Heidenheim Psychiatrie: Heidenheimer Chefarzt begrüßt Urteil zur Fixierung

Patienten in der Psychiatrie dürfen nicht mehr länger als 30 Minuten ohne richterliche Anordnung fixiert werden.
Patienten in der Psychiatrie dürfen nicht mehr länger als 30 Minuten ohne richterliche Anordnung fixiert werden. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Silja Kummer 24.07.2018
Der Chefarzt der Psychiatrie am Heidenheimer Klinikum, Dr. Martin Zinkler, begrüßt das Urteil, das am Dienstag vom Bundesverfassungsgericht hinsichtlich der Fixierung von Patienten in der Psychiatrie gefällt wurde. Er war selbst an dem Verfahren beteiligt.

Im Februar war Dr. Martin Zinkler als Sachverständiger bei der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe als Sachverständiger angehört worden.

Die Verfassungsbeschwerde hatten zwei Patienten eingelegt, die ihrer Meinung nach widerrechtlich fixiert worden waren. Fixierungen, so Zinkler damals in seiner Stellungnahme vor den Richtern, kämen nur in Notwehrsituationen in Frage, wenn der Pateinten jemanden angreife und nicht anders davon abzuhalten sei, jemandem Schaden zuzufügen.

„Das ist für Kliniken umsetzbar“

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das am Dienstag bekannt gemacht wurde, hält Zinkler für ausgewogen. „Noch drastischer wäre ein komplettes Verbot von Fixierungen oder eine Erlaubnis nur mit richterlicher Genehmigung gewesen“.

Dr. Martin Zinkler
Dr. Martin Zinkler © Foto: Markus Brandhuber

Laut des Urteils darf ab sofort ein Patient in der Psychiatrie nicht länger als 30 Minuten ans Bett gefesselt werden. Dauert die Situation länger an, muss ein Richter über die Fixierung entscheiden. „Das ist für Kliniken umsetzbar“, meint Zinkler, nur die Richter würden etwas mehr zu tun bekommen. „Eine Fixierung ist eine sehr drastische Maßnahme, die Entscheidung darüber kann man nicht nur den Ärzten überlassen“, so Zinkler.

Patientenrechte werden gestärkt

„Die Rechte der Patienten werden mit dem Urteil eindeutig gestärkt“, sagt Zinkler, der als Experte auf dem Gebiet der gewaltfreien Psychiatrie gilt. Der Regelungsbedarf hinsichtlich der Fixierungen sei unbestritten gewesen, so der Psychiater. Auch die 1:1-Betreuung von Patienten während der Fixierung, die in Heidenheim ohnehin schon praktiziert werde, ist nun im Gesetz festgeschrieben. „Das ist eine Bestätigung für unsere Arbeit“, meint der Heidenheimer Chefarzt.

„Fünf-Punkt-“ und „Sieben-Punkt-Fixierung“

Es wird unterschieden zwischen zwei Arten der Fixierung von Patienten: Der so genannten "Fünf-Punkt-Fixierung" und der „Sieben-Punkt-Fixierung“

Bei der "Fünf-Punkt-Fixierung" werden beide Arme und Beine sowie der Bauch festgezurrt.

Bei der "Sieben-Punkt-Fixierung" kommen noch Brust und Stirn hinzu. Der Patient kann sich, derart fixiert, nahezu gar nicht mehr bewegen.

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