaltung ein neues Gebäude vor weiter südlich vor an der Ecke Grabenstraße/Am Wedelgraben. Vielleicht, so die Hoffnung, gelingt es, das mit Gastronomie zu nutzen.

Weil das Meeboldhaus-Gelände höher liegt, braucht es einen Übergang mit Treppen hin zur Grabenstraße. Womit auch gleich der großflächige Pühn-Brunnen nebenan ins Auge fällt: „Der Brunnen kommt auf jeden Fall weg“, sagt der OB, wobei es jedoch noch keinen Architektenwettbewerb gibt, wie das Ganze stattdessen auszusehen hat.

Durchgang zur Fußgängerzone

Doch wie schafft man nun eine bessere Verknüpfung von der Bibliothek und vom Rathaus bis hinein in die Fußgängerzone? „Die Hauptstraße ist bislang isoliert“, weist der OB auf die optische Trennung. „Wo könnte man hier öffnen, um einen besseren Durchgang zu schaffen?“ Auf der Aufgabenliste ist diese Frage zwar aufgenommen, doch eine Antwort gibt es bislang nicht. Die Häuser entlang der Verbindungsgassen lassen sich nicht so einfach wegzaubern.

Park statt Straße

Zwei Straßen will sich die Verwaltung in nächster Zeit etwas genauer ansehen und deren Funktion hinterfragen: die Grabenstraße und die Helmut-Bornefeld-Straße. Vielleicht, so Ilgs Gedanken, könnte das Ergebnis sein, dass zwischen Rathaus und Pauluskirche ein verkehrsberuhigter Bereich besser wäre und der Durchgangsverkehrs dadurch weniger würde. Dann könnte auch der Gedanke verfolgt werden, den Park um die Pauluskirche hin zum Rathaus zu erweitern. „Wir gut das Gelände genutzt werden kann, hat ja erst kürzlich der Tag der Diakonie gezeigt.“

Das Heidenheimer Rathaus gilt als beispielhaft für den Brutalismus

Mit einer Posse beginnt die Geschichte des Heidenheimer Rathauses. 1961 gewinnen die Stuttgarter Architekten Robert Ackermann und Hans-Jürgen Hüttche den ersten Preis beim Architekturwettbewerb. Kurz darauf stellte sich heraus, dass beide nicht in die Architektenliste eingetragen sind, weshalb der Degerlocher Jürgen Schwarz als Preisträger nachrückt.

Dennoch wird der Entwurf der eigentlichen Sieger gebaut. Er wird als „herausragend“ gelobt. Den Auftrag zur Planung erteilt der Gemeinderat allen drei Architekten.

1964 wird mit dem Erdaushub für die Tiefgarage begonnen. Nach einigen Baustopps wird das Rathaus schließlich am 3. November 1972 eingeweiht.

Heute gilt das Heidenheimer Rathaus als beispielhaft für den so genannten Brutalismus. Dieser Baustil ist geprägt von Sichtbeton. Die Gebäude wirken wie Skulpturen und sind gegliedert. Das Heidenheimer Rathaus hat eine X-Form.

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